Rems-Murr-Kreis

Rätsel um angeblichen Antifa-Angriff am Montag (11.04) in Winnenden

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Was steckt hinter einer Auseinandersetzung am Montagabend, 11. April, in Winnenden? Die Antifa habe ihn angegriffen, sagt ein junger Mann. Aber stimmt das? © Gaby Schneider

Die Pressemitteilung der Polizei klingt zurückhaltend – ein offenbar Betroffener hingegen erhebt in einem anonymen Brief eindeutige Vorwürfe: Die Antifa soll's gewesen sein. Aber wie glaubwürdig ist das? Viele offene Fragen ranken sich um eine nächtliche Eskalation am Montag, 11. April, in Winnenden.

Version 1: Der Bericht der Polizei

„Zeugen nach Auseinandersetzung gesucht“, so ist die Mitteilung der Polizei überschrieben. „Am Montagabend gegen 21.50 Uhr kam es im Bereich des Kronenplatzes zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen. Nach aktuellem Kenntnisstand wurden zwei Männer im Alter von 21 und 23 Jahren von einer fünfköpfigen Personengruppe angegriffen und einer der beiden Geschädigten hierbei auch verletzt. Anschließend flüchteten die Angreifer in Richtung Bahnhof.

Nach Angaben der Geschädigten sind die Täter vermutlich der politisch linken Szene zuzuordnen. Die Polizei Winnenden hat die Ermittlungen zum Vorfall aufgenommen und bittet unter der Telefonnummer 0 71 95/69 40 um Zeugenhinweise.“

Täter aus der linken Szene? „Nach Angaben des Geschädigten vermutlich“ ... Die Polizeimeldung ist erkennbar mit angezogener Handbremse verfasst. Sehr viel deutlicher legt sich einer der offenbar Betroffenen fest, in einer Mail an uns (die allerdings, wie sich zeigen wird, unter mehrere Vorbehalte zu stellen ist).

Version 2: Eine anonyme Mail

„Hallo, ich wollte sie als Zeitungsverlag informieren, dass es gestern einen Antifa-Überfall auf zwei Personen (ich bin eine davon) in Winnenden an der Kastenschule gab“, heißt es in dem Schreiben. „Wir sind !ohne! [doppelte Ausrufezeichen im Original] irgendwelchen Kommentar und ohne Hintergrund von fünf Antifa-Anhängern (selbst bestätigt!) eingekesselt, als Faschisten beleidigt und anschließend angegriffen worden.

Die Polizei in Winnenden wurde dazu gerufen, leider sind die Täter immer noch flüchtig. Ich möchte nochmal erwähnen, dass wir keinerlei Rechts-/rechtsextremen Hintergrund haben. Im Gegenteil. Uns wurde es einfach unterstellt. Die Antifa-Anhänger waren zwischen 20 und 25 Jahren und alkoholisiert. Die Winnender Polizei gab auch die Info, in letzter Zeit häufen sich die Fälle der Antifa-Angriffe deutlich. In Winnenden muss man in Zukunft aufpassen, nicht angegriffen zu werden. Ich bitte aufgrund von Angst, anonym zu bleiben.“

Anonymität und Tathergang: Warum man zweifeln darf

Mit anonymen Zuschriften aber verbindet sich ein kapitales Problem: Wir als Journalisten haben nicht den geringsten Anhaltspunkt und keinerlei Rückfragemöglichkeit, um die Glaubwürdigkeit des Schreibens einschätzen zu können. Was der Anonymus berichtet, kann Wort für Wort stimmen; oder auf Punkt und Komma gelogen sein. (Wie wir es mit anonymen Briefen halten, haben wir hier ausführlicher erklärt und begründet.)

Fragen wirft aber auch der beschriebene Tatablauf auf. Dass linksautonome Gruppierungen bisweilen handgreiflich werden, ist zwar vielfach belegt. Aber betrunken zu später Stunde durch Innenstädte marodierende Antifa-Truppen, die wahllos irgendwelche Leute attackieren? Derlei war bislang nicht mal ansatzweise bekannt.

Attacken aus jüngerer Zeit im Rems-Murr-Kreis wirkten durchweg zielgerichtet und gut vorbereitet (nun ja, es gab Ausnahmen). Im Mai 2019 zum Beispiel überfielen Linksautonome einen AfD-Stand in Korb und brachen per Teleskopschlagstock einem Wahlkämpfer den kleinen und den Ringfinger. Und im Februar 2021 machte eine generalstabsmäßig gut organisiert wirkende Antifa-Truppe am hellichten Samstagvormittag einen AfD-Stand auf dem Schorndorfer Wochenmarkt platt – bevor die verdutzten Salat- und Gemüsekäufer recht durchschauten, was sich da abspielte, war das Rollkommando auch schon wieder weg.

Auch die Polizei geht, wie sich auf Nachfrage herausstellt, mit dem Inhalt des anonymen Briefes nicht so ganz konform ...

„Diese Aussage ist so nicht gefallen“

Frage an die Pressestelle: Lässt sich die Polizei-Aussage (sofern sie so gefallen ist), wonach sich in letzter Zeit die Antifa-Angriffe deutlich häufen, konkretisieren?

Antwort: „Nach Rücksprache mit dem Kollegen, der vor Ort war, ist diese Aussage so nicht gefallen. Eine aktuelle Häufung an Angriffen durch Angehörige der politisch linken Szene können wir zudem so nicht bestätigen.“

Frage: Gibt es Hinweise auf die Antifa-Zugehörigkeit der Angreifer?

Antwort: „Lediglich die Aussage der beiden Geschädigten, dass einer der Angreifer selbst geäußert habe, Angehöriger der Antifa zu sein. Die von den Geschädigten abgegebene Personenbeschreibung lässt keine Schlüsse in diese Richtung zu. Da die Angreifer bislang nicht bekannt sind, können darüber hinaus keine Angaben gemacht werden.“

Eins aber bestätigt die Polizei: „Bei den beiden Geschädigten haben sich keinerlei Hinweise auf einen rechten Hintergrund ergeben.“

Die Pressemitteilung der Polizei klingt zurückhaltend – ein offenbar Betroffener hingegen erhebt in einem anonymen Brief eindeutige Vorwürfe: Die Antifa soll's gewesen sein. Aber wie glaubwürdig ist das? Viele offene Fragen ranken sich um eine nächtliche Eskalation am Montag, 11. April, in Winnenden.

Version 1: Der Bericht der Polizei

„Zeugen nach Auseinandersetzung gesucht“, so ist die Mitteilung der Polizei überschrieben. „Am Montagabend gegen 21.50 Uhr kam es im Bereich

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