Rems-Murr-Kreis

Prozess um versuchten Totschlag in Winnenden: Landgericht lobt Schüler für ihre Zivilcourage

Landgericht
Das Landgericht Stuttgart. © Alexandra Palmizi

Im Stuttgarter Landgerichtsprozess um einen versuchten Totschlag eines 35-jährigen Irakers an seiner Nochehefrau am Schulzentrum Winnenden haben unter anderem Schüler und Auszubildende, die der Frau das Leben gerettet haben, als Zeugen ausgesagt. Nicht nur die 34-jährige Frau selber sagt: „Ohne sie wäre ich nicht mehr am Leben.“

Der vorsitzende Richter der 19. Strafkammer, Norbert Winkelmann, lobte dann auch im Gerichtssaal die jungen Leute für ihre Zivilcourage.

„Frau blutete von oben bis unten“

Ein 21-jähriger Schüler aus Winnenden hatte sich am Abend des 25. Juni letzten Jahres mit Freunden an der Sporthalle getroffen, als sie gegen 21.20 Uhr plötzlich Schreie hörten. Einer von ihnen sah, dass ein Mann zwischen der Haselsteinschule und dem Lessing-Gymnasium mit der Faust auf eine Frau einschlug und mit dem Hals einer abgebrochenen Bierflasche auf sie einstach. Die drei jungen Männer und eine junge Frau eilten dem Opfer zu Hilfe und sagten zum Angeklagten, er soll weggehen. Nach der Zeugenaussage des 21-jährigen Schülers reagierte der Täter nicht, sondern machte weiter.

Die jungen Leute versuchten, den Angreifer, der sich über die am Boden liegende Frau beugte, von dieser wegzuziehen. Der Schüler sagte aus, der Angreifer habe trotz Schlägen seitens der Zeugen nicht vom Opfer abgelassen. Dann hätte der Mann auch auf sie mit dem Flaschenhals losgehen wollen, hätte es sich dann aber anders überlegt und sei in Richtung der Innenstadt abgehauen.

„Die Frau blutete von oben bis unten“, schilderte der 21-Jährige die Situation in der Nähe des Kinderspielplatzes, von welchem das Opfer zusammen mit zwei anderen Müttern gekommen war. Dass eine Menge Kinder die Tat mit anschauen mussten, habe den Angeklagten nicht interessiert, erzählte ein 17-jähriger Azubi aus Leutenbach. Er schilderte, wie er und seine Freunde der Frau aufgeholfen haben, bis der Krankenwagen kam. „Sie blutete am Kopf, hatte Schnittwunden am Arm und alles war voller Blut“, fuhr der Azubi fort. Nach der Rettung habe die Frau noch sagen können „Danke, meine Brüder und Schwestern“ und gesagt, bei dem Täter handele es sich um ihren Mann. „Er wollte nicht von ihr ablassen, bis er selber nicht mehr konnte“, erinnerte sich der 17-Jährige an die „aggressiven Augen“ des Täters.

Ein weiterer 21-jähriger Schüler aus Winnenden sah den Täter am Oberkopf der Frau mit dem Flaschenhals zustechen. „Der Mann hat auch uns bedroht, indem er andeutete, eine Waffe aus der Hosentasche zu ziehen“, sagte dieser Schüler aus.

„Ich dachte, die Frau stirbt“, trat eine 18-jährige Auszubildende aus Winnenden in den Zeugenstand. „Die Kinder waren sehr traurig und haben geweint“, erzählte diese Zeugin, wie sie den Kindern Geld gab und sagte, sie sollen sich dafür etwas zu essen kaufen.

Eine 38-jährige Krankenschwester aus Backnang, die ebenfalls mit ihren Kindern vom Spielen kam, versuchte, den Täter am Rücken von seinem Opfer wegzuziehen, und bekam dabei einen Stich mit dem Flaschenhals am Arm ab.

Auch sie musste mit dem Krankenwagen abtransportiert werden und behält eine Narbe zurück, die sich die Gerichtsmedizinerin Dr. Adina Schweickhardt aus Tübingen im Gericht ansah. Sie gibt eine Einschätzung über die Lebensgefährlichkeit der Verletzungen ab.

Den Zustand des aktuell in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten zur Tatzeit beschrieben die Zeugen als „orientierungslos“. Der Mann habe keine Miene verzogen, vermuteten sie Alkohol- und/oder Drogenkonsum. Im Urteil wird sich zeigen, ob das zu einer verminderten Schuldfähigkeit oder gar zu einer Schuldunfähigkeit des Angeklagten führt.

Der Prozess wird am Donnerstag, 11. März, fortgesetzt.

Im Stuttgarter Landgerichtsprozess um einen versuchten Totschlag eines 35-jährigen Irakers an seiner Nochehefrau am Schulzentrum Winnenden haben unter anderem Schüler und Auszubildende, die der Frau das Leben gerettet haben, als Zeugen ausgesagt. Nicht nur die 34-jährige Frau selber sagt: „Ohne sie wäre ich nicht mehr am Leben.“

Der vorsitzende Richter der 19. Strafkammer, Norbert Winkelmann, lobte dann auch im Gerichtssaal die jungen Leute für ihre Zivilcourage.

„Frau blutete

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper