Rems-Murr-Kreis

Remstalkellerei ist Betrüger aufgesessen

Remstalkellerei ist Betrüger aufgesessen
Die Remstalkellerei hat mit der nun öffentlich gewordenen „Goldbarren-Affäre“ ein Imageproblem mehr. © Joachim Mogck

Weinstadt.
Paukenschlag bei der Generalversammlung der Remstalkellerei am Donnerstagabend: Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Werner Schaal aus Beutelsbach musste auf Nachfrage aus dem Publikum ein Gerücht in Teilen bestätigen: Ja, die Remstalkellerei hat 2017 Goldbarren an einen vermeintlichen Geschäftspartner übergeben, der sie annahm und damit auf Nimmerwiedersehen verschwand.

Daraufhin verwehrten am Ende der Versammlung die Mitglieder im Zuge einer langwierigen geheimen Einzelabstimmung allen Vorständen und Aufsichtsräten der Wengerter-Genossenschaft die Entlastung für das Geschäftsjahr 2018. Rücktritte der Vorstände und der Aufsichtsräte rund um Thomas Lenz (Schnait) waren die Folge. Nur Rüdiger Borck (Kernen) signalisierte, sein Amt als Aufsichtsrat behalten zu wollen. Neuwahlen der Führungsgremien müssen nun in einer Fortsetzungsversammlung im Februar oder März abgehalten werden.

„Fakt ist, dass man (vor seiner Zeit, Anm. der Red.) in der Hoffnung auf ein großes Exportgeschäft 2017 einem Betrüger aufgesessen ist“, bestätigte Remstalkellerei-Geschäftsführer Peter Jung am Freitag auf Nachfrage. „So hat man einem vermeintlichen Geschäftspartner im Zuge einer angeblichen Geschäftsanbahnung eine Provision in Form von Goldbarren zukommen lassen.“ Dieser Vorfall sei damals aber umgehend dem Aufsichtsrat und dem Prüfungsverband mitgeteilt worden. „Die entstandenen Verluste wurden bereits in der Bilanz für 2017 verbucht“. Über weitere Details wollte Peter Jung keine Auskünfte erteilen. Sehr wahrscheinlich, weil die Lage auch rechtlich heikel ist.

Ein Sprecher des prüfenden Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes (BWGV) hielt sich bedeckt: „Wir dürfen uns zu Themen dieser Art nicht außerhalb von Prüfungsberichten äußern.“

Goldbarren im Wert von circa 35 000 Euro als Provision überreicht 

Werner Schaal, am Freitag von dieser Zeitung befragt, sagte: „Ich bin bei dem Vorgang damals 2017 auch nicht dabei gewesen. Zudem ist das ein laufendes Verfahren. Deshalb möchte ich dazu nicht mehr sagen. Ob ich mich zur Wiederwahl als Vorstand stelle, weiß ich jetzt noch nicht. Das muss ich mir noch überlegen.“

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht auf die Nachfrage, ob eventuell schon ein rechtliches Verfahren anhängig ist.

Nach offiziell unbestätigten Informationen handelte es sich um Goldbarren im Wert von circa 35 000 Euro, die mindestens ein damaliges Vorstandsmitglied 2017 einem lettischen Mittelsmann als Provision überreicht haben soll, weil dieser ein „Riesengeschäft“ mit einem Scheich vermitteln wollte und sollte. Der Lette machte sich mit den Goldbarren über alle Berge und das versprochene Geschäft kam nicht zustande. Wie das damalige Remstalkellerei-Vorstandsgremium an die Goldbarren gelangte, ob sie einfach gekauft wurden, weil der vermeintliche Mittelsmann lieber Gold als Geld wollte, ist völlig unklar.

Schwieriges Marktumfeld und Image-Probleme

Dass diese Affäre nun öffentlich wird, kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Die Remstalkellerei befindet sich schon seit einigen Jahren in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Der im August 2018 als hauptamtlicher Geschäftsführer angetretene Peter Jung – der Posten war jahrelang vakant gewesen – ging auf Konsolidierungskurs und senkte das „Traubengeld“, also die Auszahlung pro Kilogramm abgelieferte Trauben an die Wengerter. Das brachte viele Genossenschaftsmitglieder auf die Barrikaden.

Einige Wengerter gaben daraufhin ihre Weingärten auf beziehungsweise verpachteten diese weiter. Zwei Ortsgenossenschaften strengen den Austritt aus der Remstalkellerei eG an: die WG Stetten bis Ende 2020 und die WG Korb und Steinreinach bis Ende 2021.

„Wir verstehen den Unmut vieler Mitglieder. Aber wir befinden uns in einem schwierigen Marktumfeld“, so Peter Jung und Heike Schacherl am Freitag. Bei einem Treffen mit den Vorständen und Aufsichtsräten der Ortsgenossenschaften vor knapp zwei Wochen sei die Stimmung dennoch deutlich „pro Remstalkellerei“ gewesen. „Es wird kein einfacher Weg sein, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Es muss aber auch klar sein, dass man die Effekte einer Konsolidierung nicht von heute auf morgen sieht“, so Peter Jung.

Imageprobleme der Marke Remstalkellerei

Das Szenario, dass die Remstalkellerei ihr teueres, 1,3 Hektar großes Kellerei-Gelände in Beutelsbach aufgibt und die Weine bei der Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) ausbauen lässt, sei nur eines von vielen gewesen. Quasi der „Worst Case“ – der schlimmste Fall, der nicht zwangsläufig eintreten müsse und der den Mitgliedern im Auftrag der Mitglieder im Rahmen einer Szenario-Analyse dargelegt worden sei. „Wir waren beauftragt, eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten zu erwägen und zu erläutern“, so Jung.

Heike Schacherl hat schon einige Zeit vor der Generalversammlung „aus persönlichen Gründen“ als Vorstand aufgehört und ist wieder als „normale Angestellte“ im Personal- und Rechnungswesen der Remstalkellerei engagiert. Sie und Jung beobachten die Imageprobleme der Marke Remstalkellerei „vor allem rund um den Kirchturm“, also hier bei uns, mit Sorge.

„Zum Beispiel ist unser neues Produkt ‘Das Vorspiel’, ein Dornfelder Rosé, der erste Wein des Jahrgangs 2019, in Schleswig-Holstein ein großer Erfolg – aufgrund intensiver Marketingmaßnahmen. Auch im Allgäu sind unsere Verkaufszahlen sehr gut“, sagt Jung. Dabei müsse sich die Remstalkellerei, was die Qualität und die Preise angeht, doch eigentlich auch im heimischen Remstal keinesfalls verstecken.

Weinstadt.
Paukenschlag bei der Generalversammlung der Remstalkellerei am Donnerstagabend: Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Werner Schaal aus Beutelsbach musste auf Nachfrage aus dem Publikum ein Gerücht in Teilen bestätigen: Ja, die Remstalkellerei hat 2017 Goldbarren an einen vermeintlichen Geschäftspartner übergeben, der sie annahm und damit auf Nimmerwiedersehen verschwand.

Daraufhin verwehrten am Ende der Versammlung die

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