Rems-Murr-Kreis

Repräsentant fürs Land: Bloksma Engineering, Betrieb aus Urbach, in Chicago

Bloksma
Damit der Rücken nie wehtut: Dirk Bloksma zeigt eines der insgesamt 2300 verschiedenen Hebegeräte. © Alexandra Palmizi

Über 2400 Aussteller aus der ganzen Welt – und Bloksma Engineering aus Urbach ist dabei. Dabei auf der riesigen IMTS in Chicago, der Messe für „Fertigungstechnologie“. Unter dem Begriff kann sich der Nicht-Fachmann zwar nicht richtig was vorstellen. Aber dass es für Dirk Bloksma echt der Hammer ist, dass die Landesregierung ihn, den nicht so sehr großen Mittelständler, der seinem Urbach treu bleibt, für den Landespavillon will, das ist klar.

Gäbe es plötzlich keine Bloksma-Produkte mehr, stünden viele Bänder still

Dirk Bloksma und sein Team sorgen dafür, dass bei anderen Unternehmen die Arbeit leichter läuft. Dass sich keiner das Kreuz verhebt. Dass die Kisten dorthin rollen, wo sie hingehören. Dass die Produkte keine Kratzer kriegen und die Ware im Laster bleibt, wo sie hingehört. Würden durch einen fiesen Zauber alle Bloksma-Produkte aus den Montagehallen ihrer Kunden – sie bleiben ungenannt, sie sind auf jeden Fall namhaft – verschwinden, stünden dort die Bänder still. Dirk Bloksma und sein Team sind so gut, dass das baden-württembergische Wirtschaftsministerium das Unternehmen dabeihaben will: Es geht nach Chicago auf die IMTS, die „International Manufacturing Technology Show“. Sie findet statt im größten Messe- und Veranstaltungszentrum Nordamerikas, im McCormick Place, und dauert sechs Tage. Fast 130 000 Besucher waren im Jahr 2018 vor Ort – 2020 machte Corona das Ganze unmöglich. Jetzt soll’s wieder losgehen, und das Remstal ist vor Ort. „Wir fühlen uns total geehrt“, schreibt Dirk Bloksma. Denn er repräsentiert damit, zusammen mit acht weiteren Unternehmen, sein Bundesland.

Ein Familienbetrieb in vierter Generation

Dirk Bloksma leitet sein Unternehmen in vierter Generation. Und wie er durch seine kleine Ausstellung federt und dabei Begeisterung versprüht, ist klar: Hier wirkt der heimische Tüftlergeist, hier arbeitet ein schwäbischer Daniel Düsentrieb, der für jedes Problem eine Lösung findet. Mit der’s freilich nicht getan ist, denn jede Lösung kann bis zur Perfektion verbessert werden. Wobei nicht für jeden Kunden dasselbe perfekt ist: Der eine will das Montagesystem, durch das Kisten mit Bauteilen zum Monteur gelangen, vollelektronisch mit Motor, Fernbedienung, Lichtschranke, Barcodes und Scanner. Der andere will zwar genau dieses Prinzip der Arbeitsplatzbelieferung. Aber ohne elektronischen Schnickschnack. Stattdessen, denn ergonomisch soll’s ja trotzdem sein, vielleicht mit einem Drehkreuzsystem, das die Kisten wie in einem Karussell zum Platz befördert.

Oder mit einem Fußhebel. Bestens zu bedienen und ganz ohne Strom. Nur so zur Orientierung: Von den Bloksma-Hebegeräten, also jenen Geräten, die Teile-Kisten oder sonstige Dinge an den richtigen Platz befördern, gibt es 2300 verschiedene Modelle.

Seit 1949 steht der Name Bloksma im Remstal für die Kunst, die Dinge zusammenzuschrauben. Wobei die Formulierung schon zeigt: Am Anfang waren’s keine Montagesysteme, die in der Werkstatt konstruiert wurden. Am Anfang widmete sich die Firma Bloksma den Autokühlern. Aber eigentlich gibt’s noch einen Anfang vor dem Anfang: Ganz ursprünglich nämlich stand die Firma Bloksma in Holland. Im Jahr 1920 war’s, als Dirk Bloksmas Uropa sein Unternehmen dort gründete – er war in Amsterdam daheim. Der Uropa reparierte zuallererst mal Milchkühler. Zu denen kamen ganz schnell auch Autokühler, Flugzeugkühler und Schiffskühler dazu. Der Opa stieg mit ein ins Geschäft, und mit ihm knüpfte sich die Verbindung ins Schwabenland. Der Opa nämlich heiratete eine Großheppacherin. Dann kam der Krieg. Der Opa war in Kriegsgefangenschaft. Die Oma war allein mit drei Kindern und ging aus Amsterdam zurück nach Großheppach. Der Opa kam nach – voilà.

Die allererste CNC-Koordinatenstanze Baden-Württembergs stand bei Bloksma

Dirk Bloksmas Vater Herman hatte irgendwann keine Lust mehr auf Autowerkstatt. Denn das war die Firma Bloksma letztlich eine lange Zeit. Er hatte aber gute Kontakte zur Industrie. Und stellte sich eines Tages die allererste CNC-Koordinatenstanze in die Halle. So was gab’s in Baden-Württemberg davor noch nicht. Weil Herman Bloksma diese Maschine auch nicht nur zur Produktion von Wohlbekanntem nutzte, sondern Ideen hatte, besetzte er Marktnischen. Seine selbst entwickelten Werkstückträger waren die Lösung für alle, die irgendwelche Teile kratzerfrei bis zur Montage oder zum Kunden bringen wollten. Ganz gleich, ob zierlichst oder riesengroß.

Inzwischen hat Dirk Bloksma Vertriebspartner in den USA, in Brasilien, Dänemark, Frankreich, Indien, Italien, Korea, Marokko, Mexiko und so weiter und so fort. In insgesamt 19 Ländern. Bayern sei nicht unterschlagen. Ja, und Russland, Dirk Bloksma holt tief Luft, Russland ist jetzt nicht mehr dabei.

Die Produkte von Bloksma, gibt Dirk Bloksma zu, sind, wenn man so darüber nachdenkt, völlig in sich schlüssig und deshalb schon fast banal. Aber er ist der Einzige am Markt. Er hat den Blick dafür, was den anderen fehlt, und macht was draus. Und darum wird er – „ich, als kleine Lampe“, das hat er ehrlich so gesagt – für „The Länd“ in Chicago dabei sein. Übrigens: nicht zum ersten Mal!

Über 2400 Aussteller aus der ganzen Welt – und Bloksma Engineering aus Urbach ist dabei. Dabei auf der riesigen IMTS in Chicago, der Messe für „Fertigungstechnologie“. Unter dem Begriff kann sich der Nicht-Fachmann zwar nicht richtig was vorstellen. Aber dass es für Dirk Bloksma echt der Hammer ist, dass die Landesregierung ihn, den nicht so sehr großen Mittelständler, der seinem Urbach treu bleibt, für den Landespavillon will, das ist klar.

Gäbe es plötzlich keine Bloksma-Produkte

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