Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: Soll’s wirklich ein 365-Euro-Ticket für die Schüler sein?

Schulbus
Endlich wieder in die Schule? Also richtig – nicht nur online! Bald geht’s los. Was aber wird sein, wenn die ersten Corona-Fälle in den Klassen auftreten? Was gilt dann für Geimpfte und Genesene? © ZVW/Gabriel Habermann

Nein, es geht nicht darum, dass die Kreisräte den Schülerinnen und Schülern, die im Rems-Murr-Kreis zu Hause sind, ein günstiges VVS-Ticket nicht gönnen. Der Widerstand wendet sich gegen den Namen: 365-Euro-Ticket – ist das einmal etabliert, kann sich der Kreis nie mehr davon verabschieden, ganz gleich, wie oft der VVS seine Tarife erhöht und wie groß die Inflation ist.

Zurzeit fahren Schülerinnen und Schüler ab Klasse fünf für monatlich 43,20 Euro mit dem Scool-Abo zur Schule und im ganzen VVS-Gebiet. Aufs Jahr gerechnet sind das bei einem Jahresabo – der Sommermonat August ist kostenlos – 475,20 Euro. Ab September wird das Ticket für die Familien um 2,05 Euro günstiger und kostet im Jahr dann 452,65 Euro. Ein 365-Euro-Ticket wäre im Vergleich dazu immer noch ein Schnäppchen. Und tatsächlich würde der Kreistag die jungen Menschen gerne mit selbigem locken. Schließlich könne man gerade diese Zielgruppe noch beeinflussen – in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Es gelte, heißt es in der Vorlage, die der Umwelt- und Verkehrsausschuss zu lesen bekam, „gerade die junge Generation ... mit Blick auf das Mobilitätsverhalten zu erreichen und langfristig zu prägen“.

Die jährlichen Kosten ohne Zuschuss vom Bund: 1,4 Millionen Euro

Das 365-Euro-Ticket ist schon länger im Gespräch, und die Kosten sind durchgerechnet: Kommt die erhoffte Förderung durch ein Programm des Bundes, lägen die Kosten für den Landkreis in den Jahren 2022 bis 2024 bei insgesamt rund 1,1 Millionen Euro. Das Bundes-Förderprogramm sieht vor, dass das 365-Euro-Ticket zum Schuljahr 2022/2023 eingeführt wird. Unterstützung gibt’s bis 2024 – ab 2025 müsste der Kreis die Kosten ganz alleine stemmen. Das würde den Landkreis dann rund 1,4 Millionen Euro jährlich kosten. Stand jetzt.

Der Landkreis will, so sich der Kreistag am Montag, 12. Juli, für die Einführung dieses Schülertickets entschließt, das Ticket auch über den Förderzeitraum hinaus weiterfinanzieren. Die Erfolgsaussichten bezüglich des Förderantrags seien dann besser – gute Konzepte zur Stärkung des öffentlichen Verkehrs sollen nicht gleich wieder abgeschafft werden. Doch was ist, wenn der VVS seine Tarife erhöht? Die Kosten für den Landkreis würden aller Voraussicht nach jedes Jahr steigen. Und somit zahlen die Kommunen jedes Jahr mehr, denn das Ganze muss über die Kreisumlage finanziert werden.

FDP und Freie Wähler wollen einen anderen Namen

Die beiden FDP-FW-Kreisräte Jochen Haußmann und Werner Häfele haben deshalb gegen die Einführung eines 365-Euro-Tickets für Schülerinnen und Schüler gestimmt. Zum einen ärgern sie sich darüber, dass der Bund in seinen Förderrichtlinien die Weiterführung des günstigen Tickets vorschreibt. Wenn der Bund ein 365-Euro-Ticket wolle, „dann soll er es dauerhaft einführen und nicht die Kosten nach 36 Monaten abwälzen“. Die FDP-FW sei sehr für eine Vergünstigung der Ticketpreise für Schülerinnen und Schüler, „aber nicht unter dieser Bezeichnung“. Haußmann und Häfele schlagen vor: „Nennen wir das Ganze ‚Everydayticket’ oder ‚Freeway’ oder schlicht Scool-Abo wie bisher, dann sind wir dabei.“

Haußmann und Häfele fürchten aber noch mehr. Dass nämlich das 365-Euro-Ticket für Schüler der Einstieg in ein 365-Euro-Ticket für alle sein wird. „Dazu genügt ein Blick in den grün-schwarzen Koalitionsvertrag, der ein flächendeckendes 365-Euro-Ticket in einem Verbund vorsieht.“ Was am Ende die Kommunen erheblich belasten würde.

Grüne: Der Name des Tickets sei „erst einmal nicht wichtig“

Für die Kreistagsfraktion der Bündnis 90/Die Grünen, erklärt Astrid Fleischer, die grüne Sprecherin des Umwelt- und Verkehrsausschusses, sei der Name des Schülertickets „erst einmal nicht wichtig“. Wichtig sei, „dass unsere Schülerinnen und Schüler ein kostengünstiges, bezahlbares Angebot bekommen zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs“. Astrid Fleischer jongliert sich mit dieser Aussage um die Antwort auf die Frage herum, die die Kritiker aus den anderen Parteien umtreibt: Wie soll der Kreistag das Problem der zukünftigen Tariferhöhungen angehen? Sollen die Preissteigerungen an die Nutzer weitergegeben werden? Oder sollen Kreis und Kommunen auf immer mehr und mehr zuschießen?

Astrid Fleischer sagt: „Das 365-Euro-Ticket ist aus Grünen-Sicht ein zukunftsweisendes Angebot.“ Die Familienkassen würden entlastet, man freue sich „über einen weiteren Beitrag zur Verkehrswende und CO2-Einsparungen“. Die Grünen würden sich nicht „an den Mutmaßungen der anderen Fraktionen“ beteiligen. Man gehe „den Weg nach vorne, für eine Verkehrswende und für unsere Familien, gerne mit“. Heißt das, dass die Grünen im Kreistag ein für alle Zeiten so günstiges Ticket gerne etablieren möchten? Die explizite Bestätigung fehlt noch.

Nein, es geht nicht darum, dass die Kreisräte den Schülerinnen und Schülern, die im Rems-Murr-Kreis zu Hause sind, ein günstiges VVS-Ticket nicht gönnen. Der Widerstand wendet sich gegen den Namen: 365-Euro-Ticket – ist das einmal etabliert, kann sich der Kreis nie mehr davon verabschieden, ganz gleich, wie oft der VVS seine Tarife erhöht und wie groß die Inflation ist.

Zurzeit fahren Schülerinnen und Schüler ab Klasse fünf für monatlich 43,20 Euro mit dem Scool-Abo zur Schule und im

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