Rems-Murr-Kreis

PS-Beschränkung für junge Autofahrer?

f47fa36f-aba7-4df1-ad24-4cc14d65879b.jpg_0
Wenn jetzt ein Unfall passiert, dann könnte die Anklage auf Mord lauten. Symbolbild. © ZVW/Gabriel Habermann (Fotomonta

Waiblingen/Backnang. Der Fahrer sehr jung, das Auto ein Super-Flitzer: Eine gefährliche Kombi, wie ein Unfall am Wochenende in Backnang wieder gezeigt hat. Ein 20-jähriger AMG-Fahrer wurde nach zu rasanter Fahrt schwer verletzt in eine Klinik eingeliefert. Einsteiger auf zwei Rädern müssen sich über den Stufenführerschein an schnelle Maschinen herantasten. Autofahrer dürfen von der ersten Stunde an PS-strotzende Wagen steuern. Warum?

Ein gestaffelter Kfz-Führerschein, der Anfängern schnelle Autos verwehrt, „wäre absolut nicht praktikabel“, findet Jochen Klima, der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg. Was sollten dann Eltern von Fahranfängern tun, deren Familien-Kutsche zu viele PS hat? Der Tochter, dem Sohn mal eben ein PS-schwaches Auto kaufen, weil sie oder er ja mit was anderem nicht fahren darf? Wer kann, wer will sich das schon leisten.

„Wo wollen Sie da die Grenze ziehen?“, fragt Siegfried Brockmann, der Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Den abgestuften Motorradführerschein hält er für sinnvoll, weil ein Zweirad schwieriger zu handhaben sei; schon allein das Bremsverhalten in der Kurve braucht viel Übung. Wegen der besonderen Anfordernisse beim Motorradfahren sei es wichtig, „die brachiale Kraft für den Anfang zu begrenzen“.

Mangelndes Können und hohe Risikobereitschaft

Nicht so beim Auto. Brockmann kann einem Stufenführerschein fürs Auto nichts abgewinnen. Zumal eine PS-Beschränkung zu Beginn einer Autofahrerkarriere einen jungen Raser kaum stoppen würde: Auch mit einem 90-PS-Auto lässt sich Verheerendes anrichten. Bei Fahranfängern treffen, das ist die Krux, zwei kritische Komponenten aufeinander: „mangelndes Können“, so formuliert es Siegfried Brockmann, und „eine besondere Risikogeneigtheit“. In Stuttgart führte diese Mixtur im März zum Tod eines jungen Paares. Der 20-jährige Fahrer eines damals geliehenen Jaguars muss sich zurzeit wegen Mordes vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Er hatte mit hoher Geschwindigkeit den Kleinwagen des Paares gerammt.

Angesichts eines solch dramatischen Falles könnte das Folgende wie Hohn klingen, doch Siegfried Brockmann hat diesen Satz nicht im Zusammenhang mit dem Jaguar-Fall gesagt: „Das ganze Verkehrsgeschehen beruht darauf, dass jeder seine individuellen Entscheidungen treffen kann.“ Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Gesamtheit der Verkehrsteilnehmer nimmt um ihrer Freiheit Willen ein hohes Risiko in Kauf.

Einigen Einschränkungen sind Fahranfänger durchaus unterworfen, und das zu Recht, wie Jochen Klima sagt: Für sie gilt eine Null-Promille-Grenze, und sie unterliegen einer zweijährigen Probezeit. Verstöße führen zu Nachschulung, und es folgen bei Fehlverhalten schärfere Konsequenzen.

Jochen Klima ist ein Fan des begleiteten Fahrens ab 17 – „eine der wirksamsten Maßnahmen“, wie er sagt, um junge Fahrer von Anfang an in die Spur zu bringen. Nur fehle zu oft die Zeit, um den Führerscheinneulingen möglichst viele begleitete Fahrstunden möglich zu machen. Zurzeit gibt’s eine Initiative, wonach nicht mehr nur namentlich benannte Begleitpersonen neben 17-jährigen Autofahrern sitzen dürfen. Das wär’ gut, findet Jochen Klima, dann könnten Fahranfänger viel öfter üben.

„Der Versicherer muss das Risiko kennen, das er absichert“

Wer Führerscheinneulinge ans Steuer seines Autos lässt, muss dies der Versicherung melden: „Der Versicherer muss das Risiko kennen, das er absichert“, so Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Unterdessen hänge die Höhe des Versicherungsbeitrags nicht zwangsläufig von der PS-Zahl ab, sondern von vielen Faktoren.

Bleibt die Frage, weshalb es überhaupt Fahrzeuge gibt mit 500 PS und mehr. Eine entsprechende Anfrage bei Mercedes blieb am Montag unbeantwortet.

Eine mögliche Antwort ist diese: Mit PS-Boliden lässt sich Geld verdienen.


Waiblingen/Backnang. Der Fahrer sehr jung, das Auto ein Super-Flitzer: Eine gefährliche Kombi, wie ein Unfall am Wochenende in Backnang wieder gezeigt hat. Ein 20-jähriger AMG-Fahrer wurde nach zu rasanter Fahrt schwer verletzt in eine Klinik eingeliefert. Einsteiger auf zwei Rädern müssen sich über den Stufenführerschein an schnelle Maschinen herantasten. Autofahrer dürfen von der ersten Stunde an PS-strotzende Wagen steuern. Warum?

Ein

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper