Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: Mindestens 3,26 Millionen für Wasserstoff-Technologie

2021-11-05_v(1)
Das ist Coradia iLint, der weltweit erste Wasserstoffzug, der in Salzgitter entwickelt wurde. Dieses Exemplar fährt auf der Strecke Hechingen-Haigerloch-Eyach im Nordschwarzwald. Vielleicht irgendwann auch bei uns? © Gabriel Habermann

Es war eine Grundsatzentscheidung und ein Zukunftsentwurf: Im Sommer 2020 legte der Kreistag fest, dass grüne Wasserstofftechnologie zu fördern und zu finanzieren sei. Jetzt hat das Landratsamt einen ersten Blick auf die Entwicklung der Vorhaben öffentlich gemacht. Man ist begeistert: Mehr als drei Millionen Euro an Fördermitteln sind schon sicher und eine noch nicht genau bezifferbare aber stetig wachsende Summe kündigt sich an.

„Unsere Wasserstoff-Strategie beginnt sich mehr und mehr auszuzahlen“, erklärt Landrat Richard Sigel. Er spricht von einem „Domino-Effekt“ in Sachen Fördermittel. Denn mit der Weiterentwicklung der Projekte und zusätzlichen neuen Ideen kündigt sich immer mehr Geld an.

Schon sicher in der Tasche und konkret verplant

Insgesamt 3 260 000 Euro an Fördermitteln hat der Kreis schon in der Tasche. Die 260 000 Euro der Gesamtsumme gehen in das Wasserstoffprojekt Hangweide in Rommelshausen. Die Kreisbaugesellschaft plant hier mit verschiedenen Partnern ein „Wohngebiet für die Zukunft“, dessen Energie- und Wärmeversorgung das Klima schonen soll – beispielsweise mit Wasserstoff. Das Ziel: nahezu keine klimaschädlichen CO2-Emissionen zu verursachen. Damit diese Planung erfolgreich über die Bühne gehen kann, wurden im Rahmen einer Machbarkeitsstudie beim Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt Fördermittel beantragt. Diese sind genehmigt und fließen in die Untersuchung, wie eine dezentrale Wasserstoffproduktion im Quartier erfolgen und die Abwärme der Wasserstoff-Produktionsanlagen für die Wärmeversorgung genutzt werden können. Der Kreis muss im Übrigen hier das Rad nicht neu erfinden: In Esslingen konnte ein vergleichbares Quartier besichtigt werden.

Der Rest des Fördergeldes – drei Millionen – fließt in die Wasserstoffproduktion in Waiblingen. Gebaut wird ein sogenannter „Elektrolyseur“ samt Wasserstofftankstelle. In einem Elektrolyseur wird mit Hilfe elektrischen Stromes eine chemische Reaktion, also eine Stoffumwandlung, herbeigeführt. In diesem Fall wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Der Wasserstoff kann dann von entsprechenden Fahrzeugen getankt werden. Beides soll in Waiblingen realisiert werden, und zwar, wie zurzeit geplant, irgendwo im Bereich der Westumfahrung. Der Betrieb von Wasserstoffproduktion und -tankstelle wird trotz der Fördermillionen nicht kostendeckend sein. Kreistag und Stadtrat haben beschlossen, das geschätzte Defizit von 11,7 Millionen Euro verteilt über 17 Jahre gemeinsam zu tragen.

Erst für gut geheißen, dann verworfen und umgeplant

Ursprünglich hingen an den drei Millionen für die Waiblinger Wasserstoffproduktion noch 1,8 Millionen für den Kauf von Wasserstoffbussen. Es waren also fast fünf Millionen zugesagt. Hier allerdings hat sich – die Wasserstoff-Zukunftsstrategie ist ein Prozess mit Entwicklungen – in der Planung etwas geändert.

Die neun Wasserstoffbusse nämlich hätten bis spätestens Mitte 2024 angeschafft werden müssen – noch während der aktuell gültigen Verträge mit den Busunternehmen, die zurzeit die Linien bedienen.

Dieses Vorgehen hätte einige Nachteile mit sich gebracht: Die Busunternehmen hätten, wenn sie die Busse selbst mit den Fördermitteln gekauft hätten, diese nach der Neuausschreibung nicht an eventuelle Nachfolger weitergeben müssen. Sie hätten außerdem für die Dieselbusse, die durch die Wasserstoffbusse ersetzt werden sollten, vom Kreis entschädigt werden müssen. Hätte der Kreis die Busse selbst gekauft, wäre er anderen Risiken gegenübergestanden. Der Kreis entschied sich dafür, diese 1,8 Millionen nicht für sich in Anspruch zu nehmen und die Bus-Anschaffung bis zur Neuausschreibung der Buslinien zu verschieben.

Verheißungsvolle Zukunft: Es winkt noch deutlich mehr Geld für die Busse

Der Kreis hat mit der Entscheidung gegen die Verwendung der 1,8 Millionen kein Geld in den Papierkorb versenkt. Im Gegenteil: Die Firma, über die die Wasserstoffbusse geleast werden sollten, hat dem Landratsamt ein neues Förderprogramm vorgestellt, das die Anschaffungsmehrkosten eines Wasserstoffbusses im Vergleich zu einem Dieselbus zu 80 Prozent fördert. Bei wie bisher geplant neun Bussen ergäbe das eine Fördersumme von etwa 2,7 Millionen Euro – fast eine Million mehr als bei der verworfenen Planung. Und: Es können auch mehr als neun Busse gefördert werden. Die Fördersumme würde dann noch weiter in die Höhe steigen. Die Beschaffung der Busse und die Auswahl der Fördermittel liegen allerdings bei den Busunternehmen – das Landratsamt kann keinen Einfluss darauf nehmen. Das Landratsamt kann aber bei der neuen Ausschreibung von vornherein Wasserstoffbusse verlangen.

Über die avisierte Fördermöglichkeit hinaus würden, so das Landratsamt, noch „zahlreiche weitere Förderprogramme“ erwartet. Außerdem gelte seit Kurzem die „Clean-Vehicles-Richtlinie“, die bei Ausschreibungen emissionsfreie Busse vorschreibe. Das bringe einen „enormen Finanzierungs- und Fördermittelbedarf“ mit sich, mit dem das Landratsamt rechnet.

Noch im Vagen aber zumindest zum Teil vielversprechend

Junge Menschen, so das Ansinnen des Landratsamts, sollen so bald wie möglich an die Zukunftstechnologie Wasserstoff herangeführt werden. Deshalb entsteht in der Gewerblichen Schule Backnang eine Lernwerkstatt. Für den Ausbau dieser Lernwerkstatt, so heißt es aus dem Landratsamt, bestehe eine „hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt im Rahmen der Wasserstoffstrategie Baden-Württemberg gefördert werden wird und schneller als geplant vorankommt“. Es liefen „vielversprechende Gespräche“ zu „weiteren Förderungen“. Da diese noch nicht abgeschlossen sind, kann allerdings keine Aussage zur Höhe gemacht werden.

Die aktuellen Fördermöglichkeiten erlauben es auch dem Straßenbauamt, sich Gedanken über Fahrzeuge mit Brennstoffzellentechnologie zu machen. Allerdings, so das Landratsamt, gibt es im Bereich Nutzfahrzeuge noch wenig Erfahrung mit dem Wasserstoffantrieb und keine in Serie gefertigten Fahrzeuge. Hier wird geprüft; Fördermittel werden noch nicht beziffert.

In Frage gestellt ist allerdings die Anschaffung von Wasserstoffzügen für die Wieslauftalbahn. Sie kämen teurer als batteriebetriebene Fahrzeuge. Da aber frühestens Mitte 2022 über die Beschaffung neuer Fahrzeuge für die Wieslauftalbahn entschieden wird, bleibt die Option Wasserstoff noch bestehen.

Es war eine Grundsatzentscheidung und ein Zukunftsentwurf: Im Sommer 2020 legte der Kreistag fest, dass grüne Wasserstofftechnologie zu fördern und zu finanzieren sei. Jetzt hat das Landratsamt einen ersten Blick auf die Entwicklung der Vorhaben öffentlich gemacht. Man ist begeistert: Mehr als drei Millionen Euro an Fördermitteln sind schon sicher und eine noch nicht genau bezifferbare aber stetig wachsende Summe kündigt sich an.

„Unsere Wasserstoff-Strategie beginnt sich mehr und

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