Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis öffnet für Priorisierungsgruppe 3: Das nächste Corona-Impftermin-Ärgernis

Kreisimpfzentrum
Der Weg zur Impfung: Für viele, die ab Montag laut Sozialministerium berechtigt wären, ist er immer noch nur auf dem Papier frei. © ALEXANDRA PALMIZI

Das klingt ja super: Die Kreisimpfzentren werden ab Montag für die gesamte Priorisierungsgruppe 3 geöffnet. Bislang durften noch nicht alle aus dieser Gruppe zum Impfen kommen. Freuen können sich somit ab sofort auch Menschen, „bei denen aufgrund ihrer Arbeits- oder Lebensumstände ein deutlich erhöhtes Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus besteht“. Dazu gehören zum Beispiel Leute aus der Fleischindustrie, Paketdienste oder Saisonarbeiter. Oder Journalisten. Also auf nach Waiblingen? Wenn, wie's aus dem Landratsamt heißt, der Druck nicht längst ein Überdruck wäre, dann würde Gerd Holzwarth, Leiter des Kreisimpfzentrums in Waiblingen, vermutlich in hämisches Lachen ausbrechen.

Freie Termine? Nicht am Montag, nicht am Dienstag

Freie Termine, sagt er, gibt's am Montag nicht. Und die ganze Woche nicht. Und wenn er wüsste, wann es womöglich für die vielen jetzt impfberechtigten Menschen einen Termin geben wird, dann würde er den Job wechseln und Hellseher werden.

Gerd Holzwarth spricht aus bitterer Erfahrung. Es sei, sagt er, wie jedes Mal: Eine neue Gruppe werde für die Impfung zugelassen, doch die Menge des gelieferten Impfstoffs bleibe gleich. „Das kann nicht funktionieren.“

Im Waiblinger Kreisimpfzentrum werden zurzeit täglich geplante 700 bis 800 Menschen geimpft. Ganz gleich, ob Astrazeneca oder Biontech verimpft wird: Alle diese Impfungen sind ausschließlich Zweitimpfungen. Die müssen schließlich abgearbeitet werden. Jede zusätzliche Impfdosis, die im Kreisimpfzentrum ankommt, werde für einen Ersttermin reserviert. Diese Zusatztermine werden spontan ins Netz gestellt. In den letzten zwei Wochen waren das einmal 1600 zusätzliche Termine und einmal 750. Diese zusätzlichen Impftermine waren jedes Mal innerhalb von etwa 1,5 Stunden ausgebucht.

Mehr Impfstoff für den Rems-Murr-Kreis? "Wir spüren das nicht."

Das Land erkläre zwar, heißt es aus der Pressestelle des Landratsamts, dass der Rems-Murr-Kreis mehr Impfstoff bekäme, „wir spüren das aber nicht“. Diese Woche, sagt Gerd Holzwarth, bekam das Impfzentrum sogar wieder weniger als versprochen: nur zwei anstelle von drei Kartons Biontech. Das reiche gerade, um die Zweitimpfungen zu leisten. Doch für mehr eben nicht. Für die kommende Woche, die Kalenderwoche 20, rechnet Gerd Holzwarth bislang mit zwei Kisten Biontech. Das sind 2340 Impfdosen. Für Kalenderwoche 21 stehen vier Kisten mit 4680 Impfdosen im Plan.

Von Astrazeneca seien ihm, sagt Holzwarth, für die kommende Woche und Stand jetzt mehr Dosen versprochen als ursprünglich angekündigt. Es sind insgesamt – tatsächlich, mehr sind's nicht – 700 Impfdosen.

Das Kreisimpfzentrum hat inzwischen auch 900 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson bekommen. Der sei eigentlich ideal für den Impftruck, der vor Ort fährt. Denn bei diesem Produkt reicht eine Impfung für den vollen Impfschutz aus. Doch es gibt einen Haken: Johnson & Johnson ist wie Astrazeneca bei Unter-60-Jährigen mit einer intensiven ärztlichen Beratung verbunden. Wegen der möglichen Nebenwirkungen. Deshalb werden diese 900 Dosen doch fürs Impfzentrum eingeplant. Verimpft werden sollen sie am Pfingstwochenende. Wer will, kann aktuell versuchen, über das Impfportal einen Termin zu ergattern. Eine Umbuchung auf einen anderen Impfstoff ist nicht möglich. 

900 Dosen von Johnson & Johnson: Der Impfstoff reicht trotzdem nicht

Die Johnson & Johnson-Dosen werden nichts daran ändern, dass der Impfstoff nicht ausreicht. Sie werden nichts daran ändern, dass weder über die Telefonnummer 116 117 noch über www.impfterminservice.de im Waiblinger Kreisimpfzentrum ausreichend Termine zu bekommen sind. Sie werden auch nichts daran ändern, dass, davon geht Gerd Holzwarth aus, der Ansturm dennoch riesig sein und der Frustpegel dementsprechend steigen wird. Die Nerven liegen bei den Impfwilligen ja jetzt schon oft genug blank.

Gerd Holzwarth rät all jenen, die sich direkt an ihn wenden, ihren Suchradius zu vergrößern. Sie sollen Termine in anderen Impfzentren anfragen, auch weitere Strecken in Kauf nehmen. Oder sich an die Ärzte wenden.

In Hausarztpraxen nämlich soll sich in Sachen Impfung ab kommendem Montag ebenfalls was ändern. Das Sozialministerium und die Kassenärztliche Vereinigung haben gemeinsam beschlossen, dass dort die Priorisierung für alle Impfstoffe aufgehoben werden soll. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte könnten dann alle Personen über 16 – Biontech – beziehungsweise 18 – alle Impfstoffe – impfen. Sofern Impfstoff vorhanden ist. Die niedergelassenen Ärzte dürfen und werden daher selbst priorisieren. Mit langen Wartelisten ist zu rechnen.

Das klingt ja super: Die Kreisimpfzentren werden ab Montag für die gesamte Priorisierungsgruppe 3 geöffnet. Bislang durften noch nicht alle aus dieser Gruppe zum Impfen kommen. Freuen können sich somit ab sofort auch Menschen, „bei denen aufgrund ihrer Arbeits- oder Lebensumstände ein deutlich erhöhtes Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus besteht“. Dazu gehören zum Beispiel Leute aus der Fleischindustrie, Paketdienste oder Saisonarbeiter. Oder Journalisten. Also auf nach Waiblingen?

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