Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kliniken: Für eine vierte Corona-Welle gewappnet, neue Millionen-Investitionen geplant

Krankenhaus Schorndorf Feature
Besonders am Standort Schorndorf werden in den kommenden Jahren Millionen von Euro für Neubauten investiert. © Gabriel Habermann

„Wir können alle die neu gewonnenen Freiheiten und die eingetretene Ruhe von all den Einengungen und Belastungen der drei hinter uns liegenden Coronawellen gar nicht so richtig fassen und sind irgendwie weiter in Habachtstellung“, sagte Dr. Richard Sigel, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken gGmbH (RMK) am Mittwoch (16.6.). Die Kliniken hätten insgesamt gesehen die Pandemie bisher sehr gut gemeistert und seien auch aufgrund weitreichender Investitionen für eine mögliche vierte Coronawelle ab Herbst gewappnet.

RMK-Geschäftsführer Dr. Marc Nickel lobte alle Beschäftigten, die Ärzte, die Pflegekräfte und das Management, die Enormes geleistet und einen „tollen Job“ gemacht hätten, unterstützt vom Landkreis als starkem Partner und RMK-Gesellschafter. „Wir haben im Team gemeinsam und vorausschauend gehandelt.“ Als Beispiele nannte Nickel das Einrichten eines Vorfluters zur Steuerung der Patienten- und Mitarbeiterströme, die kurzfristige Gründung einer Fieberambulanz für Corona-Verdachtsfälle und des Schnelltestzentrums und vor allem den Aufbau einer Infektionsstation in einem separaten Gebäude.

Trotz all der Belastungen seien die RMK auf Kurs geblieben und hätten das operative Ergebnis 2020 im Vergleich zum Vorjahr wider Erwarten sogar verbessert, um 133.000 Euro auf 2,44 Millionen Euro. Unmittelbar bezahlt gemacht hätten sich dabei die gezielten Investitionen in die Notfallversorgung am Standort Schorndorf. Mit dem Erreichen der Stufe der erweiterten Notfallversorgung konnten weitere Ausgleichszahlungen aus dem Rettungsschirm des Bundes gewonnen werden. Zudem waren die Maßnahmenpakete des Bundes und des Landes Baden-Württemberg wesentlich, wodurch die finanziellen Mehraufwendungen und Erlösausfälle durch die Corona-Krise zu großen Teilen kompensiert werden konnten, so Nickel.

„Ein Quäntchen Glück war natürlich auch dabei. In den Genuss von staatlichen Zuwendungen des jüngsten Rettungsschirms kommen wir nur wegen der parallel gelaufenen konsequenten Fortentwicklung unserer Medizinkonzeption auch für den Standort Schorndorf trotz Pandemie. Durch MRT, Herzkatheterstation, Notaufnahme et cetera sind wir Vollversorger geworden, und nur die werden, wie sich herausstellte, weiter unterstützt.“

Garantiert kein Betrug bei Zahlen der Intensivbetten

Bundesrechnungshof und RKI hatten jüngst das Gesundheitsministerium gewarnt, dass Kliniken gezielt zu hohe Intensivbetten-Auslastungen gemeldet haben könnten, um in den Genuss der sogenannten Freihaltepauschale zu kommen.

Die Rems-Murr-Kliniken hätten zwar alle Möglichkeiten des Rettungsschirms und weiterer Fördertöpfe ausgenutzt, Betrug bei den Intensivbetten habe es aber definitiv nicht gegeben, betonte Nickel. „Wir haben in Schorndorf und Winnenden alles ganz genau dokumentiert. Da sind wir völlig entspannt, der Bundesrechnungshof kann das gerne überprüfen. Er wird keine Unregelmäßigkeiten finden“, sagte Nickel.

Unsicherer Ausblick für das verbleibende Jahr 2021

Die finanzielle Absicherung für 2021 sei über den Rettungsschirm noch nicht abschließend geklärt. Leider sei der Schirm stark auf Maximalversorger und Unikliniken zugeschnitten, die Hilfe für kleinere Kliniken sei hingegen überschaubar. „Kaum scheint die Krise vorbei, spielt die Geldverteilung wieder die wichtigste Rolle und man wird als Klinik mit einer Flut von Formalien belastet“, sagte Nickel. Erschwerend hinzu käme, dass trotz der Corona-Ausnahmesituation das „MDK-Reformgesetz“ weiter vorangetrieben werde. Danach soll der medizinische Dienst von den Krankenkassen gelöst die Kliniken genauer kontrollieren. „Das ist ein Bürokratiemonster. Genauso wie das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz.“ Und die Pflegebudget-Verhandlungen für 2020 und 2021 mit den Krankenkassen seien noch nicht einmal angesetzt.

Erschwerend hinzu komme, dass noch nicht einmal auf die gesetzliche Vorgabe von Mindest-OP-Zahlen verzichtet werde, obwohl viele „Wahlleistungen“ wegen der Corona-Pandemie gar nicht durchgeführt werden konnten.

Durch all dies blieben eine ganze Reihe finanzieller Unsicherheiten für die Rems-Murr-Kliniken. So biete der Blick in die Glaskugel mehrere mögliche Szenarien, die von einem operativen Ergebnis für 2021 von plus 1,7 Millionen Euro bis minus 7,5 Millionen Euro reiche, sagte Nickel.

Appell an die Bürgerschaft: „Kommt in die Rems-Murr-Kliniken“

Die Corona-Lage in den Kliniken hat sich mittlerweile beruhigt: Aktuell werden 13 Covid-19-Patienten isoliert behandelt (davon nur vier beatmet). „Alle anderen Patienten müssen wissen, sie können in die Rems-Murr-Kliniken kommen. Die Lage ist sicher“, sagte Sigel. Die Besuchsregeln seien zwar mittlerweile gelockert worden, Hygiene und Sicherheit der Patienten würden aber weiterhin großgeschrieben. „Es ist wichtig, dass die Menschen das wissen: Sie sind in den Rems-Murr-Kliniken gut aufgehoben. Wir sind Vollversorger, haben medizinische Expertise und Erfahrung. Man muss nicht nach außerhalb ins Krankenhaus.“

Jetzt sei sogar das beste Zeitfenster für elektive Eingriffe und Operationen, bevor sich womöglich im Herbst eine vierte Coronawelle entwickle, so Sigel. Die Kliniken seien aber für eine vierte Welle gewappnet, nicht zuletzt aufgrund neuer Zukunftsinvestitionen.

Weiterer Ausbau beider Standorte: Investitionen von 130 Millionen Euro

Als „einen Riesenkracher“ bezeichnete Nickel die aktuelle Aufnahme beider Standorte, Winnenden und Schorndorf, ins Landes-Krankenhausprogramm. „Das Sozialministerium hat großes Vertrauen in die Rems-Murr-Kliniken. Dafür sind wir sehr dankbar.“ Als Ergebnis gebe es nun „eine klare Standort- und Zukunftssicherheit für Schorndorf und Winnenden“, so Sigel. Die Spatenstiche für die Neubauten, die ein Investitionsvolumen von circa 130 Millionen Euro haben sollen, seien für Winnenden 2022 (Fertigstellung: 2024) und für Schorndorf 2023 (Fertigstellung 2025) anvisiert.

In Schorndorf sind komplett neu geplant: Notaufnahme, Intensivstation, OP, MRT, und Kreißsaal. Es soll obendrein eine neue Pflegestation geben und der Verwaltungstrakt wird ausgelagert. Mit einer digitalen Terminvergabe und weiteren organisatorischen Verbesserungen stehe die Patientenaufnahme in Zukunft „für einen neuen und modernen Umgang planbarer Eingriffe.“

In Winnenden laufen die Vorbereitungen für einen Erweiterungsbau mit fünf Stockwerken und vorstationärer Patientenaufnahme, Privatpatientenstation und mehreren Pflegestationen. Alles unter der Leitidee der Verzahnung ambulanter und stationärer Versorgung.

Nicht zuletzt werde an beiden Klinik-Standorten die Digitalisierung vorangetrieben und man habe eine Förderung dafür über das Krankenhauszukunftsgesetz in Höhe von 18 Millionen Euro beantragt, sagte Nickel.

Der Baubeginn für das Parkhaus mit 567 Stellplätzen am Standort Winnenden ist für Mitte Juli dieses Jahres, die Inbetriebnahme für 2022 geplant. Zur nachhaltigen Energiegewinnung sollen Fotovoltaikanlagen auf dem Dach des Parkhauses mitberücksichtigt werden. Neben dem Ausbau der Parkfläche für Autos soll auch die Fahrradinfrastruktur an den Kliniken ausgebaut und so die Attraktivität für Fahrradfahrer erhöht werden.

„Wir können alle die neu gewonnenen Freiheiten und die eingetretene Ruhe von all den Einengungen und Belastungen der drei hinter uns liegenden Coronawellen gar nicht so richtig fassen und sind irgendwie weiter in Habachtstellung“, sagte Dr. Richard Sigel, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken gGmbH (RMK) am Mittwoch (16.6.). Die Kliniken hätten insgesamt gesehen die Pandemie bisher sehr gut gemeistert und seien auch aufgrund weitreichender Investitionen für eine

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