Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: Warum das Bahn-Chaos andauert und was auf die Pendler noch zukommt

GoAheadSymbolfoto
Ist noch Platz im Zug oder nicht? Zu Ausfällen kommt es besonders bei den Regionalbahnen. © Gaby Schneider

Frühestens ab Donnerstag (14.7.) könnte der Bahnverkehr im Raum Stuttgart wieder normal laufen. Bis dahin brauche das Technikerteam, um die durch einen Kurzschluss an einer Oberleitung im Gleisbereich der Rosensteinstraße im Nordbahnhofviertel verursachten Schäden in der Sicherungstechnik des Bahnknotenpunktes Stuttgart wieder zu beheben. Warum die Pendler auf Murr- und Rems-Trasse derweil besonders leidgeplagt sind.

Fahrradmitnahme nicht gern gesehen

Außerordentlich schwierig war es am Wochenende für Ausflügler mit Fahrrädern. Durch die vielen Zug- und Halte-Ausfälle waren die wenigeren Züge extrem voll. Wer dann beispielsweise am Samstag eine Radtour über Backnang hinaus nach Gaildorf gemacht hatte und mit der Regionalbahn zurück wollte, dem wurde wortwörtlich per Durchsage verboten, einzusteigen. Einzige Rettung: zurückradeln nach Backnang und die am Startbahnhof noch vergleichsweise leere S 4 bis Ludwigsburg nehmen und ins Remstal zurückradeln. Unverhoffte Radfahrstrecke insgesamt: mehr als 100 Kilometer.

Gestresst wurden aber auch noch am Montag die vielen Pendler. Sie mussten beispielsweise am Waiblinger Bahnhof das durch Zugausfälle, Haltestellen-Auslassungen und Gleisänderungen verursachte Wirrwarr durchschauen und die sich gefühlt im Minutentakt ändernden Bekanntgaben an den Anzeigetafeln beachten. Dasselbe ungute Spiel wird wohl bis mindestens Donnerstag (14. 7.) andauern.

Es empfehlen sich die mentale sowie zeitliche Vorbereitung und ein Blick auf aktuelle Fahrplaninformationen. Die Fahrplanabweichungen des Folgetages werden laut VVS-Mitteilung tagtäglich in elektronische Auskunftsmedien eingearbeitet. An örtlichen Bahnsteiganzeigen im S-Bahn-Tunnel komme es derweil immer wieder zu Störungen. „Fahrgäste werden gebeten, auf Lautsprecheransagen zu achten und regelmäßig ihre Reiseverbindung in den elektronischen Auskunftsmedien zu prüfen“, so der VVS.

Die Lage auch auf den Rems- und Murr-Trassen wird also bis Ende der Woche weiter angespannt sein, bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart. „Unsere Techniker arbeiten mit Hochdruck daran, die Schäden zu beheben, die durch den Kurzschluss an der Oberleitung am Samstagmittag entstanden sind.“ Schneller gehe es voraussichtlich leider nicht. Bis dahin seien aber eben die Gleiskapazitäten im Großraum Stuttgart stark eingeschränkt. Dadurch gestört ist insbesondere der aus anderen Gründen eh schon gebeutelte Regionalbahnverkehr.

Regionalbahnen auf der Remsstrecke

Auf der Remsstrecke entfallen seit dem Wochenende bei den Regionalbahnen von Schwäbisch Gmünd nach Stuttgart teilweise die Halte Stuttgarter Hauptbahnhof, Cannstatt und Waiblingen. Es empfiehlt sich in dem Fall, in Schorndorf auszusteigen und auf die S 2 zu wechseln. Auch zu Totalausfällen einzelner Züge wegen des Schadens in der Oberleitung und Sicherungstechnik vom Samstag kann es bis Ende der Woche kommen.

Eine weitere Tücke: Aufgrund einer defekten Weiche zwischen Grunbach und Schorndorf steht dort bis mindestens Sonntag (17. 7.) nur ein Gleis zur Verfügung. Die Deutsche Bahn führt laut Mitteilung vor Ort gerade Instandhaltungsarbeiten aus. Seit Montag (11. 7.) sollte deshalb eh nur „etwa ein Viertel der Zugverbindungen der Linie MEX 13 Stuttgart — Ellwangen/Crailsheim im Abschnitt Schorndorf — Ellwangen/Crailsheim“ fahren, bis einschließlich Donnerstag (14. 7.).

Aktuelle Fahrplanauskunft: „MEX 13 fährt zwischen Aalen und Schorndorf normal, zwischen Schorndorf und Stuttgart nur stündlich.“

Regionalbahnen auf der Murrstrecke

Auf der Murrstrecke lief es schon vor dem folgenschweren Kurzschluss an der Oberleitung vom Samstag nicht rund. Wegen eines defekten Stellwerks (Dauer der Reparatur bis mindestens 14. Juli) beginnen/enden Züge aus Richtung Schwäbisch Hall-Hessental in Backnang (vereinzelt in Cannstatt). Es wird geraten, stattdessen die S 3 über Waiblingen und Winnenden oder die S 4 über Marbach zu nutzen.

Zudem war es in den vergangenen Monaten auf der Murrstrecke bereits kontinuierlich zu „starken Zugausfällen oder reduzierter Leistung“ gekommen, wie es Dieter Zahn (Sulzbach an der Murr) zusammen mit den Bürgermeistern anderer Murrtalgemeinden in einem Beschwerdebrief an die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg und die Region Stuttgart vom 8. Juli ausdrückte. Der Backnanger SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber hat am selben Tag an den Bevollmächtigten der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, Torsten Krenz, geschrieben: „Auf der Murrbahn kommt es in den letzten Wochen leider wieder häufiger zu empfindlichen Störungen im Personennahverkehr. Mal funktionieren Weichen nicht, mal sind Signalanlagen defekt, mal fallen Triebwagen aus und Züge fahren nur in Einfach- statt der vertragsgemäßen Doppeltraktion.“

Und nun also noch die zusätzlich eingeschränkten Gleiskapazitäten durch den Schaden vom Samstag (9. 7.): „Die MEX 19/90 entfällt weitgehend zwischen Backnang und Stuttgart“, so die Mitteilung.

So verkehren die S-Bahnen S 2 und S 3

Bis mindestens Donnerstag (14. 7.) verkehren die S-Bahnen im Raum Stuttgart nur noch im 30-Minuten-Takt. Betroffen davon sind auch die S 2 Schorndorf – Filderstadt sowie die S 3 Backnang – Vaihingen und die S 4 Backnang – Schwabstraße. Angaben ohne Gewähr! Der VVS empfiehlt Fahrgästen, die Verbindung vor Fahrtantritt über die elektronische Fahrplanauskunft unter vvs.de oder über die VVS-App zu überprüfen. Die Fahrplanänderungen sind dort vier Stunden vor Abfahrt abrufbar. Sie werden per Echtzeitinformation eingespielt. Ob und wie die Züge fahren, erfahren Reisende über www.bahn.de/reiseauskunft.

Frühestens ab Donnerstag (14.7.) könnte der Bahnverkehr im Raum Stuttgart wieder normal laufen. Bis dahin brauche das Technikerteam, um die durch einen Kurzschluss an einer Oberleitung im Gleisbereich der Rosensteinstraße im Nordbahnhofviertel verursachten Schäden in der Sicherungstechnik des Bahnknotenpunktes Stuttgart wieder zu beheben. Warum die Pendler auf Murr- und Rems-Trasse derweil besonders leidgeplagt sind.

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