Rems-Murr-Kreis

Ruhe bewahren trotz Gaskrise und Preisexplosion: Wie sich der Kreis wappnet

Heizlüfter
Das Interesse an stromfressenden Geräten wie diesen ist derzeit groß: Menschen fürchten eine Gasrationierung im Winter und sorgen deshalb schon mal vor. Ob der Kauf eines Heizlüfters sinnvoll ist, darf allerdings bezweifelt werden. © pixabay

Noch heizt die Sonne kräftiger, als hitzegeplagten Menschen lieb sein kann. Zeitgleich befeuert die furchteinflößende Nachrichtenlage den Verkauf von elektrischen Heizlüftern – und nicht nur das. Die Fachbetriebe des Sanitär-Heizung-Klima-Handwerks (SHK) befinden sich seit Monaten im Ausnahmezustand: Zu viele Kunden sind in Angst und Panik verfallen, wollen sofort einen Heizungs-Check oder am besten gleich eine neue Heizung haben. Das kann nicht funktionieren. In einem aufrüttelnden Brandbrief hat jetzt die gesamte Vorstandschaft der Innung für Sanitär-Heizung-Klima und Klempnerei Rems-Murr sehr klare Worte gefunden: Das Fachhandwerk werde – wie seit eh und je – Probleme lösen und sich nicht zum Prügelknaben degradieren lassen, welcher nun „den Scherbenhaufen einer seit Jahren fehlgeleiteten Energiepolitik in Deutschland aufkehren“ solle.

Aus Sorge, im Herbst und Winter könnte das Gas nicht mehr für alle reichen oder die Preise könnten vollends ins Unermessliche steigen, treffen Verbraucher/-innen momentan Konsumentscheidungen, die auch dem Energieversorger Süwag missfallen: „Statt über Heizlüfter nachzudenken, ist es aktuell hilfreicher, sich über Energieeinsparmöglichkeiten Gedanken zu machen.

Das ist sowohl in Bezug auf die Versorgungssicherheit als auch auf die Energiekosten sinnvoller“, wird Mario Beck, Geschäftsführer der Süwag Vertrieb AG & Co. KG, in einer Mitteilung zitiert. Selbst bei hohen Gaspreisen hält Beck Elektro-Heizgeräte für keine gute Alternative, und das aus mehreren Gründen: Diese Geräte fressen eine Menge Strom, und den gibt’s auch nicht umsonst. „Indirekt befeuert die höhere Nachfrage auch den Strompreis an den Handelsplätzen“, gibt Beck zu bedenken: Es greift die uralte Regel, wonach steigende Nachfrage zu steigenden Preisen führt.

Preisentwicklung „nicht seriös prognostizierbar“

Dasselbe gilt bei schrumpfendem Angebot. Unsicherheit und hohes Angstlevel führen zusätzlich zu ausufernden Preisentwicklungen. Der Handelspreis für Gas hat sich jedenfalls binnen Jahresfrist ungefähr verachtfacht, der Preis für Strom „mehr als verfünffacht“, wie es in der Mitteilung der Süwag heißt. Zum 1. Oktober fällt zusätzlich die neue Gasumlage an, was zu weiteren Belastungen sowohl für Privathaushalte als auch für Unternehmen führen wird.

„Eine konkrete Entwicklung der Preise ist aktuell nicht seriös prognostizierbar“, heißt es dazu in der Süwag-Mitteilung – aber: Wenn im Herbst alle gleichzeitig ihre neuen Heizlüfter anschalten – fliegt die Sicherung raus. Im Übrigen wird ein Teil des Stroms in Deutschland unter Einsatz von Gas erzeugt, weshalb ein steigender Stromverbrauch indirekt auch den Gasverbrauch nach oben treibt.

Besonders geschützt: private Haushalte, Kliniken, Gaskraftwerke

Gut wäre, Ruhe zu bewahren. Wer mit Gas heizt und aus diesem Grund eine Rationierung besonders fürchtet, muss jetzt nicht monatelang in Habtachtstellung verharren. Selbst „wenn die Notfallstufe eintreten sollte, gehören Privathaushalte zu den sogenannten geschützten Gruppen, die möglichst bis zuletzt mit Gas zu versorgen sind“, beruhigt eine Sprecherin des Landratsamtes.

Erst müsste die Notfallstufe in Kraft treten

Bevor Privatpersonen überhaupt einer Gasrationierung unterworfen werden könnten, müsste die Notfallstufe in Kraft getreten sein, also die dritte und letzte Stufe, die der Notfallplan Gas vorsieht. Momentan befinden wir uns in Stufe zwei. Laut Bundesnetzagentur ist die Gasversorgung in Deutschland „im Moment stabil“ (Stand 17. August, 13 Uhr.). Die Versorgungssicherheit sei „derzeit weiter gewährleistet“.

Selbst wenn die Notfallstufe greifen sollte, bleiben laut Bundeswirtschaftsministerium „bestimmte Verbrauchergruppen gesetzlich besonders geschützt, das heißt, diese sind möglichst bis zuletzt mit Gas zu versorgen. Zu diesen geschützten Verbrauchern gehören Haushalte, soziale Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser und Gaskraftwerke, die zugleich auch der Wärmeversorgung von Haushalten dienen.“

Noch "keine konkreten Planungen"

Die Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz am Landratsamt hat laut der Sprecherin noch „keine konkreten Planungen“ im Köcher, wie im Falle einer Rationierung mit Blick auf private Haushalte vorzugehen wäre. In einem ersten Schritt würde der Brand- und Katastrophenschutz regelkonform zuerst die „ungeschützten“ Gruppen zum Sparen bewegen. Beispielsweise in Verwaltungsgebäuden müsste dann der Verbrauch sinken. Die Landkreisverwaltung orientiert sich an den Vorgaben des Landes, wie die Sprecherin erläutert. Diese Vorgaben lauten in Kürze:

  • Nutzung regenerativer Energien/energetische Sanierung
  • Raumtemperatur absenken und Heizungen optimieren
  • Reduzierung des Verbrauchs von Warmwasser und Strom; Verbräuche optimieren

Auf energetischer Sanierung liegt nicht erst jetzt der Fokus. Mehr als 40 Prozent der Gebäude im Bestand der Kreisbaugruppe werden bereits über Wärmepumpen, Fernwärme oder Ähnliches beheizt. Dennoch: „Auch wir werden aller Voraussicht nach die Temperatur in unseren Liegenschaften senken - dort, wo es Sinn macht. Eine Absenkung der Raumtemperatur von 21 auf 20 Grad würde zum Beispiel eine Ersparnis von circa sechs Prozent der Heizkosten in allen Verwaltungs-und Bildungsobjekten bedeuten“, teilt die Sprecherin mit. Eine Absenkung der Temperatur im Winter auf 18 Grad in den Verwaltungsliegenschaften sei im Gespräch.

Im Fall der Fälle wird man genauso umsichtig reagieren wie sonst auch

Zwischen den Zeilen ist aus einer Antwort des Landratsamts auf eine Anfrage dieser Zeitung, mögliche Gasrationierungen für Privathaushalte betreffend, wohltuende Gelassenheit herauszulesen: Man hat in den vergangenen Jahren schon so viele Herausforderungen gemeistert – so schnell wirft den Rems-Murr-Kreis eine weitere nicht um. Im Falle konkreter Gasrationierungspläne werde und könne man „genauso schnell“ reagieren, wie man es bereits während der Corona-Krise getan habe oder in jenen Jahren, als eine große Zahl geflüchteter Menschen unterzubringen war – so wie es aktuell wieder der Fall ist.

Noch heizt die Sonne kräftiger, als hitzegeplagten Menschen lieb sein kann. Zeitgleich befeuert die furchteinflößende Nachrichtenlage den Verkauf von elektrischen Heizlüftern – und nicht nur das. Die Fachbetriebe des Sanitär-Heizung-Klima-Handwerks (SHK) befinden sich seit Monaten im Ausnahmezustand: Zu viele Kunden sind in Angst und Panik verfallen, wollen sofort einen Heizungs-Check oder am besten gleich eine neue Heizung haben. Das kann nicht funktionieren. In einem aufrüttelnden

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