Rems-Murr-Kreis

Schauspieler und Biergarten-Betreiber Thomas Weber macht sich für die Kontaktnachverfolgungs-App „Luca“ stark  - doch es gibt auch Bedenken wegen der Datensicherheit

Thomas Weber Kabirinett Luca-App
Thomas Weber. © Irene Weber

Die „Zettelwirtschaft“ in seiner Gartenwirtschaft will Thomas Weber, Schauspieler und Inhaber des Theaters „Kabirinett“ in Spiegelberg-Großhöchberg, nicht noch einmal erleben. Wenn er seinen Biergarten Anfang Mai öffnen darf, hat er die App „Luca“ zur Besucherregistrierung am Start. Damit möglichst viele die digitale Hilfe nutzen, hat Weber kreisweit eine Kampagne gestartet. „Die App bringt nur was, wenn viele mitmachen“, sagt er.

Sein erstes Jahr als Biergarten-Gastgeber hat sich Thomas Weber anders vorgestellt: Infolge der Pandemie und der damit verbundenen Pflicht zur Besucherregistrierung wurde es erstmal nichts mit dem Wirt-Sein. Stattdessen stand Weber als „Zettele“-Manager am Empfang. „Es war schön, es kam zu tollen Kontakten und vielen kleinen Schwätzle“, so Weber. Doch am nächsten Tag holte ihn „Zettels Alp-Traum“ wieder ein: Wohin mit den vielen Zetteln?

Zum 20-jährigen Jubiläum des „Kabirinetts“ hatte sich der Theatermacher den lange gehegten Traum vom eigenen Biergarten erfüllt. Sein Theater blieb geschlossen, der Kulturschaffende hatte viel Zeit, die er unter anderem für einige Optimierungen nutzte. „Ich wollte einfach einen Fortschritt schaffen“, begründet er die Nutzung von Luca.

Registriert wird, wann und wie lange die Person da war

Nun hofft er, dass der QR-Code die Runde macht. Die Nutzung klingt nach einem Kinderspiel: Mit ein paar Mausklicks registrieren, einloggen, den eigenen Code mit dem QR-Code des Veranstaltungsorts „connecten“. „Und schon weiß mein Biergarten, wer ihn betreten hat, wann und wie lange die Person da war.“ Nein, die konsumierten Speisen und Getränke werden nicht erfasst, erwidert er lachend auf Nachfrage. Die App sei sogar so gnädig, dass sie über eine eingebaute Abmeldefunktion verfüge. „Sobald der Gast einen bestimmten Radius rund um den Biergarten verlässt, wird er automatisch ausgeloggt.“

Auf der Webseite garantiert der Entwickler eine „verschlüsselte, sichere und verantwortungsvolle Datenübermittlung“ sowie eine „automatisch erstellte und persönliche Kontakt- und Besuchshistorie“. Erreicht werde eine „lückenlose Kontaktrückverfolgung im Austausch mit den Gesundheitsämtern“ und die „direkte Benachrichtigung bei Risikobewertung durch die Gesundheitsämter“. „Genau das Richtige, um der Pandemie etwas die Stirn zu bieten“, findet Thomas Weber. Ganz stoppen lasse sich die Zettelwirtschaft vermutlich nicht. „Doch wenn man es breit streut, dann ist die Nutzung vielleicht bald schon so selbstverständlich wie das Masketragen.“

Als Zugpferd wirkt die HipHop-Band Fanta 4

Auf der Luca-Webseite strahlen einen die Gesichter der Stuttgarter Hip-Hop-Band Fanta 4 an. Sie sind ein starkes Zugpferd und stehen für viele Kulturschaffende, die wie Weber von der Pandemie betroffen sind. „Es ist eine zeitgemäße, tolle Möglichkeit der Datenregistrierung, um ein umfassendes Bild der Kontakte wiederzugeben“, sagt Weber. Die Aussicht, mögliche Infektionsketten besser nachverfolgen zu können und somit die Sicherheit bei Veranstaltungen zu optimieren, könnte der Kulturszene schneller wieder auf die Beine verhelfen, hofft Weber: „Eine Theateraufführung wäre dann ebenso hoffentlich bald wieder möglich wie auch ein Straßenfest, das Platzkonzert der Stadtkapelle, ein Gottesdienst oder ein Weihnachtsmarkt“, sagt Weber. Weil Luca seiner Meinung nach in vielen Bereichen eingesetzt werden könnte, schreibt Weber derzeit viele Mails. Die ersten Kommunen hätten Bereitschaft signalisiert, mitzumachen.

Weber hofft, dass der Rems-Murr-Kreis einsteigt, mit dem Gesundheitsamt stehe er bereits in Kontakt. „Die Gesundheitsämter werden mit der App nachhaltig entlastet, können schnell auf verifizierte Kontaktdaten zugreifen, damit lassen sich Infektionsketten schneller unterbrechen“, argumentiert er. Weitere Adressaten seien Kulturschaffende, Pflegeeinrichtungen, Fahrschulen, Gewerbevereine, Stadtmarketingvereine, Sportvereine, Kirchen. Auch Bestattungsunternehmen sollen Post von ihm erhalten mit dem Vorschlag, die App zu nutzen: „Es ist nur ein Punkt von vielen, doch überall, wo in kurzer Zeit viele Daten erfasst werden müssen, kommt es zur Schlangenbildung.“ Bei einer Bestattung habe man andere Dinge im Kopf, als sich “organisatorischen Notwendigkeiten“ zu widmen. „Es ist doch schade, wenn die Glocken schon lange geläutet haben und da immer noch eine Schlange steht, die registriert werden muss. Für mich zählt da die Viertelstunde schon.“

Schwachstellen beim Datenschutz

Das Team hinter der Kontaktrückverfolgungs-App „Luca“ setzt sich zusammen aus der im Bereich der Datensicherheit tätigen Firma nexenio GmbH, einer Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts, sowie Kulturschaffenden. Mit dabei ist die Band „Die Fantastischen Vier“(www.luca-app.de/ueber-uns). Die App-Lösung zur Kontaktnachverfolgung ruft allerdings auch Datenschutzaktivisten auf den Plan. Sie sehen Schwachstellen bei der Verschlüsselung und in der zentralen Datenspeicherung. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ schreibt in ihrer Ausgabe vom 12. März: „Kritiker befürchten, dass die sehr persönlichen Daten, die bei der Nutzung der App verarbeitet werden, nicht ausreichend geschützt sind und allzu leicht missbraucht werden könnten, wenn sie in falsche Hände gelangen.“ Nach Kritik von Datenschützern haben die Urheber den Quellcode freigegeben und auf Open Source umgestellt. Der Quellcode ist damit für jeden Interessierten öffentlich im Netz verfüg- und nutzbar. Doch die Bedenken sind damit nicht aus der Welt. So schreibt Computerbild in der Online-Ausgabe vom 12. März: Neben der zentralen Speicherung der Daten beanstanden Experten, „dass Gesundheitsämter eine Art Generalschlüssel erhielten, der ihnen Zugriff auf sämtliche personenbezogenen Daten der Nutzer gebe. Die sollten nach Ansicht der Experten jedoch nur bei einem tatsächlichen Infektionsfall zugänglich sein. Zudem werde der Schlüssel der Gesundheitsämter in einem Webbrowser generiert, was aus Sicht der Datenschützer eine ungeeignete und unsichere Umgebung für derart sensible Daten ist.“

Ähnlich in der Kritik stand die Video-Plattform „Zoom“ mit Aufkommen der Pandemie und dem vermehrten Konferieren über das Internet.

Der Kabirinett-Chef Thomas Weber sagt dazu: „Hinterfragen ist gut und macht Druck. Ich mache trotzdem vorwärts und vertraue, dass das alles korrekt gemacht wird.“

Die „Zettelwirtschaft“ in seiner Gartenwirtschaft will Thomas Weber, Schauspieler und Inhaber des Theaters „Kabirinett“ in Spiegelberg-Großhöchberg, nicht noch einmal erleben. Wenn er seinen Biergarten Anfang Mai öffnen darf, hat er die App „Luca“ zur Besucherregistrierung am Start. Damit möglichst viele die digitale Hilfe nutzen, hat Weber kreisweit eine Kampagne gestartet. „Die App bringt nur was, wenn viele mitmachen“, sagt er.

Sein erstes Jahr als Biergarten-Gastgeber hat sich

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