Rems-Murr-Kreis

Remstalkellerei: Martin Kurrle kommt als Joker – warum das hochinteressant ist

Remstalkellerei
Neuigkeiten aus der Remstalkellerei. © Benjamin Büttner

Schwer was in Bewegung bei der Remstalkellerei: Der Umzug von Beutelsbach nach Grunbach scheint mehr oder wenig festzustehen (wir berichteten) – und nun sieht es so aus, als bekomme die Genossenschaft endlich wieder einen technischen Betriebsleiter, einen exquisiten obendrein ...

Die Nachricht ist durchgesickert, weil die Mitglieder der Stuttgarter Genossenschaft Collegium Wirtemberg ein Informationsschreiben erhalten haben: Chef Martin Kurrle, 57, geht. „Unser langjähriger geschäftsführender Vorstand Martin Kurrle verlässt aus persönlichen Gründen und auf eigenen Wunsch das Collegium Wirtemberg . . .“, heißt es in dem Brief, verfasst von Vorstand und Aufsichtsrat der Weingärtnergenossenschaft.

„Remstalkellerei-Mitglieder wissen Bescheid"

„Martin Kurrle wird spätestens zum Februar 2023 leitender Önologe und technischer Betriebsleiter bei uns“, bestätigt Peter Jung, Geschäftsführender Vorstand der Remstalkellerei. „Unsere Mitglieder haben wir informiert, wollten mit der Info aber nicht proaktiv zuerst an die Öffentlichkeit, aus Respekt vor den Kollegen des Collegiums Wirtemberg, für die der Weggang Herr Kurrles ein riesiger Einschnitt bedeutet.“

Die Stelle des Betriebsleiters in der Remstalkellerei ist bereits einige Zeit vakant gewesen. Nach dem verdienten Ruhestand von Manfred Wipfler, hatte Jens Bolte 2017, der vorher für die Produkt- und Qualitätssicherung in der Remstalkellerei zuständig gewesen war, den Posten des Betriebsleiters übernommen. Bolte verließ den Posten dann „aus verschiedenen Gründen“, wie Jung sagt. Womöglich aus Kostengründen, zumal die Zukunft der Remstalkellerei ungewiss war und Peter Jung sie auf einen neuen Kurs bringen wollte und nunmehr bringt.

Ein Neuer für die Remstalkellerei: Wer Martin Kurrle ist

Kurrle genießt beim Collegium Wirtemberg einen hervorragenden Ruf. Das Collegium entstand 2007 als Zusammenschluss der beiden Stuttgarter Weingärtnergenossenschaften Rotenberg und Uhlbach und hat sich unter Kurrles Führung bestens entwickelt. Die Weinreben des Collegium Wirtemberg wachsen auf einer Fläche von insgesamt 150 Hektar. Beim Rotwein liegt der Schwerpunkt auf Trollinger, Lemberger und Spätburgunder, beim Weißwein spielt Riesling die erste Geige. Der jährliche Ertrag liegt bei rund 1,3 Millionen Litern Wein.

Kurrle, der Weinbau und Önologie (Kellerwirtschaft) studiert hat, glänzte beim Collegium als Multitalent: als Kellermeister, aber auch als entscheidende Kraft in Vertrieb und Vermarktung. Nun, heißt es im Infoschreiben des Collegiums, wolle er sich „neuen beruflichen Herausforderungen stellen“. Konkret: Bei der Remstalkellerei soll Kurrle voraussichtlich im neuen Jahr anfangen, offenbar als leitender Önologe und technischer Betriebsleiter.

Für die Remstalkellerei ist das eine hochinteressante Personalie. Denn ein Mann, der so viel Rückenwind mitbringt, darf durchaus als Hoffnungsträger gelten für eine kriselnde Genossenschaft, die einen epochalen Umbruch vor der Brust hat.

„Kurrle wird maßgebliche Rolle in der Remstalkellerei spielen“

Remstalkellerei-Geschäftsführer Peter Jung bestätigt: „Ein Mann wie Martin Kurrle mit jahrzehntelanger Erfahrung und profundem Fachwissen wird in unserer Weinproduktion und der Kellerwirtschaft selbstverständlich die maßgebliche Rolle spielen. Er wird dort unsere Nummer eins sein.“

Über Weinbauverbandstreffen und Ähnliches habe er schon länger Kontakt mit Kurrle gehabt, sagt Jung. „So erfuhren wir eben auch, dass er sich neue berufliche Herausforderungen vorstellen kann. Und jetzt mit dem Neuanfang in Grunbach ist die Zeit reif, den Posten des technischen Betriebsleiters wiederzubesetzen. Und er ist der absolut Richtige für den Posten. Die Remstalkellerei kann sich glücklich schätzen. Die eh schon hohe Qualität unserer genossenschaftlichen Weine wird mit Kurrle noch weiter steigen.“

Der Neuanfang belebt die Hoffnungen, nicht zuletzt der Mitgliedswengerter, dass die schwierigen Zeiten endlich vorübergehen.

Krise und Hoffnungen der Remstalkellerei

Ende 2018 wurde öffentlich, in welcher Not die Remstalkellerei steckte – in einem Brandbrief an die Mitglieder bezeichnete Geschäftsführer Peter Jung die wirtschaftliche Lage als „desaströs“. Das Traubengeld, der Lohn der harten Arbeit im Weinberg, lag schon seit vielen Jahren weit unter dem Durchschnitt in Württemberg und fiel für 2018 dann historisch niedrig aus.

Nebenbei wurde die Remstalkellerei auch noch Opfer eines Betrugs: 2017 kamen Leute, die sich als Vertreter einer lettischen Handelsgesellschaft mit Verbindungen in den zahlungskräftigen arabischen Raum ausgaben, und versprachen, Weinverkäufe in großem Stil vermitteln zu können. Dafür forderten sie von der Remstalkellerei eine Voraus-Provision in Form von Goldbarren im Wert von etwa 35.000 Euro, bekamen den Wunsch auch erfüllt – und verschwanden.

Momentan steht die Remstalkellerei am Scheideweg – es geht dabei aber auch um eine durchaus historische Chance: Das alte Kleinklein mit all den Ortsgenossenschaften und ihren je eigenen Keltern geht zu Ende, die Remstalkellerei, bislang angesiedelt in Beutelsbach, will nach Grunbach umziehen und dort eine zentrale Kelter bauen.

Der Plan stieß nicht überall auf Begeisterung. Während die Weinstädter Ortsgenossenschaften, Schorndorf und Remshalden erklärten, jeweils ihre eigene Traubenannahme aufzugeben und beim Zentralisierungsplan mitzumachen, scherten andere aus. Die Stettener Wengerter trennten sich Ende 2020 von der Remstalkellerei, die Korber hatten eigentlich auch schon auf Ende 2021 gekündigt und müssen nun wegen diverser Tücken im Genossenschaftsrecht zwar noch bis Ende 2023 dabeibleiben, werden dann aber wohl auch gehen.

Die Karten werden nun aber neu gemischt. Die Grunbacher Zentralkelter bietet eine Zukunftsperspektive; und Martin Kurrle könnte bei der Renaissance der Remstalkellerei der Joker werden.

Schwer was in Bewegung bei der Remstalkellerei: Der Umzug von Beutelsbach nach Grunbach scheint mehr oder wenig festzustehen (wir berichteten) – und nun sieht es so aus, als bekomme die Genossenschaft endlich wieder einen technischen Betriebsleiter, einen exquisiten obendrein ...

Die Nachricht ist durchgesickert, weil die Mitglieder der Stuttgarter Genossenschaft Collegium Wirtemberg ein Informationsschreiben erhalten haben: Chef Martin Kurrle, 57, geht. „Unser langjähriger

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