Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Hotline für junge Menschen mit Sorgen

JU-Fon Corona
Sorgen? Es gibt jetzt auch im Rems-Murr-Kreis eine Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche. © Pixabay/nastya_gepp

Die Pubertät gilt zu Recht als eine der schwierigsten Lebensphasen, und in diesen wirren Corona-Zeiten 15 oder 17 zu sein, ist alles andere als ein Spaß. Schon ohne Corona gibt’s genügend Themen, die man auf gar keinen Fall mit den Eltern und vielleicht nichtmal mit Freunden besprechen kann – zumal nicht jeder über einen stabilen Freundeskreis verfügt, auch im Jugendalter nicht.

Vermutlich wird Zehn- bis 18-Jährigen nicht zuerst das Jugendamt in den Sinn kommen, sofern sie gern mal mit einer neutralen Person reden möchten. Doch seit kurzem gibt’s dort eine Hotline, an welche sich Kinder und Jugendliche auf Wunsch auch anonym wenden können. Sie erreichen dort jemanden, der oder die pädagogisch ausgebildet ist und Erfahrung hat: Also ruhig raus mit allem, was auf der Seele lastet. Leute vom Jugendamt haut das nicht um, im Gegenteil. Sie wissen garantiert, bei welchen Problemen man sich am besten wohin wendet, was in diesem oder jenem Fall denkbar wäre – oder sie hören ganz einfach zu. Ein nicht nur scheinbar, sondern ernsthaft offenes Ohr ist ein rares Gut zu allen Zeiten.

Die Corona-Situation verunsichert Kinder und Jugendliche zutiefst

Dieser Tage fühlen sich Kinder und Jugendliche „sehr verunsichert“, zumindest gehen Rückmeldungen dieser Art beim sozialen Dienst ein, berichtet Jugendamtsleiter Holger Gläss. Kein Wunder, dass die Corona-Situation mit allen Begleiterscheinungen vor allem die Jüngsten stark belastet. Selbst Erwachsenen gelingt’s nicht ohne Mühe, möglichst positiv gestimmt zu bleiben inmitten des steten Corona-Nachrichtenstroms.

„Niederschwellig“ ist ein Wort, das Sozialpädagogen lieben. Niemand trägt jemand über eine Schwelle; gemeint ist schlicht, ein Unterstützungsangebot sollte so unkompliziert nutzbar sein, wie’s nur geht. Das neue Kinder- und Jugendtelefon fällt glasklar in die Kategorie niederschwellig: Man muss nur ein Telefon in die Hand nehmen und die Nummer wählen. Oder nicht mal das. Die Hotline ist auch per Whatsapp erreichbar. Das klingt jetzt überhaupt nicht spektakulär: Wer mit jungen Menschen kommunizieren möchte, kommt um Whatsapp wohl kaum herum. Nur stellen sich jedem Datenschützer die Haare zu Berge bis in höchste Höhen – weil man, wenn man diese Dinge ernst nimmt, unmöglich sensible Informationen über Whatsapp kommunizieren kann.

Nicht ganz einfach: WhatsApp nutzen und Datenschutz wahren

Schon allein deshalb konzipiert das Jugendamt die Jugend-Hotline nicht erst seit gestern. Ein spezielles Handy wird nur für diesen Zweck genutzt, es gibt keinerlei Verbindung zum sonstigen System des Jugendamts. Anrufdaten werden nicht gespeichert, betont Holger Gläss, und Whatsapp ist nur gedacht zur ersten Kontaktaufnahme. Wer grade Hotline-Dienst hat, wird fragen: Kann ich dich anrufen?

Koordinator Harry Müller vom Jugendamt gehört zum Hotline-Team, das aus rund 20 Fachkräften besteht. Sie wechseln sich ab; immer eine Person ist erreichbar werktags in der Zeit von 16 bis 19 Uhr. Zunächst hatte man im Jugendamt nur mal unverbindlich herumgefragt, wer sich denn vorstellen könne, ins Hotline-Team mit einzusteigen. Als dann eine Zusage nach der anderen in schneller Folge eintrudelte, rieb sich Harry Müller verdutzt und hocherfreut die Augen: Wahnsinn. So viel Interesse!

"Wir sind offen für alle Fragen, für alle Anliegen"

Nun erhoffen sich die Beteiligten natürlich ebenso viel Interesse seitens der Zielgruppe, und das sind Kinder und Jugendliche ganz egal, welchen Alters. „Jeder kann anrufen“, verspricht Harry Müller: „Wir sind offen für alle Fragen, für alle Anliegen.“

Der Rund-um-die-Uhr-Bereitschaftsdienst des Jugendamts ist davon nicht betroffen. Dort laufen jene Fälle auf, die schnelles Handeln erfordern. Aus Kinderschutzgründen ist dieser Bereitschaftsdienst ohnehin an allen Tagen im Jahr zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar, ob nun Corona wütet oder nicht. Am Kinder- und Jugendtelefon werden, davon gehen Holger Gläss und Harry Müller aus, nicht die schwersten Fälle auflaufen. Und wenn doch, weiß man Rat, denn es sind Profis am Werk. Sie müssen zurzeit coronabedingt auf die Mithilfe von vielen Menschen verzichten, die sonst ein Auge haben auf die Jüngsten und damit Schwächsten, etwa Erzieherinnen, Lehrer oder Schulsozialpädagoginnen. Deshalb schaltet man die Hotline auch jetzt schon frei; geplant war der Start ursprünglich erst später.

Die Pubertät gilt zu Recht als eine der schwierigsten Lebensphasen, und in diesen wirren Corona-Zeiten 15 oder 17 zu sein, ist alles andere als ein Spaß. Schon ohne Corona gibt’s genügend Themen, die man auf gar keinen Fall mit den Eltern und vielleicht nichtmal mit Freunden besprechen kann – zumal nicht jeder über einen stabilen Freundeskreis verfügt, auch im Jugendalter nicht.

Vermutlich wird Zehn- bis 18-Jährigen nicht zuerst das Jugendamt in den Sinn kommen, sofern sie gern mal

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