Rems-Murr-Kreis

Schnelles Internet: Es geht im Rems-Murr-Kreis endlich flotter voran

Glasfaser Breitband Symbolfoto
Symbolfoto. © Joachim Mogck

Es war eine schwere Geburt. Doch mittlerweile tut sich was beim schnellen Internet. Der Breitbandausbau zwischen Rems und Murr hat Fahrt aufgenommen. Verfügte Mitte 2019 weniger als ein Prozent der Haushalte über einen Glasfaseranschluss, so ist es mittlerweile jeder siebte. Eine Reihe weiterer Kommunen steht bereits auf der Liste der Telekom, die in den kommenden Jahren ans Glasfasernetz angeschlossen werden sollen. Zielmarke ist, bis 2025 allen Unternehmen in Gewerbegebieten und der Hälfte der Haushalte Zugang zum schnellen Internet zu verschaffen. Bis 2030 sollen 90 Prozent aller Haushalte schnelles Internet haben – sofern sie es wollen.

Und es ist nicht mehr nur die Telekom, die beim Ausbau auf die Tube drückt. Auf dem Markt versucht ein halbes Dutzend Anbieter, Fuß zu fassen. „Absolut begrüßenswert“, nannte Michael Murer vom Zweckverband Breitbandausbau Rems-Murr im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages diesen Trend. Diese teilweise neu gegründeten Unternehmen seien mit viel Kapital ausgestattet, das von deren Gesellschaftern aus den Bereichen Versicherungen, Pensions-Fonds und Private Equity-Unternehmen bereitgestellt wird.

Gigabitregion Stuttgart gegründet

Rückblick: Deutschland, Baden-Württemberg, die Region Stuttgart und der Rems-Murr-Kreis waren vom schnellen Internet abgeschnitten, weil die etablierten Telekommunikationsunternehmen, allen voran der Ex-Monopolist Telekom, lieber ihre alten Kupferkabel rentabel vermarkteten, als in die neue Technik zu investieren. Nicht erst Corona und der Boom von Streamingdiensten und Home-Office zeigte, wie dringend ein Ausbau der Glasfasernetze war. Aus diesem Grund beschlossen die Landkreise und die Stadt Stuttgart schon vor Jahren, den Breitbandausbau selbst in die Hand zu nehmen, und gründeten die Gigabitregion Stuttgart. Überraschenderweise stieg rasch die Telekom als Kooperationspartner ein – wohl in der Absicht, sich von den Kommunen nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen.

Die Zahl der gigabitfähigen Haushalte konnte durch das gemeinsame Vorgehen seit Juli 2019 signifikant erhöht werden, sagte Michael Murer vom Zweckverband, der den Ausbau des schnellen Internets im Rems-Murr-Kreis koordiniert. Bis Ende 2021 wurden allein von der Telekom für fast 30 000 Haushalte und Unternehmen an Rems und Murr Glasfaseranschlüsse zur Verfügung gestellt. Für 2022 seien im Zuge der Gigabit-Kooperation Ausbaugebiete in 21 Kommunen geplant.

NIcht nur die Telekom ist aktiv

In Weinstadt beginne der Glasfaserausbau durch die Stadtwerke. Die Telekom wird im Rahmen einer Kooperation dieses Netz versorgen. Inzwischen haben einige neue Netzbetreiber Ausbaupläne im Kreis angekündigt. Der erste Ausbau erfolgt durch die Wisotel in Aspach. Die Aktivitäten neuer Anbieter werden als gute Ergänzung zur Telekom gesehen und vom Zweckverband unterstützt, so Murer. Wo sich kein Unternehmen für einen Ausbau gewinnen lässt und damit der Markt versagt, sei ein Ausbau mit staatlichen Fördermitteln möglich, wies Murer auf gut gefüllte Fördertöpfe hin. Der Zweckverband habe bislang für alle 18 förderfähigen Schulen in zehn Kommunen sowie unterversorgte Gebiete in acht Kommunen Förderanträge gestellt.

Glasfaserleitungen in 53 Gewerbegebieten

2019 wurden im Rems-Murr-Kreis in Kooperation mit der Telekom für etwa 1500 Haushalte und Unternehmen in Allmersbach im Tal und in zwei Gewerbegebieten ein Zugang zum Glasfasernetz hergestellt. 2020 folgten weitere rund 13.300 Anschlüsse in Backnang (Innenstadt), Fellbach (Fellbach-Süd) und Winnenden (Schelmenholz und Hanweiler), sowie in acht Gewerbegebieten im Landkreis. 2021 startete zusätzlich der Ausbau in einem zweiten Bauabschnitt in Fellbach (Fellbach-Nord/Schmiden-Süd) mit weiteren 3900 Haushalten und Unternehmen sowie in drei Gewerbegebieten. Daürber hinaus haben die Stadtwerke Schorndorf seit 2018 Ober- und Unterberken, Schlichten und Miedelsbach an das schnelle Internet angeschlossen.

Von den 114 Gewerbegebieten im Rems-Murr-Kreis sind laut Zweckverband 53 bereits mit Glasfaserleitungen ausgebaut. In diesem Jahr stehen folgende Kommunen auf der Ausbauliste der Telekom: Berglen (100-200 Haushalte), Fellbach (3. Bauabschnitt, 4800 Haushalte), Plüderhausen (900), Winnenden (2. Bauabschnitt, 2100) sowie im zweiten Halbjahr Aspach, Berglen (2. Bauabschnitt), Korb, Leutenbach, Oppenweiler, Remshalden, Rudersberg und Schwaikheim. 2023 will die Telekom in folgenden Kommunen Glasfaser verlegen: Althütte, Backnang /(2. Bauabschnitt), Großerlach, Kaisersbach, Kernen, Murrhardt, Spiegelberg, Sulzbach, Welzheim und Winnenden.

Zuversicht: Zielmarke dürfte erreicht werden

Michael Murer wies auf einen erfreulicher Nebenaspekt der stärkeren Konkurrenz hin. Die Telekom verzichtet inzwischen auf eine Vorvermarktungsquote. Das hatte bedeutet, nur wenn eine bestimmte Anzahl von Haushalten sich ans Glasfasernetz anschließen ließen, fuhren denn auch die Bagger auf. Murer zeigte sich im Umwelt- und Verkehrsausschuss überzeugt, dass die Zielmarke bis 2025 erreicht werde und die Hälfte aller Haushalte im Landkreis Zugang zum schnellen Internet haben werden.

Schnelles Internet ist nicht billig. Die Telekom lockt in ihren Ausbaugebieten die Kunden mit Zweijahresverträgen zu Sonderkonditionen, wenn sie sich sofort ans Glasfasernetz anschließen lassen. Grundsätzlich aber gilt beim Glasfaserausbau in Kooperation mit der Telekom wie auch mit anderen Anbietern das Prinzip „Open Access“, also die Möglichkeit, sich seinen Telekommunikationsanbieter frei wählen zu können und nicht an den Betreiber des Netzes gebunden zu sein.

Es war eine schwere Geburt. Doch mittlerweile tut sich was beim schnellen Internet. Der Breitbandausbau zwischen Rems und Murr hat Fahrt aufgenommen. Verfügte Mitte 2019 weniger als ein Prozent der Haushalte über einen Glasfaseranschluss, so ist es mittlerweile jeder siebte. Eine Reihe weiterer Kommunen steht bereits auf der Liste der Telekom, die in den kommenden Jahren ans Glasfasernetz angeschlossen werden sollen. Zielmarke ist, bis 2025 allen Unternehmen in Gewerbegebieten und der Hälfte

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