Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kliniken weniger belastet: Landrat hält Lockerungen für angebracht

Krankenhaussystem
„Wir sind dringend darauf angewiesen, die Elektiv-OPs wieder hochzufahren", sagt Richard Sigel, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken. © Alexandra Palmizi

Omikron führt wohl nicht zu den Überbelastungen in den Krankenhäusern wie gewarnt und erwartet. Angesichts dessen spricht sich Rems-Murr-Landrat Dr. Richard Sigel für Lockerungen aus. „Zumal jetzt auch alle, die sich impfen lassen wollten, die Gelegenheit dazu hatten.“ Allerdings ist Sigel auch explizit für die Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht. Zudem stellt sich die Frage: Sind die vielen "unechten Covid-Patienten" in Winnenden und Schorndorf alle geimpft?

„Ich halte eine allgemeine Impfpflicht für ehrlicher als eine Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen oder für die Allgemeinheit durch die Hintertür mit Corona-Beschränkungen“, sagt Landrat Richard Sigel, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken. „Wie schwierig sich eine Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen praktisch umsetzen lässt, zeigt die aktuelle Diskussion.“

Dem Grunde nach sei eine gesetzliche Impfpflicht möglich und verfassungskonform, sagt Sigel. Dies habe das Bundesverwaltungsgericht bereits 1957 anlässlich der Pflicht zu Pockenschutzimpfungen sowie jüngst für „militärische Basisimpfungen“ für Soldaten auf Grundlage von § 17a II 1 SG8 bejaht. „Aufgrund des wesentlichen Eingriffs in das grundrechtlich geschützte Recht auf körperliche Unversehrtheit wäre eine derartige Pflicht aber nur aufgrund eines formellen Gesetzes möglich und müsste gut begründet werden.“

Er persönlich halte eine allgemeine Impfpflicht für grundsätzlich begründbar, „denn Corona hat uns nunmehr fünf Wellen und zwei Jahre Ausnahmezustand beschert“, sagt Sigel. „Die Impfung hat uns vor noch Schlimmerem bewahrt. Trotz neuer Erkenntnisse zur Omikron-Variante bleibt die Impfung nach Überzeugung der Wissenschaft der auf Dauer einzig verlässliche Weg aus der Pandemie."

Echte und "unechte" Covid-Patienten in den Rems-Murr-Kliniken

In den Rems-Murr-Kliniken gibt es immer mehr „unechte Covid-Patienten“, die wegen anderer Krankheitsbilder ins Krankenhaus kommen und erst bei der Aufnahme positiv getestet werden, aber covid-bezogen symptomlos bleiben, in den Statistiken trotzdem als „Covid-Patienten“ geführt werden. Am 7. Februar, waren . . .

  • . . . in Winnenden 23 „Covid-Patienten“ in stationärer Behandlung, davon neun wegen Covid-Symptomen und 14 mit anderer Hauptdiagnose, aber mit durch Test identifizierter, aber weitgehend asymptomatischer Corona-Infektion;
  • . . . in Schorndorf 13 „Covid-Patienten“ in stationärer Behandlung, davon neun wegen Covid-Symptomen und sieben in chirugischer Behandlung und „nur“ positiv getestet.

Lässt sich nachvollziehen, wer bei den genannten Patienten jeweils geimpft ist und wer nicht? „Wir sehen wie seit Beginn der Kampagne, dass geimpfte Patienten weitaus seltener schwere Verläufe haben und intensivpflichtig werden. Dies ist auch bei der Omikron-Variante der Fall“, sagt Christoph Schmale, Pressesprecher der Rems-Murr-Kliniken. Auf Intensivstation und am Beatmungsgerät befindet sich momentan (Stand 9.2.) einer von 37 „Covid-Patienten“.

Zur geltenden berufsbezogenen Impfpflicht bundesweit im Gesundheitssystem, die allerdings CDU/CSU-geführte Bundesländer vorerst nicht durchsetzen wollen, und zur geplanten allgemeinen Impfpflicht wollten sich die Rems-Murr-Kliniken nicht äußern, sagt Schmale. „Wir rechnen aber nicht mit einer Abwanderung von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Berufswechsel im Einzelfall können wir natürlich nicht ausschließen.“

Landrat und Kliniken-Aufsichtsratschef Sigel betont: Die politische Entscheidung für oder gegen eine Impfpflicht müsse vom Bundestag getroffen werden. Er halte eine Impfpflicht weiterhin für richtig, aber eine Aussetzung der Impfpflicht für denkbar, wenn dies aus Überzeugung der Wissenschaft pandemisch vertretbar ist. „Aber es muss spätestens im Herbst Klarheit herrschen, ob das Instrument der allgemeinen Impflicht zur Verfügung steht oder nicht. Wir können uns aber nicht erlauben, dass die Politik das Thema jetzt zerredet und sich um eine politische Entscheidung drückt, bis eine neue Corona-Variante vor der Tür steht, was ich natürlich nicht hoffe“, sagt Sigel.

Bald wieder Einstieg in den Krankenhaus-Normalbetrieb?

Dr. Torsten Ade, Chefarzt der Notaufnahme am Rems-Murr-Klinikum Winnenden, ist zuversichtlich, dass die Omikronwelle nicht zu einer Überlastung der Intensivkapazitäten führen wird. „Allerdings sind die Notaufnahme und die Normalstation weiterhin sehr belastet, um die Patienten zu testen und gegebenenfalls zu isolieren. Derzeit bewährt sich die Infektionsstation aufgrund der Isolationskapazitäten vollauf. Wir erwarten den Scheitelpunkt und richten uns darauf ein, nach dem Überschreiten den vollen Wiedereinstieg umzusetzen.“

Dazu Richard Sigel: „Wir sind dringend darauf angewiesen, die Elektiv-OPs wieder hochzufahren. Angesichts der immer noch unzureichenden finanziellen Unterstützung der Kliniken von Bundesseite entstehen uns sonst als Landkreis und Träger der Rems-Murr-Kliniken erhebliche finanzielle Risiken." Dennoch dürfe dies nicht auf Kosten des Personals erfolgen. Die hohe Omikron-Inzidenz macht auch vor dem Krankenhauspersonal nicht halt, 15 Prozent sind im Krankenstand oder häuslicher Quarantäne wegen Infektionsfällen in der Familie. „Wir können unseren Mitarbeitenden nicht zumuten, ohne durchzuatmen aus dem Krisenmodus wieder in den Normalbetrieb zu wechseln, das werden wir im Blick haben – trotz der Risiken“, sagt Sigel.

"Lockerungen sind angebracht"

Der Landrat hält angesichts der aktuell rückläufigen Belastung des Gesundheitssystems Lockerungen der Coronamaßnahmen „für angebracht und vertretbar“. Allerdings stelle sich für die Bürgerinnen und Bürger nach seiner Wahrnehmung langsam nicht mehr die Frage, welche Einschränkungen noch begründbar sind, sondern welche Einschränkungen denn überhaupt noch gelten. „Die Menschen und auch ich als Landrat erwarten von Bund und Land eine klare Linie, nicht nur mit Blick auf die kommenden Wochen.“

Omikron führt wohl nicht zu den Überbelastungen in den Krankenhäusern wie gewarnt und erwartet. Angesichts dessen spricht sich Rems-Murr-Landrat Dr. Richard Sigel für Lockerungen aus. „Zumal jetzt auch alle, die sich impfen lassen wollten, die Gelegenheit dazu hatten.“ Allerdings ist Sigel auch explizit für die Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht. Zudem stellt sich die Frage: Sind die vielen "unechten Covid-Patienten" in Winnenden und Schorndorf alle geimpft?

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