Rems-Murr-Kreis

Remstalkellerei zieht um: Prestigegewinn Remshalden, Imageverlust Weinstadt

Zukunftsstandort Remstalkellerei
Am Ortsrand von Grunbach in der Nähe des Weinguts Doreas wird die Remstalkellerei eine neue Heimat finden. © ALEXANDRA PALMIZI

Der neue Standort der Remstalkellerei steht mehr oder weniger fest – fort von Beutelsbach, rüber nach Grunbach, darauf wird es hinauslaufen. Wer gewinnt dabei? Und wer verliert womöglich?

Die Remstalkellerei scheint nach schweren Jahren, die bisweilen von Orientierungslosigkeit geprägt wirkten, derzeit unterwegs Richtung Neuanfang. Die Stelle des Betriebsleiters, längere Zeit unbesetzt, wird spätestens zum Februar 2023 Martin Kurrle übernehmen, der bislang in Stuttgart beim Collegium Wirtemberg arbeitete und als Koryphäe gilt. Und mit dem Umzug nach Grunbach geht es voran.

Remstalkellerei-Umzug: Noch ist nichts offiziell

Für Peter Jung, Geschäftsführer der Remstalkellerei, kommt die Anfrage, ob es in Sachen Standort Neues zu vermelden gebe, zwar etwas zu früh. Sei doch für Ende dieses Monats eine Mitgliederinformation geplant, so dass die Kellereiführung erst Anfang August mit weiteren Details an die Öffentlichkeit gehen könne. Das gebiete der Respekt vor den Mitgliedern. Aber: Das Bebauungsplanverfahren wird noch im Juli angestoßen. Der Remshaldener Gemeinderat befasst sich laut Bürgermeister Reinhard Molt am 25. Juli erstmals öffentlich mit dem Vorhaben. Dem auch deswegen nichts im Wege steht, weil, wie Peter Jung auf Nachfrage bestätigt, der Grunderwerb für die Ansiedlung der neuen Remstalkellerei am Grunbacher Ortsrand in Richtung Großheppach so gut wie abgeschlossen ist.

Für Remshalden, daraus macht Reinhard Molt keinen Hehl, bedeutet die Ansiedlung einen Prestigegewinn. Umgekehrt räumt der Weinstädter Baubürgermeister Thomas Deißler freimütig ein, dass der Weggang der Remstalkellerei für Weinstadt einen Imageverlust darstellt. Nachdem Weinstadt nun einmal Weinstadt heiße, sei die Kellerei ein wichtiger Identitätsfaktor (gewesen).

Bis zum Umzug könnte es noch ein paar Jahre dauern

Er verstehe gut, sagt Deißler, dass eine Um- und Neustrukturierung des Betriebs für die Remstalkellerei existenziell sei und dass es dafür einen exzellenten Standort brauche – und den habe das Unternehmen in Grunbach mit den Weinbergen im Rücken und der B 29 vor der Haustüre gefunden.

Thomas Deißler wird sich nun darauf konzentrieren, gemeinsam mit dem Gemeinderat die Chance zu nutzen und das derzeitige Kellerei-Areal in Form eines Wohnbaugebietes neu zu entwickeln. Gemeinsam mit der Remstalkellerei sei bereits ein Investoren- beziehungsweise Planungswettbewerb durchgeführt worden, über dessen Ergebnisse er vorläufig nur so viel sagen könne, dass die Planungsansätze sehr unterschiedlich seien. Übertriebene Eile ist aus Sicht des Baubürgermeisters nicht geboten, denn bevor konkret an eine Neubebauung des Areals in Beutelsbach gedacht werden könne, müsse sich die Remstalkellerei erst einmal endgültig aus Weinstadt verabschiedet haben. Und das, so Thomas Deißler, „dauert sicher noch einige Jahre“. Zumal Bauen derzeit - Stichwort: Lieferketten - „ein Abenteuer wie noch nie“ sei.

Remstalkellerei kooperiert mit „versierter Architektin“

Derweil verfolgt die Remstalkellerei Peter Jung zufolge das klare Ziel, im kommenden Jahr mit dem Neubau anzufangen. Der Geschäftsführer rechnet mit einer Bauzeit von zweieinhalb bis drei Jahren, wobei er sich gut vorstellen könnte, dass der Neubau in zwei Bauabschnitten realisiert wird. Würde heißen, dass die Kellerei am neuen Standort in Betrieb geht, während die Lagerlogistik und der Verkauf noch am alten Standort verbleiben.

Auch dass es bereits Vorstellungen gibt, wie die neue Remstalkellerei aussehen könnte, lässt sich der Geschäftsführer entlocken. „Wir arbeiten mit einer versierten Architektin aus dem landwirtschaftlichen Umfeld zusammen, die schon mehrere Kellereien gebaut hat“, sagt er, verweist aber ansonsten auf die bevorstehende Mitgliederversammlung.

An Remshalden, versichert Bürgermeister Molt, soll ein Baubeginn im kommenden Jahr nicht scheitern. Wiewohl es außer einem Bebauungsplan auch eine Ausweisung des neuen Standorts als Sondergebiet im Flächennutzungsplan, weitergehende Untersuchungen etwa zum Boden- und Lärmschutz und eine Konzeption, wie das Areal von der Kreisstraße her erschlossen werde, brauche. All das gehe kostenmäßig zulasten des Vorhabensträgers, also der Remstalkellerei, betont Reinhard Molt, der allerdings planerisch nicht mit besonderen Erschwernissen rechnet, weil es sich bei dem Standort um eine Fläche handle, die bezüglich ihres Naturpotenzials nicht besonders problematisch sei. „Wir wollen das Thema Kellerei forcieren, auch im Interesse der eigenen Anbaugebiete“, sagt Molt, der eine Gebäudeanordnung erwartet, die einerseits gut sichtbar in Erscheinung tritt und die sich andererseits terrassenförmig den Hang herunterentwickelt, so dass sie nicht zu massiv wirkt und das seitlich davon oberhalb platzierte Weingut Doreas nicht zu sehr in den Hintergrund drängt.

Und was sagt das Weingut Doreas dazu?

Er glaube, dass das Weingut Doreas von der neuen Konstellation sogar profitieren könne, sagt Reinhard Molt – und Wengerter Andreas Ellwanger, der das Weingut zusammen mit seiner Frau Dorothee betreibt, will dieser Einschätzung zumindest nicht grundsätzlich widersprechen. Natürlich wäre ihm ein anderer Standort für die Remstalkellerei lieber gewesen, aber große Nachteile befürchte er nicht, zumal er sich mit Blick auf das Sichtfeld nicht beeinträchtigt fühle, sagt Ellwanger und verweist auf ein mittlerweile durchaus entspanntes Verhältnis der Remshaldener Selbstvermarkter zur Remstalkellerei. Das lasse sich daran ablesen, dass es seit Anfang Juni jeweils am ersten Freitag des Monats von 17 bis 22 Uhr einen Remshaldener After-Work-Weintreff in der Location Zamma in Geradstetten gibt, wo jeweils drei Weingüter ihre Weine vorstellen und ausschenken. Außer den Weinerzeugern Häfner, Doreas, Sterneisen, Mayerle, Engelhorn, Knauer und Seybold sei dabei auch der Weinbauverein Remshalden und damit die Remstalkellerei vertreten.

Warum eine östlichere Standortvariante verworfen wurde

Überlegungen für einen anderen Standort auf Remshaldener Markung habe es durchaus gegeben, sagt Bürgermeister Reinhard Molt – die erste Idee der Remstalkellerei sei es gewesen, sich um die bestehende Kelter am anderen Grunbacher Ortsrand, also dem in Richtung Geradstetten, neu aufzustellen. Wogegen aber zweierlei gesprochen habe: Zum einen stehe bereits das derzeitige Domizil des Weinbauvereins in der mittlerweile ausgewiesenen Grünzäsur, die laut Regionalplan nicht weiter angetastet werden dürfe. Zum anderen wäre eine solche Standortwahl zulasten des im Zuge der Remstal-Gartenschau entstandenen Bürgerparks gegangen, der, so Molt, „Remshalden weit nach vorne gebracht“ habe.

Mit Blick auf zu erwartende schwierige Grundstücksverhandlungen und die enge und damit problematische Nachbarschaft zur Wohnbebauung Welfenstraße sei auch die Idee verworfen worden, die Verwaltung der Remstalkellerei auf dem vorhandenen Areal des Weinbauvereins unterzubringen und den Kellereibetrieb auf der anderen Seite unterhalb der Kreisstraße.

So verlagerte sich der Suchlauf dann auf den westlichen Ortsrand von Grunbach – einen Standort, mit dem auch die Weinstädter einigermaßen gut leben können.

Der neue Standort der Remstalkellerei steht mehr oder weniger fest – fort von Beutelsbach, rüber nach Grunbach, darauf wird es hinauslaufen. Wer gewinnt dabei? Und wer verliert womöglich?

Die Remstalkellerei scheint nach schweren Jahren, die bisweilen von Orientierungslosigkeit geprägt wirkten, derzeit unterwegs Richtung Neuanfang. Die Stelle des Betriebsleiters, längere Zeit unbesetzt, wird spätestens zum Februar 2023 Martin Kurrle übernehmen, der bislang in Stuttgart beim Collegium

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