Rems-Murr-Kreis

Schulung am Rems-Murr-Klinikum Winnenden: Operieren üben ohne Stress und Angst

Arthrex
Im Schulungstruck üben Operateure unter realen Bedingungen minimalinvasive Eingriffe. © Gabriel Habermann

Konzentriert bewegt Nina Fessmann die chirurgischen Instrumente. Millimeterarbeit ist gefragt. Ihr Blick ist auf den Monitor gerichtet. In fünffacher Vergrößerung sieht sie dort direkt ins Innere des Knies. Durch zwei gerade einmal fünf Millimeter kurze Schnitte hat die Assistenzärztin die kleine Kamera und eine Art winzige Fräse in das Gelenk eingeführt. Sie entfernt damit „störendes Gewebe“, um den „Bohrkanal“ vorzubereiten. In einem speziellen Truck auf dem Gelände des Rems-Murr-Klinikums Winnenden üben Ärztinnen, Ärzte und das Pflegepersonal eine Kreuzband-Ersatzplastik. Bei dieser Operation wird das vordere Kreuzband durch eine körpereigene Sehne ersetzt.

Ziel der Operationen: Gelenk erhalten

Der Truck ist zum ersten Mal in Winnenden. „Es ist wie eine Inhouse-Schulung. Das Besondere ist, dass die Firma Arthrex mit Humanpräparaten arbeitet“, sagt der neue Sektionsleiter der Unfallchirurgie am Rems-Murr-Klinikum Winnenden, Michael Mecner. Die Präparate, an denen geübt wird, stammen von Körperspendern. So könnten Operateure unter Bedingungen geschult werden, die realistischer seien als das Üben von Operationstechniken an Kunstknochen. „Eine gute und regelmäßige Schulung der Operateure bei dieser komplexen, minimalinvasiven Methode ist sehr wichtig für eine präzise und routinierte Behandlung“, sagt Mecner. Vor allem Verletzungen und Krankheiten am Knie, an der Schulter, den Händen oder Fußgelenken werden häufig mit der arthroskopischen Operationstechnik behandelt.

Dazu zählen unter anderem Sehnenverletzungen an der Schulter, Meniskusrefixationen oder auch die Transplantation körpereigener Knorpelteile von einer gesunden Körperstelle an eine kranke. „Ziel all dieser sportorthopädischen, minimalinvasiven Eingriffe ist es, das Gelenk zu erhalten“, sagt Joachim Singer, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie. Die Klinik verfügt über 103 Betten, rund ein Fünftel aller Eingriffe sind solche Operationen, wie sie am Dienstag und Mittwoch geschult werden. In der Regel werden diese Eingriffe bei jüngeren Patienten bis zu einem Alter von 50 bis 60 Jahren durchgeführt.

Die minimalinvasiven Operationstechniken haben nicht nur kosmetische Vorteile (bei einer Kreuzband-Ersatzplastik etwa werden nur drei winzige Einschnitte benötigt). Vor allem medizinische Aspekte sprechen dafür, diese Technik einzusetzen, wenn es möglich ist: „Das Infektionsrisiko sinkt deutlich und die Patienten können schneller mit der Rehabilitation beginnen“, erklärt Mecner. Singer fügt ein Beispiel hinzu: „Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk bekommen, waren früher vier bis sechs Wochen im Krankenhaus, heute sind es drei Tage.“

Geschult werden Operateure und Pflegepersonal

Die Operationsmethoden sind sehr komplex, weshalb die Operateure geschult werden müssen. Und nicht nur diejenigen, die tatsächlich Eingriffe durchführen, verbringen am Dienstag und Mittwoch Zeit im Schulungstruck: „Schulungen sind auch Teil der Facharztausbildung, denn auch wer den Eingriff nicht selbst durchführt, muss die Schritte kennen, um die Patienten informieren zu können“, sagt Singer. Auch das OP-Pflegepersonal nimmt an der Fortbildung teil, denn Operationen seien immer eine Teamleistung.

Assistenzärztin Nina Fessmann hat bereits Patienten minimalinvasiv operiert. Die Schulung im Truck bietet für sie die Möglichkeit, ohne Stress und Angst zu üben: „Vor allem die Koordination beider Hände ist sehr wichtig, aber auch schwierig. Sie kommt mit der Erfahrung.“ Diese Erfahrung lasse sich am Humanpräparat gut sammeln, denn die speziell präparierten Körperteile reagierten so, wie der menschliche Körper auf dem Operationstisch reagiere. Für die Assistenzärzte bietet sich im Schulungstruck außerdem die Möglichkeit, eine komplette Operation selbst durchzuführen. Im Operationssaal der Rems-Murr-Kliniken übernimmt in der Regel der Oberarzt die schwierigen Schritte eines solchen Eingriffs.

Konzentriert bewegt Nina Fessmann die chirurgischen Instrumente. Millimeterarbeit ist gefragt. Ihr Blick ist auf den Monitor gerichtet. In fünffacher Vergrößerung sieht sie dort direkt ins Innere des Knies. Durch zwei gerade einmal fünf Millimeter kurze Schnitte hat die Assistenzärztin die kleine Kamera und eine Art winzige Fräse in das Gelenk eingeführt. Sie entfernt damit „störendes Gewebe“, um den „Bohrkanal“ vorzubereiten. In einem speziellen Truck auf dem Gelände des Rems-Murr-Klinikums

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