Rems-Murr-Kreis

Radwege im Rems-Murr-Kreis: Zu schmal, zu holprig, zu schlecht

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Idyllisch – aber nicht alltagstauglich. Die meisten Radwege im Rems-Murr-Kreis sind zu schmal. © Gaby Schneider

Der erste Schritt ist getan auf dem weiten Weg, zwischen Rems und Murr ein „kreisweites, attraktives und zusammenhängendes Radwegenetz für den Alltags- und Freizeitradverkehr“ aufzubauen. Das Landratsamt hat 1225 Kilometer Radwege abgefahren, digital erfasst und katalogisiert. Das Ergebnis: Nur ein kleiner Teil der Radwege entspricht den Anforderungen und Notwendigkeiten von Radfahrern – ganz zu schweigen von deren Wünschen. Die meisten Radwege laufen unmarkiert entlang von Straßen, sind zu schmal und oft genug in einem schlechten Zustand.

Radeln im Trend: Warum sich jetzt etwas tun muss

Radfahren ist im Trend. Corona hat für einen Boom sondergleichen gesorgt. In vielen Läden waren Räder ausverkauft. Aus Angst vor Infektionen sind Pendler von Bussen und Bahnen aufs Rad umgestiegen – oder setzen sich hinters Steuer ihrer Autos. Der Kampf um den Platz auf unseren Straßen ist in vollem Gang. Längst ist es aber nicht mehr selbstverständlich, dass sich Fußgänger und Radfahrer dem Autoverkehr unterzuordnen haben.

Die mobile Zukunft tritt in die Pedale. „Das neue Mobilitätsverhalten passt zu unserer Strategie und zeigt, dass unsere Investitionen in Radwege im Landkreis gut angelegtes Geld sind“, sagte Landrat Richard Sigel kürzlich in seiner Haushaltsrede zum Kreisetat 2021. Aus dem Sechs-Millionen-Euro-Topf für den Straßenerhalt und -bau ist eine halbe Million für Radwege vorgesehen. Die Radwegekoordinatorin im Landratsamt, Karen Fischer, hat im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags vorgestellt, in welchem Zustand sich die Radwege befinden. 1225 Kilometer Radwege hören sich imposant an. Doch mehr als die Hälfte dieser Wege (55 Prozent) ist schlicht Straße und weist keine Schutzstreifen auf. Nur auf einem Prozent der Strecken ist der Radweg markiert.

Zu schmale Radwege: Gegenverkehr gefährlich, Überholen schwierig

45 Prozent der Radwege verlaufen abseits der Straße. Prima. Jedoch ist ein Großteil (70 Prozent) sehr schmal. Es sind Radwege mit weniger als 2,50 Meter Breite, was Gegenverkehr gefährlich und ein Überholen schwierig macht. Lediglich ein Drittel der Radwege sind breiter als 2,50 Meter und entsprechen damit den Anforderungen für einen komfortablen Radverkehr.

Von Juni bis September 2020 sind insgesamt 1146 Kilometer Radwege abgefahren, digital erfasst und mit Fotos dokumentiert worden. Außer der Führung und der Wegebreite wurden die Art und Beschaffenheit der Fahrbahn erfasst sowie Barrieren, Querungen, potenzielle Gefahrenstellen sowie die Beschilderung dokumentiert.

Im nächsten Schritt plant das Straßenbauamt, die einzelnen Teilabschnitte genauer unter die Lupe zu nehmen: Angeschaut werden Zustand des Radweges und Gefahrenstellen, die Führung des Radweges und die Verkehrsstärke, vorhandene Flächen sowie Knoten- und Berührungspunkte mit dem ruhenden Verkehr. Bis zum Jahresende soll der Handlungsbedarf in Maßnahmeblättern festgelegt, zu einem Paket zusammengeschnürt und den Kommunen und dem Land übergeben werden.

Der Kreis plant – bezahlen müssen Kommunen, Land und Bund

Spannend wird's, sobald das Paket mit den Maßnahmeblättern aufgeschnürt wird. Dann geht’s ums Geld, wer nämlich den als notwendig erachteten Ausbau der Radwege bezahlt. Die Radwege gehören nur zum geringen Teil dem Rems-Murr-Kreis selbst, sondern innerörtlich den Städten und Gemeinden und außerhalb dem Land Baden-Württemberg oder dem Bund, wenn der Radweg entlang einer Landes- oder Bundesstraße verläuft. „Mit der Aufstellung des landkreisweiten Radwegenetzes entstehen neben den Planungskosten keine unmittelbaren finanziellen Verpflichtungen für den Rems-Murr-Kreis“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Die Radwege, die auf Kosten des Rems-Murr-Kreises gehen, werden in den sogenannten Kreisstraßenmaßnahmeplan übernommen. In diesem Plan sind sämtliche Straßenbau-Projekte des Kreises nach ihrer Dringlichkeit gelistet und werden je nach Kassenlage abgearbeitet.

Zwei Radschnellwege sind bereits in Planung

Zwei vielversprechende Großprojekte sind im Rems-Murr-Kreis in Planung: Die beiden Radschnellwege Waiblingen-Ludwigsburg und Fellbach-Waiblingen-Schorndorf gelten aufgrund des ermittelten Bedarfs als förderfähig, was hohe Zuschüsse bedeutet – und vor allem, dass das Land Baden-Württemberg für den Unterhalt dieser Wege sorgen muss. Vorbereitet wird ferner eine Machbarkeitsstudie für den Schnellweg Backnang-Waiblingen.

Wie viel Nachholbedarf im Rems-Murr-Kreis in Sachen Radverkehr besteht, zeigt ein Blick in den Fahrradklima-Test, den die Radlerlobby ADFC alle zwei Jahre erstellt. Bis auf Winnenden schnitten 2018 die Städte an Rems und Murr miserabel ab. Die Stadt Winnenden hat immerhin den 19. Platz unter den rund 310 bewerteten Kommunen mit 20 000 bis 50 000 Einwohnern geschafft. Gut abgeschnitten hat Winnenden bei „Spaß und Stress“ sowie „Radfahren durch Alt und Jung“. Durchgefallen sind Fellbach (108. Platz) und Backnang (290.). Waiblingen erradelte sich unter den rund 100 größeren Städten (50 000-100 000 Einwohner) den mäßigen 60. Platz.

Wie fahrradfreundlich ist Ihre Stadt? Umfrage läuft bis 30. November

Noch bis zum 30. November läuft die bundesweite Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) alle zwei Jahre gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium durchführt. Laut ADFC sind mehr Städte denn je im Rennen. Mitmachen kann jeder Radler und darf sein Urteil abgeben (Internet: https://fahrradklima-test.adfc.de/).

Der erste Schritt ist getan auf dem weiten Weg, zwischen Rems und Murr ein „kreisweites, attraktives und zusammenhängendes Radwegenetz für den Alltags- und Freizeitradverkehr“ aufzubauen. Das Landratsamt hat 1225 Kilometer Radwege abgefahren, digital erfasst und katalogisiert. Das Ergebnis: Nur ein kleiner Teil der Radwege entspricht den Anforderungen und Notwendigkeiten von Radfahrern – ganz zu schweigen von deren Wünschen. Die meisten Radwege laufen unmarkiert entlang von Straßen, sind zu

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