Rems-Murr-Kreis

Quarantäne-Pflicht an Schulen und Kitas: Landrat Sigel befürchtet Flickenteppich

Kreistag
Landrat Richard Sigel. © Gabriel Habermann

Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg hat am 1. Februar einen neuen Handlungsleitfaden an Schulen und Kitas verschickt. Es geht darin um "Kontaktpersonenmanagement und Umgang mit SARS-CoV-2 positiven Fällen". Konkret sieht der Leitfaden eine Abschwächung bestehender Quarantäne-Regeln vor.

Wie das Landratsamt Rems-Murr am Mittwochmorgen (2.2.) bestätigte, werde dieser Handlungsleitfaden mit sofortiger Wirkung und in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt umgesetzt. Doch das sei gar nicht so einfach: Landrat Dr. Richard Sigel befürchtet, es könnte nun ein "Flickenteppich an Maßnahmen" entstehen.

Quarantäne-Regeln: Was steht im Handlungsleitfaden?

Der Handlungsleitfaden des Landesgesundheitsamts für Schulen und Kitas sieht folgende Änderungen vor:

  • Die Absonderung der gesamten Klasse oder Gruppe bei Vorliegen eines relevanten Ausbruchsgeschehens (≥ 5 Fälle, bzw. bei Gruppen unter 25 Pers. 20% der Gruppe) findet nicht mehr statt.
  • Kinder und Jugendliche im Schul- und Betreuungskontext werden daher nur noch abgesondert, wenn bei ihnen ein positiver Testnachweis vorliegt.
  • Eine Kontaktpersonennachverfolgung und Absonderung ganzer Klassen oder Gruppen in den Einrichtungen sowie die zugehörigen Ermittlungen der Gesundheitsämter entfallen.
  • Es gilt weiterhin eine 5-tägige Testpflicht für Schülerinnen und Schüler bzw. Kitakinder, sobald ein Corona-Fall in einer Gruppe auftritt.

Martina Keck, Sprecherin des Landratsamts Rems Murr ergänzte gegenüber unserer Zeitung: "Die Regelung gilt von nun an und nicht rückwirkend, daher bleiben Klassen (und Kita-Gruppen), die schon in Quarantäne waren, als die neue Regelung kam, in Quarantäne."

An den 173 Schulen im Kreis gibt es Tausende von Klassen. 42 von ihnen befanden sich vergangene Woche aufgrund größerer Ausbruchsgeschehen in Quarantäne. Auch sieben Kita-Gruppen waren betroffen.

Gesundheitsminister Lucha: "Gewährleisten einen geregelten Schulbetrieb"

"Damit schützen wir den Präsenzunterricht und gewährleisten einen geregelten Schulbetrieb", begründet Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) die Änderung der Quarantäne-Regeln am Mittwoch. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Kultusministeriums hervor.

Demnach sagte Lucha, mit regelmäßigen Tests und der Maskenpflicht sei nach wie vor ein sehr hoher Infektionsschutz an Schulen und Kitas sichergestellt. „Es zeigt sich aber, dass die aktuelle Omikron-Variante etwas milder verläuft", so der Landesgesundheitsminister. "Zudem sind immer mehr Menschen im Land geboostert und damit auch die Familienmitglieder der Schülerinnen und Schüler und Kitakinder geschützt.“

Kultusministerin Schopper: "Überlastung der Gesundheitsämter"

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) begründete den Schritt am Mittwoch auch mit der "Überlastung der Gesundheitsämter wegen der Ausbreitung der Omikron-Virusvariante". Gerade für Schulen biete die neue Regelung ein höheres Maß an Flexibilität, sagte Schopper der Deutschen Presseagentur.

Bislang mussten Schulleitungen mit den Gesundheitsämtern absprechen, ob eine Klasse bei relevantem Ausbruchsgeschehen in den Fernunterricht wechselt. Nun könnten die Schulleitungen selbst einschätzen, wann dieser Schritt sinnvoll sei. Corona-Fälle müssten aber weiterhin an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden.

Landrat Richard Sigel: "Wird uns vor Probleme stellen"

Laut Landrat Richard Sigel tragen Kitas und Schulen momentan die größte Last in der Omikron-Welle. Durch regelmäßiges Testen habe man einen guten Überblick über die Lage: Mehr als ein Drittel der aktuell im Rems-Murr-Kreis Infizierten seien unter 20 Jahre alt.

„Die neuen Regelungen zur Quarantäne für Schulen und Kitas sehe ich daher mit Sorge." Sigel wisse, dass man im Gesundheitsamt froh über jede Entlastung sei, und dass viele Eltern auf eine funktionierende Betreuung angewiesen sind. "Aber die praktische Umsetzung [...] wird uns vor Probleme stellen.“

Das dürfte ich vor allem bei den Schulen im Kreis bemerkbar machen. Denn während bei Kita-Gruppen darüber entschieden wird, ob man den Betrieb einstellt oder nicht, geht es bei Schulklassen um die Frage: Bleiben wir im Präsenzunterricht? Schicken wir alle in den Fernunterricht? Oder bieten wir irgendeine hybride Form dazwischen?

Unruhe in den Familien: Landrat kritisiert Vorgehen des Landes

Die bisherige Regelung war klar: Ab Infektionsquote x ist kein Präsenzunterricht mehr möglich. Nun wird diese Entscheidung im Prinzip den Schulen überlassen.

Die große Frage sei laut Richard Sigel, ob ein Präsenzunterricht oder Hybridunterricht wirklich Sinn mache, wenn die Hälfte der Klasse zu Hause ist. Mit Blick auf die Ausbreitung des Virus wäre – wie bisher – ab einer bestimmten Anzahl von Fällen in einer Klasse Fernunterricht sicher sinnvoller, so der Landrat. Auch für die Gesundheit von Lehrerschaft und Betreuungsteams.

„Die neue Regelung sorgt allein durch diese praktischen Fragen für einen hohen Beratungsbedarf, auch beim Staatlichen Schulamt, und könnte zu einem Flickenteppich an Maßnahmen führen", sagt Sigel. "In der vierten Welle hätte ich vom Land erwartet, dass diese erneute Unruhe den Familien und uns an der kommunalen Basis erspart bleibt."

Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg hat am 1. Februar einen neuen Handlungsleitfaden an Schulen und Kitas verschickt. Es geht darin um "Kontaktpersonenmanagement und Umgang mit SARS-CoV-2 positiven Fällen". Konkret sieht der Leitfaden eine Abschwächung bestehender Quarantäne-Regeln vor.

Wie das Landratsamt Rems-Murr am Mittwochmorgen (2.2.) bestätigte, werde dieser Handlungsleitfaden mit sofortiger Wirkung und in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt umgesetzt. Doch das

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