Rems-Murr-Kreis

Quarantäne-Regelung: Das Familien-Absonderungs-Impf-Wirrwarr - ein Beispiel aus dem Rems-Murr-Kreis

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Die Schülerinnen und Schüler, die in den Präsenzunterricht dürfen, machen zweimal pro Woche in der Schule einen Schnelltest. Fällt der positiv aus, geht's sofort nach Hause. © Gabriel Habermann

Jüngst in einer Familie aus dem Rems-Murr-Kreis: Der Sohn kommt nach kürzester Zeit wieder aus der Schule heim. Der morgendliche Schnelltest vor Ort hat positiv gezeigt. Ein Aufschrei tönt gen Himmel: Sind die Pfingstferien jetzt etwa für alle gelaufen?

Auch wenn’s nur langsam vorangeht: Die Zahl der vollständig gegen Corona geimpften Menschen steigt auch im Rems-Murr-Kreis. Laut Auskunft des Sozialministeriums vom 2. Mai – Aktuelleres gibt es nicht – wurden 28.907 Menschen in Impfzentren und Impftrucks und so weiter geimpft. Hinzu kommen die in Arztpraxen Geimpften – diese Zahl kommt von der Kassenärztlichen Vereinigung und ist vom 24. Mai: 9648 vollständig Geimpfte. Ergibt, na ja, über den Daumen gepeilt für den Rems-Murr-Kreis aktuell knapp 39.000 vollständig Geimpfte.

Infektion in der Familie - was dann?

Auch der Vater in genannter Familie hat seinen zweiten Piks längst hinter sich. Für diese Menschen gelten einige Ausnahmen, die die Absonderung betreffen. Am allerbekanntesten – sie trifft den Nerv der Zeit – ist die Urlaubsregel. Aber was ist zum Beispiel, wenn innerhalb einer Familie ein Corona-Fall auftritt und alle in Quarantäne gehen? Was gilt dann? Familie ist ja deutlich mehr als nur ein einzelner, zeitlich begrenzter Kontakt. Und es dürften bei 39.000 vollständig Geimpften im Rems-Murr-Kreis inzwischen so einige dabei sein, die zum Beispiel noch schulpflichtige Kinder haben. Längst ist ja die Gruppe der Priorisierten sehr weit gefasst.

In Quarantäne muss, wenn innerhalb einer Familie oder einer Wohngemeinschaft ein Mitglied positiv getestet wurde, jeder, der in dieser Familie beziehungsweise Wohngemeinschaft lebt. „Haushaltsangehörige Personen“, heißt das offiziell.

Aber - die "Corona-Verordnung Absonderung", ganz frisch aktualisiert und seit 22. Mai gültig, führt das aus - es gibt Ausnahmen. Nämlich für vollständig Geimpfte.

Wer genau gilt als vollständig geimpft?

Hier braucht’s eine Definition. Denn nicht jeder, der den zweiten Piks im Arm hat, gilt schon als vollständig geimpft. Sondern nur derjenige, der diesen Piks schon zwei Wochen lang intus hat. Nachzuweisen ist das mit dem Datum im Impfpass.

Ist diese Voraussetzung erfüllt, muss der Geimpfte nach Kontakt mit einer positiven Person nicht in Quarantäne. Auch dann nicht, wenn dieser Kontakt über eine lange Zeit immer wieder stattfindet. Das heißt: Der Vater in jener vom positiven Schnelltest so hart getroffenen Familie wäre nicht in die eigenen vier Wände verbannt gewesen und hätte so Frau und Kinder mittels Einkaufens vor dem Hungertod retten können. Na ja, die Nachbarn wären zur Not natürlich auch eingesprungen.

Aber Spaß wieder beiseite, denn so ganz sicher konnte sich der Vater noch nicht sein. Schließlich gibt’s in der Corona-Verordnung Absonderung noch die Ausnahme von der Ausnahme: Ist der Primärfall - in diesem Fall also der Schüler - mit einer „besorgniserregenden Virusvariante“ infiziert, muss der Geimpfte trotzdem in Quarantäne. Das klärt erst ein PCR-Test, bei dem ein Labor genau hinguckt. Als „besorgniserregende Virusvariante“ gelten die Mutationen aus Südafrika, Brasilien und Indien. Nicht aber die britische Variante, die inzwischen, so das Sozialministerium, die vorherrschende Variante in Deutschland sei.

Typische Corona-Symptome? Trotz Impfung in Quarantäne!

Doch das ist nicht die einzige Ausnahme der Ausnahme: Hätte der Vater typische Corona-Symptome aufgewiesen – es geht um Husten, Fieber, Kopfschmerzen, Geschmacksverlust und so weiter –, hätte er trotz Impfung in die Quarantäne gemusst.

Und – abseits von Familien: Geimpfte Bewohnerinnen und Bewohner von „stationären Einrichtungen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf“, gemeint sind Pflege- und Seniorenheime, Wohnheime der Behindertenhilfe und Ähnliches, müssen trotz Impfschutz in Quarantäne. Genauso wie Patienten in Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen.

Der Schul-Schnelltest des Schülers hatte im Übrigen falschen Alarm ausgelöst. Der sofort hinterhergeschobene PCR-Test, der laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung der „Goldstandard unter den Corona-Tests“ ist, gab Entwarnung. Keiner musste in Quarantäne. Ferien gerettet.

Jüngst in einer Familie aus dem Rems-Murr-Kreis: Der Sohn kommt nach kürzester Zeit wieder aus der Schule heim. Der morgendliche Schnelltest vor Ort hat positiv gezeigt. Ein Aufschrei tönt gen Himmel: Sind die Pfingstferien jetzt etwa für alle gelaufen?

Auch wenn’s nur langsam vorangeht: Die Zahl der vollständig gegen Corona geimpften Menschen steigt auch im Rems-Murr-Kreis. Laut Auskunft des Sozialministeriums vom 2. Mai – Aktuelleres gibt es nicht – wurden 28.907 Menschen in

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