Rems-Murr-Kreis

Prozess um versuchten Totschlag in Winnenden: Familienvater zu Haftstrafe verurteilt

Landgericht
Symbolfoto. © Alexandra Palmizi

Nach acht Verhandlungstagen hat das Stuttgarter Landgericht das Urteil über den 35-jährigen Iraker gesprochen, der am Schulzentrum in der Albertviller Straße mit einem abgebrochenen Flaschenhals auf seine Ehefrau eingestochen hat. Die 19. große Strafkammer erkannte in dem versuchten Totschlag auf vier Jahre und vier Monate Gefängnis und ordnete parallel dazu eine 18-monatige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Als gefährlich für die Allgemeinheit stufte das Gericht den Verurteilten nicht ein. Als gefährlich für seine Angehörigen unter Alkoholeinfluss indes schon. Viel Alkohol getrunken hat der wegen häuslicher Gewalt aus der Wohnung verwiesene Familienvater seit 2016. Im Irak war ihm Alkohol wegen seiner Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft der Jesiden verboten. Als vermindert schuldfähig oder gar schuldunfähig wegen Alkohols stufte das Gericht den Winnender nicht ein. Gestützt auf ein Gutachten des Gerichtspsychiaters, Professor Nenad Vasic aus Göppingen, war er zur Tatzeit alkoholbedingt enthemmt, aber voll schuldfähig.

Noch heute leidet das Opfer

Ob die Frau ihre schweren Verletzungen überlebt hätte, wenn ihr am Abend des 25. Juni vergangenen Jahres nicht junge Leute zu Hilfe gekommen wären, die den Mann schlagen und treten mussten, damit er endlich von seinem Opfer abließ, blieb dahingestellt. Sie leidet heute noch unter den psychischen und körperlichen Folgen der Tat und muss noch mindestens ein Jahr lang Medikamente nehmen.

Motiv für die Tat könnte der Urteilsbegründung des Vorsitzenden Richters Norbert Winkelmann zufolge Rache gewesen sein. Der Mann sei wütend gewesen, weil die Frau seine Anrufe nicht angenommen hat. Staatsanwalt Thomas Hochstein hatte von Anfang an vermutet, dass sich der Mann dafür rächen wollte, dass er seine Kinder nicht mehr sehen darf, und seine Ehefrau abstrafen wollte, was Richter Winkelmann bei der Urteilsbegründung bestätigte. Aus seiner Sicht wollte der Mann seiner Frau keinen Denkzettel verpassen, sondern sie tatsächlich töten. Ein gewalttätiger Mensch sei der Mann nicht schon immer gewesen, aber mit zunehmendem Alkoholkonsum zu einem geworden. Zu den Eheproblemen sagte der Richter, der Iraker könne nicht akzeptieren, dass seine Frau eine eigenständige Person mit eigenem Willen ist. Winkelmann zitierte noch einmal, was der Verurteilte über seine Tatabsicht preisgab, während er sein Opfer in den Oberkörper, in den Hals und in den Kopf stach: „Du kannst dich nicht vor meinen Händen retten, ich bringe dich um.“

Urteilsbegründung: Verurteilter konnte die Tat nicht vollenden, wollte es aber

Der Verurteilte habe die Tat zwar nicht vollenden können, aber wollen, hieß es in der Urteilsbegründung weiter. Bei der Beweisaufnahme taten sich familiäre Beweggründe wie beispielsweise die Doppelehe des Angeklagten und Druck der Verwandtschaft in Richtung Zwangsverheiratung einer der Töchter auf, an welcher Ehrenmord verübt werden sollte, weil sie einen unpassenden Freund hat. Auf einem Film, den der Mann selbst mit seinem Mobiltelefon gedreht hat, kauert seine Mutter, die mit in der Familie lebt, in einer Ecke. Das Gericht kam zu der Erkenntnis, dass nicht nur die Ehefrau, sondern auch die Oma unter der Gewalttätigkeit des Mannes gelitten hat. Wenn er die Mutter schlug oder würgte und die Oma schubste, bekamen die Kinder der nach Einschätzung des Gerichts gut integrierten Familie Angst.

Der Angeklagte und dessen Ehefrau waren schon lange vor der Tat zwischen der Haselsteinschule und dem Lessing-Gymnasium immer wieder in Streit geraten, vor allem ums Geld. Der Angeklagte selbst sagte am Anfang des Prozesses nur, er habe vor der Tat etwa 15 Bier getrunken und machte - außer den Zeugen der Anklage ein paarmal ins Wort zu fallen - an allen Verhandlungstagen von seinem Schweigerecht Gebrauch. Allerdings zeigte der Winnender Familienvater in einem Brief Reue und Einsicht, was zusammen mit seiner achtmonatigen Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim bei der Urteilsfindung des Gerichts berücksichtigt wurde.

Nach acht Verhandlungstagen hat das Stuttgarter Landgericht das Urteil über den 35-jährigen Iraker gesprochen, der am Schulzentrum in der Albertviller Straße mit einem abgebrochenen Flaschenhals auf seine Ehefrau eingestochen hat. Die 19. große Strafkammer erkannte in dem versuchten Totschlag auf vier Jahre und vier Monate Gefängnis und ordnete parallel dazu eine 18-monatige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Als gefährlich für die Allgemeinheit stufte das Gericht den

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