Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: Berufsberatung speziell für Frauen

Berufsberatung für Frauen
Was will ich tun? Wie soll meine berufliche Zukunft aussehen? Und wie kann der Weg dorthin sein? Die Beraterinnen der Kontaktstelle Frau und Beruf in Ludwigsburg helfen, auf diese Fragen Antworten zu finden. © stock.adobe.com/fizkes

„Kompetente Berufsberatung speziell für Frauen“ heißt’s in der Pressemitteilung des Landratsamts. Kompetent? Sehr gerne und na hoffentlich! Aber wieso speziell für Frauen? Brauchen Frauen mal wieder eine Extrawurst? Sind Frauen nicht in der Lage dazu, mit ganz normalen Vermittlern und Vermittlerinnen vom Arbeitsamt zurechtzukommen und zufrieden zu sein? Frauen wollen doch Gleichberechtigung – was soll das denn jetzt wieder? Die – amüsierten – Beraterinnen erklären.

Förderung durch das Land – übrigens schon seit über 25 Jahren

In Ludwigsburg gibt es eine Berufsberatungsstelle, die sich ausschließlich um Frauen kümmert. Sie wird vom Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg gefördert, Träger sind die Stadt und der Landkreis Ludwigsburg. Der Rems-Murr-Kreis zahlt seit kurzem dazu: 25 000 Euro jährlich, erst mal für zwei Jahre. Denn das Angebot steht jetzt auch Frauen aus dem Rems-Murr-Kreis zur Verfügung.

Es geht um die „gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben“. Schönes Schlagwort – aber nicht doch ein bisschen Blabla? Wer Gleichberechtigung will, sollte sich doch eigentlich nicht im selben Arbeitsschritt schon wieder absondern, oder? Und mit Sicherheit gibt’s auch so manchen Mann, der kompetente Beratung brauchen könnte. Werden hier jetzt nicht die Männer diskriminiert?

Die Berufsberatung ist explizit für Frauen konzipiert: Studien zeigen, dass das nach wie vor gebraucht wird

Stefanie Wolz und Anke Wiest, die die Beratungen in Ludwigsburg durchführen, sind keine Männerhasserinnen. Sie würden sich vermutlich auch nicht dagegen wehren, Männer zu beraten. Ihre Stellenbeschreibung lautet nur einfach nicht so und deshalb stellt sich die Frage schlichtweg nicht. Sie sind explizit als Beraterinnen für Frauen eingestellt worden. Und zwar, erklären sie, weil es notwendig sei. Das würden zumindest das Wirtschaftsministerium und zahlreiche Studien sagen. Gleichstellung brauche nach wie vor Unterstützung, Frauen seien nach wie vor oft in eher prekären Arbeitsverhältnissen. In Minijobs beispielsweise. Da geht’s in letzter Zeit immer um Frauen in Führungspositionen – dringend gewünscht – aber viele haben noch nicht mal eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Und, sagen Stefanie Wolz und Anke Wiest aus langjähriger Erfahrung heraus: Die Lebensläufe der Frauen seien einfach andere als die der Männer. Und damit auch ihre Themen und Probleme.

Frauen suchen bei der Arbeit auch nach einem Sinn, der ihren Werten entspricht

Da geht’s – natürlich – um Kinderbetreuung: Frauen nähmen üblicherweise etwa ein Jahr Elternzeit, Männer zwei Monate. Männern würde nie die Frage gestellt, wer die Kinder betreue, wenn sie mal krank seien. Die meisten Männer arbeiteten Vollzeit, Frauen überlegten, wie viele Stunden des Tages sie geben wollten. Frauen hätten auch andere Werte. Machten sich bei der Suche nach Arbeit auch auf die Suche nach Sinn. Von daher sei, sagen Stefanie Wolz und Anke Wiest, geschlechterspezifische Beratung erstens hilfreich und zweitens nichts Negatives.

Gibt’s sonst noch was Positives? Ja! Der Fachkräftemangel, sagen die Beraterinnen, komme den Frauen entgegen. Und treibe plötzlich auch Firmen zu den Frauenberaterinnen. Man will wissen, wie das klappen könnte mit den Frauen.

Schön, aber noch mal: Warum diese Beratungsstellen-Extrawurst? Könnte das nicht auch die Agentur für Arbeit leisten? Falsch gedacht, weil von den falschen Voraussetzungen ausgegangen. Die Agentur für Arbeit habe, erklären die beiden Beraterinnen, in erster Linie einen „Vermittlungsauftrag“. Zur Agentur für Arbeit gehe, wer zum Beispiel arbeitslos sei und wisse, was er suche. „Wir haben keinen Vermittlungsauftrag.“ Die Frauenberaterinnen setzen eine Stufe vor der Agentur für Arbeit an. Zu ihnen kommt, wer das Gefühl hat, dass ich etwas ändern sollte im Berufsleben. Oder dass es gerne etwas mehr sein dürfte. Man dürfe sogar sagen, sagen sie: „Mir fehlt was, ich weiß aber nicht, was?“ Deshalb ist auch beispielsweise die IHK erst nach den Frauenberaterinnen angesiedelt. Wer sich bei der IHK mit dem Wunsch melde, ein eigenes Unternehmen zu gründen, der, sagen Stefanie Wolz und Anke Wiest, werde herzlich begrüßt und dazu aufgefordert, den Businessplan mitzubringen. Zu den Frauenberaterinnen kommen Frauen, die sagen: Ich habe eine Idee, was muss ich dazu wissen, dabei bedenken, vorbereiten? Wer kann mir dabei helfen? Am Ende der Beratung entsteht im Idealfall der Businessplan und dann kommt der Weg zur IHK.

Stefanie Wolz und Anke Wiest kennen alle Regeln, Fallstricke und Möglichkeiten des Arbeitslebens, haben unzählige Kontakte, wissen über alle Arbeitszeitmodelle Bescheid und auch über die Töpfe, die zwecks der Finanzen angezapft werden könnten. Zu ihnen bringt niemand ein Zeugnis mit und Bewerbungen lesen sie nur, wenn es gewünscht wird und Feedback hilfreich sein könnte.

Letztlich geht es einfach nur um die Zusammenführung der Interessen

Die beiden Beraterinnen Stefanie Wolz und Anke Wiest hören zu, helfen beim Nachdenken und lassen, so möglich, Verbindungen spielen. Letztlich gehe es doch auch im Arbeitsleben immer erstens ums Netzwerken und zweitens um die Zusammenführung unterschiedlicher Interessen. Die zwei Beraterinnen kennen das alles – die beste Grundvoraussetzung für den Erfolg auf allen Seiten.

„Kompetente Berufsberatung speziell für Frauen“ heißt’s in der Pressemitteilung des Landratsamts. Kompetent? Sehr gerne und na hoffentlich! Aber wieso speziell für Frauen? Brauchen Frauen mal wieder eine Extrawurst? Sind Frauen nicht in der Lage dazu, mit ganz normalen Vermittlern und Vermittlerinnen vom Arbeitsamt zurechtzukommen und zufrieden zu sein? Frauen wollen doch Gleichberechtigung – was soll das denn jetzt wieder? Die – amüsierten – Beraterinnen erklären.

Förderung durch

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper