Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: Erste Hilfe beim Motorradunfall - was ist zu beachten?

Motorrad Symbol Symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © Gabriel Habermann

Endlich wieder warmes Wetter. Mit den steigenden Temperaturen sind auch wieder vermehrt Motorradfahrer unterwegs. Besonders zu Beginn der Motorradsaison kommt es häufig zu Unfällen. Wie geht man als Ersthelfer vor? Beate Wichtler ist Referatsleiterin für den Ausbildungsbereich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Rems-Murr-Kreis. Sie sagt, was zu tun ist.

„An allererster Stelle gilt der Eigenschutz“, erklärt die Expertin. Das heißt, man sollte sich selbst als Helfer nicht in Gefahr begeben. Dazu gehört, eine Warnweste anzuziehen, möglichst ein Warndreieck aufzustellen und zu schauen, ob der Verkehr es zulässt, sich an die Unfallstelle zu begeben.

In einem nächsten Schritt muss überprüft werden, ob die verunglückte Person ansprechbar ist. Dazu muss man laut und deutlich mit der Person sprechen und leicht an den Schultern rütteln. Wichtig hierbei: Die verletzte Person nicht schon von weitem ansprechen, sondern erst den Kopf stabilisieren, das heißt, den Helm festhalten, und dann seitlich zu ihr hindrehen und ansprechen. Damit soll möglichst verhindert werden, dass der Verletzte sich reflexartig zum Helfer dreht. Je stabiler die Wirbelsäule in der Achse, desto geringer die Gefahr, dass weitere Verletzungen hinzukommen, so die Expertin.

Helm abnehmen oder nicht?

Ist eine verunglückte Person ansprechbar, muss der Helm nicht zwingend abgenommen werden. „Ich selber rate regelmäßig dazu, dass man auch bei jemandem, der bei Bewusstsein ist, den Helm runter nimmt“, sagt Beate Wichtler. Bei einer Person, die gestürzt ist, bestehe die Gefahr, dass sie innerhalb der nächsten Zeit bewusstlos werden könne. In dem Fall müsste der Helm ab. Solange der Verletzte ansprechbar ist, hat er eine Körperspannung. Diese schützt ihn viel besser vor Verletzungen, wenn der Helm abgenommen wird, als jeder Handgriff von außen.

Reagiert die Person nicht auf das Ansprechen, ist sie bewusstlos. Gerade beim Helm sind sich viele Ersthelfer unsicher, ob sie ihn abnehmen sollen oder nicht. Zu groß ist die Angst, Verletzungen zu verschlimmern und Schwierigkeiten zu bekommen. Juristisch gesehen ist Beate Wichtler jedoch kein einziger Fall bekannt, bei dem jemand wegen einer falschen Helmabnahme verurteilt wurde.

„Wer bewusstlos ist, braucht zwingend eine Helmabnahme“, erklärt die DRK-Mitarbeiterin. Diese Lehrmeinung gebe es seit über dreißig Jahren und darin seien sich alle großen Hilfsorganisationen einig – egal, ob ein Ersthelfer alleine vor Ort ist, oder ob man zu zweit ist.

Bei der Helmabnahme den Nacken schützen

Der Hintergrund ist folgender, erklärt Beate Wichtler: Wenn eine verunglückte Person bewusstlos ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten, wie man weiter vorgeht: Zum einen die stabile Seitenlage (wenn die Atmung noch vorhanden ist) und zum anderen die Wiederbelebung (wenn die Atmung nicht vorhanden ist). Beide Handlungen lassen sich nicht durchführen, wenn der Helm noch auf ist.

Geht es ans Abnehmen des Helmes, ist es immer besser, wenn man zu zweit ist. Dabei stabilisiert eine Person den Kopf und die andere den Nacken. Ist man alleine an der Unfallstelle, setzt man sich hinter den Verunglückten oberhalb des Kopfes und stabilisiert mit den Knien den Helm. Die eine Hand ist vorne am Helm, die andere befindet sich während der gesamten Helmabnahme im Nacken. Der Helm wird in Längsrichtung abgezogen. Wichtig hierbei: langsam und mit Bedacht vorgehen und schnelle Bewegungen vermeiden – auch wenn es sich um eine Notsituation handelt.

Ist der Helm ab, legt man den Kopf des Verunglückten vorsichtig auf dem Boden. Der Nacken muss immer gerade sein. Der Kopf sollte nach hinten überstreckt werden. Anschließend setzt man sich an die Seite des Verunglückten und kontrolliert die Atmung. Ist diese vorhanden und der Verunglückte weiterhin bewusstlos, muss der Motorradfahrer in die stabile Seitenlage gebracht werden. Auch hier gilt, mit der einen Hand den Nacken stützen und drehen, während man mit der anderen den Körper dreht. Der Mundwinkel muss sich anschließend am tiefsten Punkt befinden, damit Flüssigkeiten wie Erbrochenes ablaufen können.

Eine unterlassene Hilfeleistung ist strafbar

Ist die Person ansprechbar, braucht es keine Seitenlage. In dem Fall muss die Person flach liegen bleiben und sich möglichst wenig bewegen. Der Kopf sollte hier in Absprache mit dem Verletzten weiterhin stabilisiert werden.

Atmet die verunglückte Person nicht, ist eine Wiederbelebung erforderlich. Hierfür muss die Person flach am Boden liegen. Der Helfer drückt 30-mal auf den Brustkorb des Verunglückten und beatmet anschließend zweimal. Gesetzlich gesehen muss man jedoch keine Atemspende machen, wenn man sich dadurch selbst in Gefahr begeben würde. Eine Gefahr kann etwa eine Infektion sein.

Eine unterlassene Hilfeleistung ist übrigens laut §323c Strafgesetzbuch Absatz 1 strafbar. Wer dennoch zögert, sollte sich vor Augen führen, dass es sich um eine lebensbedrohliche Lage handelt. Das einzig Falsche ist, gar nicht zu handeln.

Endlich wieder warmes Wetter. Mit den steigenden Temperaturen sind auch wieder vermehrt Motorradfahrer unterwegs. Besonders zu Beginn der Motorradsaison kommt es häufig zu Unfällen. Wie geht man als Ersthelfer vor? Beate Wichtler ist Referatsleiterin für den Ausbildungsbereich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Rems-Murr-Kreis. Sie sagt, was zu tun ist.

„An allererster Stelle gilt der Eigenschutz“, erklärt die Expertin. Das heißt, man sollte sich selbst als Helfer nicht in Gefahr

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