Rems-Murr-Kreis

Rentner-Abzocke: Zehntausende Euro Schaden im Rems-Murr-Kreis und im Nachbarkreis

Vorsicht Abzocke
Telefonbetrug nimmt solche Ausmaße an, dass die Polizei zu ungewöhnlichen Mitteln greift und auch schon auf Bäckertüten gewarnt hat. © Benjamin Büttner

Ein aufmerksamer Bankmitarbeiter hat am Dienstag das Vermögen einer 82 Jahre alten Frau gerettet. Die Rentnerin erhielt einen Anruf: Ein Mann, der vorgab, ihr Enkel zu sein, erklärte ihr, dass seine Mutter – also ihre Tochter – einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe. Dann wurde das Gespräch weitergegeben, ein vermeintlicher „Polizeibeamter“ übernahm. Dieser behauptete, dass die Rentnerin 25.000 Euro Kaution hinterlegen müsse, um die Untersuchungshaft für ihre Tochter abzuwenden. Die Seniorin ging zu ihrer Bank und wollte das Geld abheben. Glücklicherweise erkannte der Bankmitarbeiter den Betrugsversuch, verweigerte die Auszahlung und verständigte die Angehörigen der Frau.

Achtung: Die echte Polizei ruft nie an und verlangt am Telefon kein Geld

Die Polizei warnt eindringlich: Zurzeit kommt es sehr häufig zu solchen Betrugsversuchen. Von der Polizeidirektion Aalen heißt es ausdrücklich: „Die echte Polizei ruft in solchen Fällen nie an!“ Bei Unfällen, gar tödlich ausgegangenen Unglücken, komme die Polizei höchstens persönlich vorbei. Die Polizei wolle auch kein Geld – niemals. Sie frage auch niemals nach den Vermögensverhältnissen, nach Bankdaten oder Wertsachen. Wenn es im Zusammenhang mit einem Unfall zu Geldforderungen kommen sollte, werde das den Betroffenen schriftlich in einem Brief – einem richtigen, analogen Brief aus Papier – mitgeteilt. Es rufe auch niemals ein Staatsanwalt oder Richter an und verlange eine Geldzahlung.

Seniorinnen und Senioren, so der Rat der Polizei, sollen Telefonate immer sofort abbrechen, wenn von ihnen am Telefon Geld verlangt wird, oder wenn Bankdaten abgefragt werden, mit denen Unbefugte Zugriff aufs Konto bekommen können. Auch wenn vom Anrufer verlangt wird, den Zugriff auf den Computer möglich zu machen, ist äußerste Vorsicht angesagt!

Am Mittwoch, 2. Februar, hatte ein 77 Jahre alter Rentner 14.000 Euro verloren, weil er auf einen angeblichen Microsoft-Mitarbeiter hereingefallen war. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erlangte der Anrufer Fernzugriff auf den PC und das Handy des Mannes und verschaffte sich damit Zugang zum Online-Banking. Kurz nach den Telefonaten stellte der Mann fest, dass sein Konto abgeräumt worden war.

Firmen wie Microsoft werden nie von sich aus bei Kunden anrufen

Auch hier gilt: Wie die Polizei rufen auch seriöse Firmen wie Microsoft nicht unaufgefordert an. „Sollte sich ein Servicemitarbeiter bei Ihnen melden, ohne dass Sie darum gebeten haben: Legen Sie einfach den Hörer auf!“ Bankkonto- oder Kreditkartendaten oder Zugangsdaten zu Kundenkonten wie zum Beispiel PayPal dürfen niemals am Telefon herausgegeben werden.

Unbekannte Anrufer dürfen auch niemals Zugriff auf Rechner oder Mobiltelefon bekommen. Niemals darf jemand, der einfach aus dem Nichts heraus anruft, eine Fernwartungssoftware installieren und die entsprechenden Codes bekommen.

Und es gibt noch weitere Fallstricke: Innerhalb weniger Stunden kamen beispielsweise auf dem E-Mail-Account der Redaktion zwei Mails an, die eine Betreffzeile hatten, die jeden Menschen aufschrecken und neugierig werden lassen. Eine Betreffzeile, die versucht, die Menschen direkt dazu zu bringen, die Mail zu öffnen und eingebettete Links anzuklicken: „Änderung Ihres Kontos“. „Phishing“ nennt man diese Methode. Der Absender scheint in solchen Fällen ganz seriös zu sein. Bei diesen zwei Beispielen war einmal die VR-Raiffeisenbank angegeben, einmal der Volksbank-Kundendienst. Erst ein genauer Blick auf die Absender-Mail-Adresse zeigt: Hier kann irgendwas nicht stimmen. Vorsicht: Wer diese Mails öffnet, wer Links in solchen Mails anklickt, womöglich PIN und TAN angibt, tut sich, seinem Computer und seinem Bankkonto nichts Gutes.

Online-Banking-Daten sind tabu: Geben Sie PIN und TAN nie heraus

Ein 69 Jahre alter Mann aus Aalen verlor im Januar etwa 90.000 Euro. Aalen ist gerade mal einen Steinwurf vom Rems-Murr-Kreis entfernt und Betrüger halten sich nicht an Kreisgrenzen. Was diesem Mann passiert ist, kann genauso gut jemandem im Rems-Murr-Kreis passieren. Unbekannte hatten, vermutlich genau über eine solche Phishing-Mail, widerrechtlich Zugriff auf das Online-Banking des Mannes erlangt und dabei in dessen Namen die Aktivierung eines Sicherheitsverfahrens zur Freigabe von Transaktionen beantragt. Unmittelbar danach, teilt die Polizei mit, meldeten sich die Täter telefonisch bei dem Kunden und gaben sich als Bankmitarbeiter aus. Hier kamen also Phishing-Mail und Telefonbetrug zusammen. „Durch geschickte Gesprächsführung“, teilt die Polizei mit, brachten die Betrüger den Mann dazu, eine Sicherungs-TAN zu aktivieren. Sie behaupteten, es müsse im Rahmen einer neu geänderten Sicherheitsbestimmung eine angebliche Pflichtumstellung vorgenommen werden. Innerhalb von zwei Tagen kam es nun zu diversen Zahlungseingängen und anschließend zu Abbuchungen von sämtlichen Konten der Familie.

Ein aufmerksamer Bankmitarbeiter hat am Dienstag das Vermögen einer 82 Jahre alten Frau gerettet. Die Rentnerin erhielt einen Anruf: Ein Mann, der vorgab, ihr Enkel zu sein, erklärte ihr, dass seine Mutter – also ihre Tochter – einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe. Dann wurde das Gespräch weitergegeben, ein vermeintlicher „Polizeibeamter“ übernahm. Dieser behauptete, dass die Rentnerin 25.000 Euro Kaution hinterlegen müsse, um die Untersuchungshaft für ihre Tochter abzuwenden. Die

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