Rems-Murr-Kreis

Reiseexperten aus dem Rems-Murr-Kreis: Welcher Urlaub trotz Corona möglich ist

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Wieder Urlaub am Meer oder wegen Corona doch zu Hause bleiben? Die Verunsicherung ist auch im Rems-Murr-Kreis groß. © Hardy Zürn

Corona hat geschafft, was die Erderwärmung nicht vermochte: Reiselustige Deutsche fragen sich, ob es sinnvoll oder sogar gefährlich ist, Urlaub in anderen Ländern zu machen und dafür wie gewohnt in den Flieger zu steigen. Oder nimmt man besser das Auto? Und was passiert, wenn Corona im Urlaubsland plötzlich wieder zuschlägt? Reise-Experten aus dem Rems-Murr-Kreis geben Tipps.

Die Pandemie hat die Branche bis ins Mark erschüttert. Laut einer im Handelsblatt veröffentlichten Angabe des Deutschen Reiseverbandes (DRV) verursachte die Pandemie bislang Umsatzeinbußen von 10,8 Milliarden Euro.

Zitiert wird auch eine Statistik der World Tourism Organisation (UNWTO), einer Unterorganisation der Uno. Demnach war im März die Zahl der Reisenden im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 55 Prozent zurückgegangen. Und im April waren es dann 97 Prozent. Nichts ging mehr.

Inzwischen sind Reisen in viele Länder wieder möglich, das Auswärtige Amt warnt aber aufgrund besonderer Risiken davor, Kreuzfahrten zu unternehmen. Nach Recherchen des Handelsblatts machen viele Deutsche diesmal Urlaub im eigenen Land, müssen allerdings mit starken Preissteigerungen rechnen. Was also tun, wenn einen die Reiselust packt, man aber so sicher wie möglich gehen will?

Wer zu große Bedenken hat, bleibt besser zu Hause

Für Dirk Mölter, Chef des Winterbacher Reisebüros, ist das Wichtigste bei Auslandsreisen: „Die Leute müssen sich darauf freuen. So eine Reise kostet ja Geld, da darf man sich nicht ständig Sorgen machen und denken: Hoffentlich passiert nix.“ Denn dann sei auch der Erholungseffekt dahin. Mit anderen Worten: Wer zu große Bedenken hat, bleibt besser daheim oder zumindest in Deutschland.

Allerdings werde die innerdeutsche Reisewelle heftig, so Mölter. „Und man kriegt kaum noch was.“ Außerdem gibt er zu bedenken, dass es in Deutschland auch nicht alle so eng nehmen mit Abstandsregeln und Hygieneauflagen. Das habe er selbst an Pfingsten in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen erlebt, zum Beispiel in Restaurants.

Weil Mölter und seine Familie Sonne lieben, fliegen sie im Sommer nach Griechenland. „Dort gab es wenig Coronafälle. Und was ich von ersten Gästen gehört habe, scheint es, soweit das möglich ist, sicher zu sein.“

Städtereisen ins Ausland sieht der Winterbacher kritisch

Das Reisebüro bekommt regelmäßig Informationen über die Coronalage. Was Spanien angeht, empfiehlt Mölter die Kanarischen Inseln und die Balearen, also Mallorca und Co. In Italien seien Sardinien, Sizilien und Kalabrien machbar. Städtereisen ins Ausland sieht er dagegen kritisch.

Mit Urlauben im Corona-Risikogebiet Großbritannien, „würde ich auch noch eine Weile warten“. Nach wie vor würden ständig Flüge abgesagt. Und von Fernreisen rät der Winterbacher komplett ab. Im Moment sei es sowieso fast unmöglich, Flüge zu bekommen, außerdem drohe an den meisten Reisezielen erst einmal die Quarantäne.

Damit ist klar: Europa soll es sein. Doch was passiert, wenn es just im Urlaub einen zweiten Lockdown gibt? Da vertraut Mölter auf die Reiseveranstalter. Laut Zahlen, die allerdings von ihnen selbst stammen, haben sie nach Pandemie-Beginn dreimal so viele Menschen nach Deutschland zurückgeholt wie die Bundesregierung.

Corona schlimmer als die Pleiten von Thomas Cook und Air Berlin

Der Informationsbedarf der Reisebüro-Kunden ist deutlich gestiegen, sagt Dirk Mölter. Kein Grund aber zu jammern – nicht nach der durchlebten Katastrophe. Der Reisestopp wegen Corona „war beruflich meine schlimmste Zeit“. Schlimmer als die Pleiten des Touristikkonzerns Thomas Cook und der Fluggesellschaft Air Berlin, schlimmer als der Vulkanausbruch in Island vor zehn Jahren, der zu zahlreichen Reiseabsagen geführt hatte. Alles Pipifax: Wegen Corona „sind wir von 100 Prozent auf null“.

Während die Einnahmen völlig wegbrachen, stieg wegen der Stornierungen die Arbeitsbelastung stark. Als Kundenservice „haben wir uns mit den Veranstaltern rumgeärgert“. Trotz Kurzarbeit hätten alle Mitarbeiter im Wechsel quasi rund um die Uhr Telefonate geführt.

Und auch nun, da die Reisewelle langsam wieder anläuft, ist das Winterbacher Reisebüro noch sehr weit vom Normalbetrieb entfernt. „Wir sind jetzt gerade mal bei zehn, 15 Prozent“, so Dirk Mölter.

Wegen eigener Erfahrungen rät Saskia Barner zu Pauschalreisen

Ebenfalls nun wieder Fahrt aufnehmen wollen die coronagebeutelten Reiseveranstalter. Laut Handelsblatt ist die Pauschaltouristik in der Krise, Rückerstattungen angezahlter Gelder für zig ausgefallene Reisen ließen auf sich warten.

Auf der anderen Seite ist der Logistikaufwand natürlich enorm. Und für Saskia Barner von der Korber Tui-Filiale ist trotz allem klar: „Pauschalreisen sind generell immer noch das Sicherste, was man machen kann. Der Veranstalter ist in der Pflicht.“

Die Touristikkauffrau und Reiseberaterin spricht aus eigener Corona-Erfahrung. „Ich habe Familie in der Karibik, und im März saß ich dort fest. Ich hatte nicht pauschal gebucht.“ Die Maschinen nach Deutschland seien hauptsächlich mit zurückgeholten Pauschalreisenden gefüllt gewesen, „und ich habe große Probleme gehabt, einen Flug zu finden, und musste auf einen der Flüge der Bundesregierung warten“.

Böses Erwachen: Unsummen für einen Rückflug

Dabei sei sie wegen der Verwandtschaft vor Ort sogar noch im Glück gewesen. Eine deutsche Familie ohne jeden Bezug zur Karibik habe für Unsummen einen Rückflug buchen müssen, um möglichst schnell nach Hause zu kommen.

So ein Extremfall ist nach derzeitiger Lage für den Sommer nicht zu erwarten. Es muss ja auch nicht gleich wieder die Karibik sein, Europa ist auch schön. Und wer nicht in den Urlaub fliegen will – wie groß die Infektionsgefahr im Flugzeug ist, wird kontrovers diskutiert –, setzt sich eben ins Auto. Dazu passt eine weitere Info aus dem Handelsblatt: Die Nachfrage nach Campingfahrzeugen ist enorm gestiegen.

Die Einreisebestimmungen sind auf der Internet-Seite des Auswärtigen Amts zu finden.

Corona hat geschafft, was die Erderwärmung nicht vermochte: Reiselustige Deutsche fragen sich, ob es sinnvoll oder sogar gefährlich ist, Urlaub in anderen Ländern zu machen und dafür wie gewohnt in den Flieger zu steigen. Oder nimmt man besser das Auto? Und was passiert, wenn Corona im Urlaubsland plötzlich wieder zuschlägt? Reise-Experten aus dem Rems-Murr-Kreis geben Tipps.

Die Pandemie hat die Branche bis ins Mark erschüttert. Laut einer im Handelsblatt veröffentlichten Angabe des

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