Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Polizei reagiert auf die Krawallnacht in  Stuttgart: „Das macht uns alle betroffen“

Krawalle in Stuttgart
Erschreckende Szenen in Stuttgart. © Simon Adomat

Einige Polizisten aus dem Rems-Murr-Kreis waren am Wochenende bei den Krawallen in Stuttgart im Einsatz. Auch die langgedienten unter ihnen werden vermutlich etwas Zeit brauchen, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Vergleichbares haben sie in vielen Jahren Polizeidienst noch nie erlebt, berichtet Polizeisprecher Holger Bienert aus Gesprächen mit den Kollegen. Beispiellose Randale, Verwüstungen, Gewalt – es sind erschreckende, zutiefst verstörende Bilder aus der Krawallnacht.

„Das macht uns alle betroffen. Wir leiden mit den Verletzten mit“, sagt Markus Jatzko, der Leiter des Schorndorfer Polizeireviers. Auch aus Schorndorf waren Beamte in der Nacht auf Sonntag dem Alarmruf aus Stuttgart gefolgt.

Widerstand: "Leider unser täglich Brot"

Stuttgart ist eine Großstadt, in Stuttgart herrschen ganz andere Verhältnisse als in Waiblingen und Schorndorf. Doch hier wie dort nimmt Respektlosigkeit zu, und Widerstandshandlungen, nur als Beispiel, „sind leider unser täglich Brot mittlerweile“, sagt Markus Jatzko, Revierleiter in Schorndorf. Dort stehen noch diese Woche Demos an; und in der Vorbereitung darauf spielen die Bilder aus Stuttgart vielleicht unterschwellig eine Rolle. Dennoch: Für Schorndorf „kann ich keinen unmittelbaren Bezug sehen“, sagt Markus Jatzko.

In der Stadt gab’s indes in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Ärger mit jungen mutmaßlichen Straftätern. Besonders rund um den Bahnhof war es Ende 2019 gehäuft zu Straftaten im öffentlichen Raum gekommen. Seit einiger Zeit „ist es ruhiger geworden“ – aus einem einfachen Grund: Drei Jugendliche, laut Polizei die Haupträdelsführer, wurden Ende April verhaftet. Ihnen werden Raubdelikte, Körperverletzungen und Diebstähle zur Last gelegt. Für zwei 17-Jährige und einen 15-Jährigen wurde seinerzeit U-Haft angeordnet.

Aktuell keine Auswirkungen auf Einsatzpläne

Unterdessen arbeitet man in Stuttgart die Ereignisse auf. Das Polizeipräsidium Aalen, das für den Rems-Murr- und den Ostalbkreis sowie für Schwäbisch Hall zuständig ist, sieht laut Holger Bienert momentan keinen Anlass, aktuelle Planungen zu verändern. Bei Krawallen in diesem Ausmaß wie jetzt in Stuttgart oder bei anderen großen Einsatzlagen greifen polizeiintern bestimmte Ketten von Alarmierungen. Im Führungs- und Lagezentrum wird entschieden, wie zu reagieren ist, ob und welche Kräfte man loseisen und an den Ort des Geschehens schicken kann.

Aktuell ist das Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Aalen noch in Waiblingen ansässig. Der Umzug nach Aalen ist für November dieses Jahres vorgesehen.

Hemmschwelle schwindet zusehends

Polizeipräsident Reiner Möller weist seit langem darauf hin, dass Gewalt gegen Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte seit Jahren immer mehr zunimmt. Noch vor den Vorfällen in Stuttgart hatte Möller in einer Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung berichtet, „die Hemmschwelle, gewaltsam gegen die Ordnungshüter vorzugehen, schwindet zusehends“. – „Ob auf Volksfesten, Innenstädten, bei häuslicher Gewalt oder einfach auf der Straße: Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungssanitäter sehen sich immer häufiger körperlicher Gewalt ausgesetzt. Dies ist für meine Kolleginnen und Kollegen nicht nur physisch, sondern auch psychisch sehr belastend.“

Wer die Pressemeldungen der Polizei verfolgt, dem fällt seit langem auf, dass Gewalt gegen Polizisten sehr häufig thematisiert wird. Allein diese Woche gab’s mehrere Fälle dieser Art: In Winnenden und in Welzheim wollten sich Personen Kontrollen entziehen. Zwei Männer versuchten zu fliehen, wurden gefasst und wehrten sich heftig gegen ihre Festnahme.

Vorfälle offensiv öffentlich machen

Reiner Möller steht voll und ganz hinter der Entscheidung, solche Vorfälle offensiv öffentlich zu machen. Bürger hätten ein Anrecht zu erfahren, „welchem Gewaltpotenzial Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten ausgesetzt sind und welche rechtlichen Sanktionsmittel eingeleitet sind. Denn besonders auch dieser Umstand kann zum allgemeinen Sicherheitsgefühl positiv beitragen.“

Es liegt in der Natur der Sache, dass schlimmen Ereignissen wie jetzt in Stuttgart große Aufmerksamkeit zuteilwird. Positive Alltagserlebnisse schaffen es selten bis nie in die Schlagzeilen. Doch es gibt sie, nicht nur jetzt nach den Vorfällen in Stuttgart – Solidaritätsbekundungen mit der Polizei, Positiv-Feedback, erzählt Markus Jatzko. Sein Resümee: „Wir haben Vertrauen in der Bevölkerung. Das Vertrauen der Bürger in die Polizei ist enorm wichtig.“

Einige Polizisten aus dem Rems-Murr-Kreis waren am Wochenende bei den Krawallen in Stuttgart im Einsatz. Auch die langgedienten unter ihnen werden vermutlich etwas Zeit brauchen, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Vergleichbares haben sie in vielen Jahren Polizeidienst noch nie erlebt, berichtet Polizeisprecher Holger Bienert aus Gesprächen mit den Kollegen. Beispiellose Randale, Verwüstungen, Gewalt – es sind erschreckende, zutiefst verstörende Bilder aus der Krawallnacht.

„Das macht

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