Rems-Murr-Kreis

Schluss mit Barrieren, Zugang für alle: Weshalb Thomas Heine aus Backnang als Botschafter für Barrierefreiheit im Rems-Murr-Kreis unterwegs ist

Barrierefreiheit Internet
Thomas Heine ist im Rems-Murr-Kreis als Botschafter für Barrierefreiheit aktiv. © Benjamin Büttner

Kein Durchkommen, der einzige barrierefreie Zugang bleibt wegen einer Baustelle gesperrt: Es steckt kein böser Wille dahinter, mutmaßt Thomas Heine, sondern ganz oft Unkenntnis, wenn die Belange behinderter Menschen im öffentlichen Raum zu wenig berücksichtigt sind. Der 40-jährige Backnanger kann helfen: Als Botschafter für Barrierefreiheit hat er im Blick, worauf es ankommt beim Stichwort „Teilhabe“.

In Sachen Barrierefreiheit ausgebildete Expert/-innen und ehrenamtlich aktive Botschafter wie Thomas Heine sind seit kurzem in ganz Baden-Württemberg unterwegs; Thomas Heine hat die Aufgabe für den Rems-Murr-Kreis übernommen. Der Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter hatte das Projekt „Zukunft Barrierefreiheit 4.0“ auf den Weg gebracht, die Botschafter/-innen ausgebildet, ins Netzwerk des Verbands eingebunden – und nun geht’s los. Das Ziel: Über kurz oder lang soll niemand mehr auf Barrieren treffen in öffentlich zugänglichen Gebäuden wie Rathäusern, Schulen, Theatern und Kinos. Sportanlagen und Schwimmbäder sollen barrierefrei werden, und im öffentlichen Nahverkehr gibt’s noch viel zu tun, bis alle Anlagen für alle problemlos benutzbar sind.

Botschafter bei der Planung von Bauvorhaben schon einbeziehen

Botschafter wie Thomas Heine sollen Menschen sensibilisieren, auf Barrieren aufmerksam machen, die bisher noch nicht ins Blickfeld gerückt sind, und bei Bauvorhaben beraten. Am besten wär’, Leute wie Thomas Heine würden schon in die Planung öffentlicher Gebäude mit einbezogen – damit nicht nachher erst auffällt, hoppla, an Barrierefreiheit haben wir gar nicht überall gedacht.

Thomas Heine zögerte nicht lange, als der Landesverband die Botschafter-Lehrgänge anbot: Der 40-Jährige beschäftigt sich seit langem schon mit Fragen des demografischen Wandels. Im Hauptberuf leitet der Backnanger, obgleich von Haus aus Ingenieur, am Tübinger Landeskompetenzzentrum Pflege und Digitalisierung den Bereich Innovationsinfrastrukturen. Es geht ihm um Themen wie selbstbestimmtes Wohnen, um Digitalisierung als ein Instrument, das Abläufe erleichtern, Personal entlasten und Kommunikation fördern kann.

Als Botschafter für Barrierefreiheit kann Thomas Heine keine fertigen Konzepte für alle Lebenslagen bieten. Doch er kann sein Wissen einbringen, auf den Erfahrungsschatz des Netzwerks zurückgreifen, den Fokus richten auf Themen, die allzu leicht aus Unwissenheit in den Hintergrund rücken. In einem barrierefreien Umfeld kommen zudem ältere Menschen besser zurecht – und der Anteil der Älteren in der Gesellschaft wächst.

Auch eine Barriere: schwer verständliche Texte

Beim Stichwort „Barriere“ denkt man vermutlich zuerst an was Handfestes – Bordsteinkanten oder Treppen. In einem weiter gefassten Sinne finden sich Barrieren in großer Zahl im Internet: schwer verständliche Texte, die sich Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geistiger Behinderung nicht erschließen, oder Schriften und Kontraste, die für Personen mit Sehbehinderung das Lesen unmöglich machen – um nur ein, zwei Beispiele zu nennen.

Thomas Heine verweist auf die UN-Behindertenrechtskonvention, die 2009 in Deutschland ratifiziert worden ist. Einer der Kerngedanken: Nicht der oder die Einzelne soll sich anpassen müssen, damit er oder sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und möglichst selbstbestimmt leben kann. Umgekehrt geht es darum, „dass sich unsere Gesellschaft öffnet, dass Vielfalt unser selbstverständliches Leitbild wird“, so Verena Bentele, frühere Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Sämtliche Zugänge zu Bussen und Bahnen sollen vom 1. Januar 2022 an barrierefrei sein, berichtet unterdessen Thomas Heine: Damit das wirklich gelingt, werden die Botschafter/-innen für Barrierefreiheit, und nicht nur sie, noch einiges in die Wege leiten müssen.

Info

Weitere Informationen zum Thema und Thomas Heines Kontaktdaten: www.barrierefreiheit.lsk-bw.de.

Kein Durchkommen, der einzige barrierefreie Zugang bleibt wegen einer Baustelle gesperrt: Es steckt kein böser Wille dahinter, mutmaßt Thomas Heine, sondern ganz oft Unkenntnis, wenn die Belange behinderter Menschen im öffentlichen Raum zu wenig berücksichtigt sind. Der 40-jährige Backnanger kann helfen: Als Botschafter für Barrierefreiheit hat er im Blick, worauf es ankommt beim Stichwort „Teilhabe“.

In Sachen Barrierefreiheit ausgebildete Expert/-innen und ehrenamtlich aktive

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