Rems-Murr-Kreis

Rudersberg: Fensterhersteller Weru verliert das Werk in Salmtal

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Wie geht’s weiter mit Weru? Nach der Übernahme durch den dänischen Investor Dovista ist die Mitarbeiterzahl schon geschrumpft. © Ralph Steinemann Pressefoto

Weru ist ein beachtlicher Arbeitgeber in Rudersberg, ein wichtiges Unternehmen für den Rems-Murr-Kreis und andere Gegenden in Deutschland. Weru wurde an ein skandinavisches Großunternehmen verkauft – die Wettbewerbsbehörden genehmigten die Übernahme am 1. September. Jetzt sind einige Fragen zu klären – doch die Geschäftsleitung gibt sich ziemlich zugeknöpft. Was passiert gerade bei Weru?

Was bedeutet der Eigentümerwechsel für Weru? Gibt es eine Neuausrichtung? Was bedeutet der Verkauf für die Arbeitsplätze in Rudersberg und den beiden Produktionsstandorten im thüringischen Triptis und im rheinland-pfälzischen Salmtal? Drohen gar Schließungen? Bleiben die Marken Weru und Unilux erhalten? Und was wird mit der bisherigen Geschäftsleitung? Diese Fragen gingen so und so ähnlich schon mehrfach an den Weru-Geschäftsführer Stefan Löbich. Und dieser bat mehrfach um Geduld und Aufschub.

Weru-Geschäftsleitung: Zwei Sätze für die Öffentlichkeit

Eine kurze Information hat Stefan Löbich jetzt doch nach außen gegeben. Der erste Satz lautet: „Weru freut sich, dass mit Dovista ein strategisch langfristig ausgerichteter Investor gefunden wurde, welcher das Fenstergeschäft sehr gut versteht.“ Das ist ein sehr höfliches Statement, das Löbich als Geschäftsführer tatsächlich kaum anders formulieren kann. Der zweite Satz ist brisant: „Hierbei ist es klar, dass ein strategischer Investor Synergie-Potenziale in allen Bereichen ermitteln möchte, um Weru für die Zukunft sowohl in Rudersberg als auch am Standort Triptis stärker zu machen und nachhaltig zu entwickeln.“

Wo ist Salmtal in Rheinland-Pfalz abgeblieben?

Thomas Martin, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Waiblingen und zuständig für Weru, kann bislang die Geschehnisse bei Weru nur ungefähr einordnen. Er erklärt: Der Kauf von Weru sei für Dovista ein strategischer Zukauf gewesen. Tatsächlich hatte Dovista selbst in einer ersten Pressemitteilung bekanntgegeben, dass man mit Weru die eigene Präsenz in Deutschland ausweiten wolle. Das sei, sagt Martin, „sehr gut“ für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Weru. Doch drei Standorte seien „einer zu viel“.

Der Produktionsstandort Salmtal mit seiner Marke Unilux wurde an einen international tätigen Investor verkauft

Er hat recht und die Standortfrage ist inzwischen geklärt – auch wenn Geschäftsführer Stefan Löbich nicht explizit vom Aus für Salmtal schreibt. Die Öffentlichkeit im Rems-Murr-Kreis soll offenbar über diese Entwicklung nicht offensiv informiert werden. Ein Branchenportal jedoch verkündete schon Ende Oktober: „Kaum hat Dovista die Weru-Gruppe samt Unilux übernommen, hat die dänische Gruppe Unilux bereits weiterverkauft. Der Fensterhersteller aus Salmtal wurde im Rahmen einer sogenannten Carve-out-Transaktion an den Finanzinvestor Aurelius veräußert.“ Die Transaktion stehe wie üblich unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständigen Kartellbehörden, solle aber Ende dieses Jahres abgeschlossen werden.

Eine Carve-out-Transaktion ist eine Methode, die das Manager-Magazin folgendermaßen erklärt: „Beim Carve-out werden Unternehmensteile ausgegliedert, abgespalten und verkauft.“ Das Manager-Magazin schreibt auch vom „Trennungsschmerz der Desinvestition“. Allerdings könne sich das Verfahren auch für beide Seiten lohnen. Unilux, die zweite Weru-Marke, wurde also „herausgeschnitten“, das ist es, was das englische Wort bedeutet. Das Manager-Magazin illustriert die Erklärung mit einem Kuchen, dem ein Stück fehlt.

Beantwortet ist damit auch die Frage nach den Marken: Unilux ist für Weru Geschichte. Der Finanzinvestor Aurelius, der sich die Marke – um beim Kuchenstück zu bleiben – einverleibt hat, geht auf zwei McKinsey-Berater zurück, die das Unternehmen im Jahr 2006 gründeten. Inzwischen ist Aurelius laut Internetlexikon Wikipedia eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Grünwald bei München. Mit Büros in München, London, Stockholm, Madrid und Amsterdam sowie zahlreichen internationalen Konzerntöchtern sei Aurelius international tätig.

Wer will ausscheiden? Es laufe ein „Freiwilligenprogramm“

Wie es unter der Aurelius-Leitung den Salmtaler Ex-Mitarbeitern ergehen wird, geht den Rudersberger Geschäftsführer Stefan Löbich nichts mehr an. In seinem einen, im unausgesprochenen Hintergrund informativen Satz steckt jedoch noch mehr: Dovista wolle „Synergie-Potenziale“ in allen Bereichen ermitteln. Weru solle sowohl in Rudersberg als auch in Triptis „stärker“ werden und sich „nachhaltig“ entwickeln. Wie viel hier Versprechen und wie viel Drohung ist, muss sich noch zeigen. Dovista, sagt Gewerkschafter Thomas Martin, straffe aktuell die Prozesse. Es gehe vor allem um die Verwaltung. Womöglich soll hier einiges zusammengelegt werden. Laut Thomas Martin laufe zurzeit ein Freiwilligenprogramm: Wer will das Unternehmen verlassen? Die Konditionen sind der Gewerkschaft allerdings nicht bekannt.

Weru ist ein beachtlicher Arbeitgeber in Rudersberg, ein wichtiges Unternehmen für den Rems-Murr-Kreis und andere Gegenden in Deutschland. Weru wurde an ein skandinavisches Großunternehmen verkauft – die Wettbewerbsbehörden genehmigten die Übernahme am 1. September. Jetzt sind einige Fragen zu klären – doch die Geschäftsleitung gibt sich ziemlich zugeknöpft. Was passiert gerade bei Weru?

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Was bedeutet der Eigentümerwechsel für Weru? Gibt es eine Neuausrichtung? Was bedeutet

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