Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kinderstiftung Funke: Starthilfe beim Lauf ins Leben

Kinderarmut
Jedes Kind hat gute Startchancen verdient. © Pixabay

Wie Armut wirkt, lässt sich anhand eines 100-Meter-Laufs veranschaulichen.

Zehn Kinder reihen sich an der „Los“-Linie auf, der Mann mit der Startpistole sagt: „So, und bevor ich schieße, dürfen alle von euch, die zu Hause ein eigenes Kinderzimmer nur für sich allein haben, schon mal einen Schritt nach vorne gehen.“ Manche treten vor, andere nicht.

Und jetzt – wer hat einen eigenen PC? Wer lebt mit seiner Familie mindestens in einer Vierzimmerwohnung? Wer kann sich Musikunterricht leisten? Und so weiter und so fort.

Als der Mann schließlich den Startschuss abfeuert, stehen manche Kinder noch immer auf der Grundlinie, andere haben schon 30, 40 Meter hinter sich. Den Rückstand holt nicht mal der Schnellste auf.

„Das ist Armut“, sagt Ines Pfeil-Bürkle von der Rems-Murr-Kinderstiftung Funke: „fehlende Chancengleichheit.“

Hilfe für 1126 Kinder, allein in diesem Jahr

Allein im Corona-Jahr 2021 hat die katholische Stiftung Funke bislang 1126 Kindern geholfen (welchem Glauben sie anhängen, ist dabei übrigens schnurzpiepegal) – so vielen, wie in keinem Jahr zuvor seit der Gründung 2018. Und bis zum Jahresende sollen weitere 700 Grundschüler von der Einrichtung profitieren.

766 Kinder durften an größeren, via Funke finanzierten Aktionen teilnehmen – von einem Gewaltpräventionsprojekt an der Staufer-Gesamtschule in Waiblingen über Schwimmkurse bis zu einer Lesewoche.

230 Kinder bekamen bei der Aktion „Bücherwurm“ ein Wunschbuch geschenkt.

96 Kinder durften mitmachen beim Cajon-Projekt – sie bauten sich Spezialtrommeln und lernten, sie zu spielen.

34 Kinder wurden durch ganz gezielte Einzelfallhilfen gefördert: bekamen Musik- oder Kunstunterricht finanziert, Nachmittagsbetreuung oder Ferienprogramm, erhielten das fürs Home-Schooling so dringend nötige Tablet oder das Geld, um mit ins Schullandheim fahren zu können.

Krasse Armut, subtile Armut

Uli Häufele, der bis zu seinem Ruhestand Geschäftsführer des katholischen Dekanats Rems-Murr war und die Stiftung vor drei Jahren gegründet hat, ist ihr immer noch treu, als ehrenamtlicher Botschafter. Kinderarmut werde oft nicht recht ernst genommen, sagt er. Ach, heißt es dann, in Deutschland ist das doch alles halb so wild – wer hier als armutsgefährdet gilt, hat doch trotzdem einen HD-Fernseher!

Wenn er in den Nachrichten sehe, wie in Belarus Kinder mit ihren Eltern auf der Flucht im Wald hausen, relativiere sich tatsächlich manches – klar habe in Deutschland jedes Kind ein Dach überm Kopf, und im Zweifelsfall „regnet es nicht oben rein“. Nur: Beim 100-Meter-Lauf kleben manche eben auf der Startlinie, während andere bloß die halbe Strecke rennen müssen. Gerecht ist das nicht. Nicht im mindesten.

Rückstand, bevor der Startschuss fällt – was tun wir dagegen?

Früher hat Ines Pfeil-Bürkle beim Kinderschutzbund gearbeitet. „Wenn man tatsächlich in den Häusern war und gesehen hat, wie die Kinder da leben“, dann dämmere einem manches ...

Wenn ein Kind in so beengten Verhältnissen wohnt, dass es „keine Freunde zu sich nach Hause einladen kann, weil es sich einfach schämt“, dann ist das ein großer Schritt Rückstand beim Sprint ins Glück. Wenn ein Kind nicht wohlbehütet vor einem schnellen Rechner sitzt, geborgen im Kinderzimmer, gut betreut und beraten von Mami und Papi, sondern sich mit zwei Geschwistern um den Esstisch herum drängen und auf die Hausaufgaben konzentrieren muss, während die beiden anderen emsig reden, der eine, weil er sich gerade im Fernunterricht zu Wort meldet, der andere, weil er nichts zu tun hat und vor Langweile dazwischenplappert – dann ist das ein Riesenschritt Rückstand beim Spurt zum guten Schulabschluss.

„Wir können nicht einfach jeder bedürftigen Familie monatlich tausend Euro überweisen“, sagt Häufele. Das überstiege die Kräfte der Stiftung weit. Aber „wir können Chancen eröffnen“: dem einen oder anderen Kind einen Schritt voranhelfen beim Lauf ins Leben.

Wie Armut wirkt, lässt sich anhand eines 100-Meter-Laufs veranschaulichen.

Zehn Kinder reihen sich an der „Los“-Linie auf, der Mann mit der Startpistole sagt: „So, und bevor ich schieße, dürfen alle von euch, die zu Hause ein eigenes Kinderzimmer nur für sich allein haben, schon mal einen Schritt nach vorne gehen.“ Manche treten vor, andere nicht.

Und jetzt – wer hat einen eigenen PC? Wer lebt mit seiner Familie mindestens in einer Vierzimmerwohnung? Wer kann sich

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