Rems-Murr-Kreis

Prozess um Krypto-Dealer aus Winnenden: Geständnis? Oder sechs Jahre Haft?

Landgericht
Blick ins Landgericht Stuttgart. © ALEXANDRA PALMIZI

Im Falle des mutmaßlichen Winnender Krypto-Drogenhändlers (wir berichteten) haben die Prozessbeteiligten im Stuttgarter Landgericht hinter verschlossenen Türen über das Strafmaß gesprochen. Bei den Zeugenvernehmungen ging es um eine turbulente Wohnungsdurchsuchung.

Ohne Geständnis muss der Mann für seinen kiloschweren Marihuana-Handel mit sechs Jahren Haft rechnen. Einen Strafkorridor von vier Jahren und neun Monaten bis zu fünf Jahren und vier Monaten, so informierte der vorsitzende Richter Wolfgang Wünsch jetzt die Öffentlichkeit, eröffne die 18. große Strafkammer dem Angeklagten nur, wenn er ein „vorbehaltloses Geständnis im Umfang der Anklage“ ablegt.

Rauschgiftgeschäfte über den Messengerdienst Encrochat

Auch am zweiten Prozesstag schwieg sich der Mann aus Winnenden zu den Rauschgiftgeschäften über den Messengerdienst Encrochat, mit denen er im April und Juni 2020 rund 80.000 Euro Gewinn gemacht haben soll, aus. Die Strategie seiner Verteidiger Rüdiger Böhm und Markus Schwab zielt darauf ab, dass ihm das Gericht nicht alle Geschäfte nachweisen kann, weil als Beweismittel in erster Linie Handy-Chatverläufe des Messengerdienstes Encrochat zur Verfügung stehen. (Encrochat spielte auch in diesem Prozess eine Rolle, über den wir mehrfach berichteten, unter anderem hier und hier.)

Drogen wurden bei den Durchsuchungen seiner Winnender Wohnung und der Wohnung seiner Verlobten in Stuttgart-Feuerbach keine gefunden.

Fest steht bereits, dass der Mann kein Ersttäter ist. Das Amtsgericht Backnang hat den in Murrhardt und Backnang aufgewachsenen Winnender wegen Beihilfe zum Drogenhandel erst am 9. Mai dieses Jahres zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, nachdem er innerhalb einer Bande, die sich im Netz unter Decknamen tummelte, als Drogenkurier unterwegs gewesen war.

Eine recht schwungvolle Wonhungsdurchsuchung

Im Landgerichtsfall berichtete jetzt eine Beamtin des Landeskriminalamtes, wie am 18. Mai letzten Jahres morgens um sechs Uhr die Durchsuchung der Winnender Wohnung ablief, wo schweres Geschütz aufgefahren wurde.

Die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Göppingen sei gewaltsam in die Wohnung eingedrungen, habe aber dort nur die im Wohnzimmer auf dem Sofa schlafende Mutter des Angeklagten angetroffen. Die Durchsuchung, fuhr die LKA-Beamtin fort, habe die Mutter sehr mitgenommen, sie habe über Herzschmerzen geklagt. Der eingesetzte Rauschgiftspürhund habe an einem Tresor angeschlagen, in welchem 7700 Euro, der Ausweis, die Krankenversichertenkarte und weitere auf zwei verschiedene Namen ausgestellte Dokumente des Angeklagten gelegen hätten.

Marihuana spürte der Hund keines auf, aber die Polizisten fanden 89 Ampullen Testosteron mit Spritzen und 29 Tabletten des verschreibungspflichtigen Schmerzmittels Tilidin.

„Sah es in der Wohnung durchsuchungsbedingt so aus?“ Das fragte Richter Wünsch, als er die Polizeifotos betrachtete, die zeigten, dass in den Zimmern so ziemlich alles auf den Kopf gestellt war.

„Alle Schränke waren extrem voll“, erklärte die Zeugin, es hätten auch Männerklamotten und Geld herumgelegen, von dem es aber geheißen habe, das sei für eine Hochzeit und für eine Türkeireise der Mutter.

Ein Beamter von der Stuttgarter Zollfahndung war mit in der Feuerbacher Wohnung der Verlobten des Angeklagten, die vor Gericht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht als Angehörige Gebrauch macht. Auch dort waren weder Drogen noch der Gesuchte, worauf die Polizei die Fahndung einleitete.

Marihuana aus Spanien und verdächtige Geodaten

Eine Zeugin von der Bundespolizeidirektion Kriminalitätsbekämpfung hat gegen eine ganze Reihe von Personen ermittelt, die Marihuana aus Spanien nach Deutschland schmuggelten, und ist dabei auf den Mann aus Winnenden gestoßen. Dieser habe immer die Geodaten bekommen, wo sich der Transport von beispielsweise 90 Kilo Marihuana nach Frankfurt oder 50 Kilo Marihuana in den Raum Stuttgart, versteckt in Kartons mit modischen Handtaschen, gerade befand.

Als die Bundespolizistin Daten beschlagnahmter Handys auswertete, fragte der Angeklagte an einer Stelle, wo er den Stoff abholen solle, und bekam die Antwort „In Feuerbach wahrscheinlich“.

Der Prozess wird am Dienstag, 19. Juli, um 9 Uhr fortgesetzt.

Im Falle des mutmaßlichen Winnender Krypto-Drogenhändlers (wir berichteten) haben die Prozessbeteiligten im Stuttgarter Landgericht hinter verschlossenen Türen über das Strafmaß gesprochen. Bei den Zeugenvernehmungen ging es um eine turbulente Wohnungsdurchsuchung.

Ohne Geständnis muss der Mann für seinen kiloschweren Marihuana-Handel mit sechs Jahren Haft rechnen. Einen Strafkorridor von vier Jahren und neun Monaten bis zu fünf Jahren und vier Monaten, so informierte der vorsitzende

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