Rems-Murr-Kreis

Reinigungskräfte wollen mehr Lohn

Gebäudereinigung Feature
Der branchenspezifische Mindestlohn für Reinigungskräfte liegt derzeit bei 11,55 Euro. © IG Bau

Sie gehören gewiss nicht zu den unwichtigen, aber sicher zu den schlecht bezahlten Werktätigen in unserer Gesellschaft – und jetzt droht den Reinigungskräften auch noch Lohn-Stagnation. Davor warnt die Gewerkschaft IG BAU.

Sie reinigen Schulen und Büros, sorgen für Hygiene in Krankenhäusern und Pflegeheimen: Die rund 5200 Reinigungskräfte im Rems-Murr-Kreis machen nicht nur in Pandemie-Zeiten einen unverzichtbaren Job. Doch bei der Bezahlung drohe den Beschäftigten ein herber Rückschritt – das fürchtet zumindest die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU. Ausgerechnet eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns könnte zum Fallstrick werden.

Aktuell erhalten Reinigungskräfte mindestens 11,55 Euro pro Stunde – also weit mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Aber der wird im Oktober auf 12 Euro steigen. „Passiert bis dahin nichts, würden Gebäudereinigerinnen dann mit dem absoluten Lohn-Minimum nach Hause gehen. Für die wichtige und fachliche Arbeit, die sie leisten, ist das eindeutig zu wenig“, sagt Gerhard Neidling. Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Stuttgart fordert deshalb, dass Beschäftigte auch weiterhin „deutlich mehr als den gesetzlichen Mindestlohn bekommen sollen“ – und zwar mindestens 13,73 Euro pro Stunde. Für diese erstaunlich konkrete Zahl hat der Gewerkschafter eine Begründung: Der spezielle Branchenmindestlohn in der Gebäudereinigung liegt bisher 1,73 Euro über der allgemeinen gesetzlichen Lohnuntergrenze von 9,82 Euro. „Das muss auch so bleiben. Nur wenn die Bezahlung weiter attraktiv ist, wird es Firmen gelingen, überhaupt noch Personal für die Branche zu finden“, so Neidling.

Kurios: Manche großen Medien wie zum Beispiel die WAZ berichteten über die Forderung mit schräg anmutenden Schlagzeilen: „IG BAU will 18,9 Prozent mehr Lohn für Reinigungskräfte“ – diese „drastische Forderung“ habe die Gewerkschaft den Arbeitgebern auf den Tisch geknallt. Rein rechnerisch stimmt das natürlich, wenn der Stundenlohn von 11,55 auf 13,73 Euro steigen würde. Was dabei aber unbeleuchtet bleibt: Die Reinigungskräfte kämen bei einer 40-Stunden-Woche dann immer noch auf weniger als 550 Euro brutto. Die Prozentangabe ergibt hier ein sehr schiefes Bild, die Wahrheit liegt eher in den absoluten Zahlen.

Die IG BAU fordert darüber hinaus, dass auch die Einkommen für Fachleute – etwa in der Glas- und Fassadenreinigung – deutlich zulegen. Auch mit Blick auf die Preissteigerungen komme es jetzt darauf an, dass die Beschäftigten ein kräftiges Lohn-Plus erhielten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte die Inflationsrate im April mit 7,4 Prozent einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung. „Menschen mit kleinem Geldbeutel wissen oft nicht mehr, wie sie bis zum Monatsende durchkommen sollen. Teure Energie und Lebensmittel machen gerade auch Reinigungskräften zu schaffen. Sie arbeiten oft in Teilzeit und müssen jeden Cent zweimal umdrehen“, so Neidling.

Bei der Tarifverhandlung am 23. Mai habe der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) „nichts vorgelegt, was auf einen schnellen Tarifabschluss hoffen lässt“. Unter dem Motto „Wir schwitzen nicht für Mindestlohn“ bereiten sich Reinigungskräfte in der Region deshalb momentan auf Protest-Aktionen vor. Vielleicht gibt es dieser Tage aber auch eine Einigung: Die Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 700.000 Beschäftigten sind am 2. Juni in Frankfurt/Main in die nächste Runde gegangen.

Sie gehören gewiss nicht zu den unwichtigen, aber sicher zu den schlecht bezahlten Werktätigen in unserer Gesellschaft – und jetzt droht den Reinigungskräften auch noch Lohn-Stagnation. Davor warnt die Gewerkschaft IG BAU.

Sie reinigen Schulen und Büros, sorgen für Hygiene in Krankenhäusern und Pflegeheimen: Die rund 5200 Reinigungskräfte im Rems-Murr-Kreis machen nicht nur in Pandemie-Zeiten einen unverzichtbaren Job. Doch bei der Bezahlung drohe den Beschäftigten ein herber

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