Rems-Murr-Kreis

Prozess um Winnender Kindesmissbrauch endet mit Bewährungsstrafe

Landgericht
Das Landgericht Stuttgart. © ALEXANDRA PALMIZI

Mit zwei Jahren Haft auf Bewährung ist vor dem Stuttgarter Landgericht der Winnender Missbrauchsfall (wir berichteten) ausgegangen. Als tragende Säule dafür, dass der Mann für den schweren sexuellen Missbrauch der Tochter seiner Ex-Partnerin nicht ins Gefängnis muss, bezeichnete Richterin Monika Lamberti den erfolgten Täter-Opfer-Ausgleich: 3000 Euro waren schon vor dem Beginn des Prozesses geflossen, und auf die Zahlung von weiteren 12 000 Euro haben sich die Anwälte während des Prozesses geeinigt.

Die Mutter des zur Tatzeit April 2014 bis Februar 2016 zehn Jahre alten Mädchens hatte mit dem Täter eine Beziehung und glaubte ihrem Kind nicht, dass es sexuell missbraucht wird. Doch der Mann legte vor Gericht ein glaubwürdiges Geständnis ab.

Die heute 16-Jährige wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeugin vernommen. Im Zuge der Urteilsbegründung informierte Richterin Lamberti die Öffentlichkeit dann: Das Opfer glaube dem Täter, dass er zutiefst bereut, was er getan hat.

Das Geständnis war recht umfangreich

Der Täter aus Kornwestheim hat zwar nicht bei seiner damaligen Freundin und ihren beiden Kindern in Winnenden gewohnt, aber er war oft mit dem Opfer und dessen jüngerem Bruder alleine, wenn die Mutter zur Arbeit musste. Vor Gericht gab er zu, sich regelmäßig an der damals Zehnjährigen vergriffen zu haben. Die sexuellen Übergriffe gingen bis zum Eindringen mit einem Finger in den Körper des Kindes.

Ein Motiv für den Missbrauch konnte er nicht nennen und beteuerte, die Tochter seiner Ex-Freundin sei das einzige Kind, dem er etwas angetan habe.

Die Bewährungszeit in diesem Fall hat das Gericht auf vier Jahre festgesetzt und den Mann einem hauptamtlichen Bewährungshelfer unterstellt. Der Verurteilte muss nachweisen, dass er zu einer sexualtherapeutischen Beratungsstelle geht und, wenn diese es für nötig erachtet, eine Therapie macht.

Über den Weg laufen sich Täter und Opfer heute nicht mehr, weil die Mutter des Kindes die Beziehung zum Verurteilten beendet hat, als alles herauskam. Weil das Mädchen kein Gehör bei seiner Mutter fand, vertraute es sich dem leiblichen Vater an, der dafür sorgte, dass die Sache zur Anzeige kam.

Nicht ins Gefängnis zu müssen, war das erklärte Ziel des Täters – das Gericht entsprach dem Wunsch, weil dem Mann eine positive Sozial- und Kriminalprognose zu unterstellen sei. Der schwierigste Punkt war, zu prüfen, ob seine Reue echt ist oder ob er die Tränen auf dem Anklagestuhl nur zur Schau laufen ließ. Denn sein Vorgehen als Täter war perfide: Er lockte das nichts ahnende Kind unter dem Vorwand ins Schlafzimmer, dass er ihm etwas vorlesen oder etwas mit ihm spielen wolle, und klemmte von innen einen Stuhl gegen die Tür, damit keiner hereinkommen konnte.

Wie das Mädchen bis heute am Geschehenen leidet, zeigt sich Richterin Lamberti zufolge an der Kleidung, die es trägt; weitere Folgeschäden sind nicht abzuschätzen.

Wunnebad-Verdacht ließ sich nicht erhärten

Dass der Mann sein Opfer nicht nur zu Hause, sondern auch in einer Umkleidekabine des Winnender Wunnebades sexuell missbraucht habe, konnte die Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts dem Kornwestheimer nicht nachweisen. Das war die einzige von insgesamt fünf Einzeltaten, die er bestritt.

Mit zwei Jahren Haft auf Bewährung ist vor dem Stuttgarter Landgericht der Winnender Missbrauchsfall (wir berichteten) ausgegangen. Als tragende Säule dafür, dass der Mann für den schweren sexuellen Missbrauch der Tochter seiner Ex-Partnerin nicht ins Gefängnis muss, bezeichnete Richterin Monika Lamberti den erfolgten Täter-Opfer-Ausgleich: 3000 Euro waren schon vor dem Beginn des Prozesses geflossen, und auf die Zahlung von weiteren 12 000 Euro haben sich die Anwälte während des Prozesses

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