Rems-Murr-Kreis

Schorndorfer Kesselhaus-Wirt zur Mund-Nasen-Schutz-Pflicht für Restaurant-Gäste: „Ist das so schwer!?“

Bedienung Maske Restaurant
Am Tisch können Restaurant-Gäste den Mund-Nasen-Schutz wieder abnehmen. Bedienungen müssen ihn die ganze Dienstzeit über tragen. © Pixabay

Eine Familienfeier in einer Gaststätte in Winterbach, die als Vervielfacher von Corona-Infektionen wirkte. Ein Wirt in Sulzbach an der Murr, der eine Gästegruppe durch die Polizei rausschmeißen ließ, weil sich Personen der Gruppe nicht an Infektionsschutzvorgaben gehalten hatten. Und ein Wirt am Leinecksee in Alfdorf, in dessen Restaurant niemand Mund-Nasen-Schutz tragen „muss“, weil er einfach „davon ausgeht“, dass jeder ein Befreiungs-Attest habe. Das sind gerade Extreme einer ganzen Bandbreite an Möglichkeiten, wie Gastronomie im Corona-Herbst im Rems-Murr-Kreis ablaufen kann.

„Die Mehrheit der Bevölkerung und auch die Mehrheit der Wirtsleute und Bedienungen hält sich an die Infektionsschutzregeln“, sagt Dietmar Härer. Er ist Betreiber des Schorndorfer Kesselhauses und stellvertretender Leiter des Gaststättenverbands Dehoga im Rems-Murr-Kreis. Die Wiedereinführung der Mund-Nasen-Schutz-Pflicht für Gäste im Restaurant, solange sie nicht am Tisch sitzen und essen oder trinken, hält er für sinnvoll. Diese war seit Juli von der Landesregierung außer Kraft gesetzt worden, denn im Zuge der Lockerungen verlor die Corona-Verordnung für Gaststätten ihre Gültigkeit, und in der allgemeinen Landes-Corona-Verordnung stand die MNS-Pflicht für Gäste in Restaurants nicht mehr drin. Doch nun ist sie zum 1. Oktober wieder eingeführt worden.



Es bestehen nicht nur gesundheitliche Risiken

„Jeder Wirt sollte sich des enormen Risikos bewusst sein, dass Restaurants als Superspreader-Orte wirken können, weil einfach viele Menschen zusammenkommen. Das haben wir in Winterbach gesehen“, sagt Härer. Eine Feier in der Winterbacher „Krone“ am 12. September hatte mehrere Sars-Cov2-Infektionen zur Folge. Die Ansteckungskette setzte sich in Schulen und ein Altenheim hinein fort (wir berichteten mehrfach).

„Es geht nicht nur um die gesundheitlichen Risiken für die Gäste und die Bedienungen, sondern auch um die wirtschaftlichen“, sagt Härer. Wer den Infektionsschutz in seinem Gasthaus nicht ernst nehme, der riskiere letztlich eine zweiwöchige Zwangsschließung wegen der Quarantäne-Vorschriften wie in Winterbach oder aber gar einen zweiten Lockdown mit noch viel fataleren Umsatzeinbußen für alle. Wie schlimm es sein kann, erfahren Gastronome auch jetzt schon seit Monaten am eigenen Leibe. „Besonders betroffen sind alle Caterer und Tagungsveranstalter. Auch weil die Firmen keine Events oder Konferenzen mehr stattfinden lassen und der Messebetrieb größtenteils eingestellt wurde. Umsatz praktisch null. Auch kleinere Gaststätten, in denen nicht so viele Leute Platz haben und jetzt im Grunde wegen Corona nur noch die Hälfte bewirtetet werden dürfen, stehen vor dem Aus“, sagt Härer.

„Im Einzelhandel funktioniert es doch auch“

Aus diesen Gründen habe die Dehoga auch während der Aussetzung der MNS-Pflicht für Gäste den Sommer über ihren Mitgliedsbetrieben empfohlen, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und die Gäste zu bitten, trotzdem MNS zu tragen. „Im Kesselhaus machen wir das so. Natürlich tragen unsere Bedienungen seit Beginn der Pandemie immer eine Maske und desinfizieren sich regelmäßig die Hände. Die fassen ja das Geschirr an und servieren Essen und Getränke. Und da kann man auch von den Gästen verlangen, dass diese für kleine Zeitspannen, wenn sie nicht am Tisch sitzen, beim Reinkommen und Rausgehen, beim Toilettenbesuch, einen MNS anhaben. Überall dort eben, wo der Sicherheitsabstand schwer einzuhalten ist. Im Einzelhandel funktioniert das doch auch. Dort müssen Sie sogar ständig eine Maske tragen. Was soll denn dann im Restaurant daran so schwer sein!? Selbst bei jemandem, der ein womöglich ominöses Attest zur Befreiung von einem MNS hat. Am Tisch können Sie die Maske ja wieder abnehmen.“

Verständnis zeigt Dietmar Härer für den Wirt des Sulzbacher Hofes. „Er darf und muss von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Die Durchsetzung im Falle einer größeren Gästegruppe obliegt aber den Ordnungsämtern oder der Polizei. Genau so, wie es dort ja abgelaufen ist. Was soll man denn als Wirt auch sonst machen? Das Risiko ist einfach zu hoch. Da hätte ja jemand Ansteckendes dabei sein können.“ Am 29. September war eine Gruppe von rund 25 Personen mit Hilfe eines Polizeiaufgebots der Gaststätte verwiesen worden, weil keine Masken getragen und Personalien nicht in die Kontaktformulare eingetragen worden sein sollen. Mitglieder der Gruppe bestreiten dies. Sie seien nicht auf die Hausregeln aufmerksam gemacht worden und hätten sich auf den Formularen noch eintragen wollen.

Unabhängig vom Sulzbacher Fall: „Seine Personalien zu hinterlassen, ist seit Corona schon immer gesetzliche Pflicht gewesen. Ich kann nicht verstehen, warum man sich dagegen sträubt oder gar Fantasie-Namen ausdenkt“, sagt Härer. Beim Durchsetzen der Regeln der Corona-Verordnung, aber auch des Hausrechts habe es im Schorndorfer Kesselhaus bislang zum Glück keine großen Probleme gegeben. „Einmal war eine Gruppe von acht Radfahrern da. Die behaupteten, sie seien eine häusliche Gemeinschaft und nur einer müsse sich eintragen. Nachdem ich den Witz gemacht hatte, sie seien aber viele schwule Brüder, lachten sie und gaben alle ihren Namen an.“

Bitte an Ordnungsämter und Polizei: Stichprobenkontrollen

Essen für Hochzeiten oder Beerdigungsfeiern veranstalte er im Kesselhaus nicht für Gruppen über 50 oder 60 Personen, obwohl er auch wieder Anfragen für größere Events hätte. „Theoretisch dürfte man ja viel mehr, bis zu 500, bewirten. Aber das Risiko wäre mir einfach zu groß“, sagt Härer.

Seinen Bedienungen rate er, wenn jemand Probleme mache, müssten sie sich nicht herumstreiten, sondern könnten ruhig den Chef rufen. „Wenn tatsächlich, was selten vorkommt, ein Gast keinen MNS tragen will, dann empfehle ich meinen Leuten immer, sagen sie einfach: ‘Kommen Sie rein, aber wir bedienen Sie nicht’.“

Der Kesselhaus-Chef und Dehoga-Mann weiß um die begrenzten Personalkapazitäten der Ordnungsämter und der Polizei. „Dennoch wären Stichprobenkontrollen in Restaurants und die Verhängung von Bußgeldern hin und wieder gut, um die Leute wachzurütteln.“

Eine Familienfeier in einer Gaststätte in Winterbach, die als Vervielfacher von Corona-Infektionen wirkte. Ein Wirt in Sulzbach an der Murr, der eine Gästegruppe durch die Polizei rausschmeißen ließ, weil sich Personen der Gruppe nicht an Infektionsschutzvorgaben gehalten hatten. Und ein Wirt am Leinecksee in Alfdorf, in dessen Restaurant niemand Mund-Nasen-Schutz tragen „muss“, weil er einfach „davon ausgeht“, dass jeder ein Befreiungs-Attest habe. Das sind gerade Extreme einer ganzen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper