Rems-Murr-Kreis

Prozess um Vergewaltigung einer geistig Behinderten: Mutmaßliches Opfer aussagetüchtig

Landgericht
Der Verhandlungsort: das Landgericht Stuttgart. © ALEXANDRA PALMIZI

Hat ein 38-jähriger Asybewerber einen damals 24-jährigen Schützling aus der Diakonie Stetten am 14. Januar dieses Jahres in seine Unterkunft geschleppt und dort vergewaltigt? Bisher bekam das Stuttgarter Landgericht aus dem Umfeld der jungen Frau keine besonders brauchbaren Zeugenaussagen. Auch die Vernehmung der jungen Frau selbst gestaltete sich schwierig. Anders bei der Psychologin und Kriminologin, Ursula Gasch, welche die Behinderte im Glaubwürdigkeitsgutachtens schon mal als aussagetüchtig einstufte.

Widersprüchliche Aussagen der Betreuerinnen

Die Aussagen der Betreuerinnen aus der Diakonie waren teilweise widersprüchlich. Auch zum Entwicklungsstand der jungen Frau, die in einer Behindertenwerkstatt arbeitet und jeden Tag mit der S-Bahn dorthin fährt, unterschieden sich. Die einen meinten, sie sei auf dem Stand einer Achtjährigen und die anderen verorteten sie im vorpubertären Alter. Um dahinter zu kommen, was am 14. Januar wirklich passiert ist, muss das Gericht prüfen, was dem mutmaßlichen Opfer in den Mund gelegt worden sein könnte. Denn selbst hat es nichts erzählt und wenn der vorsitzende Richter, Reiner Skujat, in die Akte schaut, könnte es sogar verpetzt worden sein.

Mit Cola in Asylbewerberheim gelockt?

Wer mit der heute 25 Jahre alten Frau zur Polizei und zum Frauenarzt ging, war eine der Betreuerinnen. Der angeklagte 38-jährige Nordafrikaner aus Weinstadt-Großheppach hat vor Gericht lediglich eingeräumt, sich der behinderten Frau „angenähert“ zu haben. Kennengelernt hat er sie beim S-Bahn-Fahren und dann an ihrer Arbeitsstelle angerufen. Es wurden auch Nacktbilder von ihm auf dem Handy der jungen Frau gefunden. Nachdem schon bei der Polizei nicht ganz klar war, ob die Tat, die als Vergewaltigung in der Anklage landete, auch ein sexuelles Bedrängen oder ein Sexualdelikt an einer widerstandsunfähigen Person gewesen sein könnte, fragt sich das Gericht nun, was es mit der Cola auf sich hat, mit der das mutmaßliche Opfer in die Asylbewerberheim gelockt worden sein soll. Nach Aussage der Wohnbereichsleiterin schleppte sie diese am Folgetag den ganzen Tag mit sich herum.

25-Jährige kommt aus einer streng katholischen Familie

Kriminologin Ursula Gasch ist die einzige, die mit dem mutmaßlichen Opfer alleine gesprochen hat. Die Betreuerin schickte sie nach einem kurzen Vorgespräch in Tübingen wieder aus dem Zimmer. Im Zweier-Gespräch kristallisierte sich recht schnell heraus, was die junge Frau meint, wenn sie sich mit einfachen Worten anstatt grammatikalisch korrekten Sätzen ausdrückt. „Moralische No-Gos beschreibt sie mit „langsam machen“ und überfordernde Dinge mit „schwer“, erklärte die Expertin. Die heute 25-Jährige sei über Sexualität hinreichend aufgeklärt. Als es allerdings an den Vorfall in Weinstadt gegangen sei, habe die Untersuchte beschämt zu Boden geschaut. Diese habe auch von ihrem Freund erzählt, der ebenfalls mittelgradig geistig behindert sei, und den sie wegen Corona längere Zeit nicht habe sehen können.

Den Angeklagten, so berichtete die junge Frau der Gutachterin, kenne sie seit Kurzem „vom Zugfahren“ und dieser trage immer grüne Schuhe. Sie nennt ihn „der Junge“, sagte die Expertin. Bei tatbestandlich relevanten Schilderungen jedoch sei das mutmaßliche Opfer „unglaublich schambesetzt“ aufgetreten und es sei ihm alles sehr peinlich gewesen. Aus der Biografie der 25-Jährigen wurde am dritten Verhandlungstag noch bekannt, dass es aus einer streng katholischen Familie kommt und mit der Mutter weder über Sexualität noch über andere Probleme sprechen kann. Gegenüber der Gutachterin hat sie sich aber „emotional sehr klar ausgedrückt“.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Hat ein 38-jähriger Asybewerber einen damals 24-jährigen Schützling aus der Diakonie Stetten am 14. Januar dieses Jahres in seine Unterkunft geschleppt und dort vergewaltigt? Bisher bekam das Stuttgarter Landgericht aus dem Umfeld der jungen Frau keine besonders brauchbaren Zeugenaussagen. Auch die Vernehmung der jungen Frau selbst gestaltete sich schwierig. Anders bei der Psychologin und Kriminologin, Ursula Gasch, welche die Behinderte im Glaubwürdigkeitsgutachtens schon mal als

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