Rems-Murr-Kreis

Scool-Abo: Viel Geld für fast nichts

Schulbus
Symbolbild. © Gabriel Habermann

Lange blieben die Schulen geschlossen, aktuell gibt’s nur Wechselunterricht – doch die meisten Eltern zahlten und zahlen weiter brav fürs Scool-Abo. Einer Mutter aus Berglen ist jetzt der Kragen geplatzt: „Enttäuschend und beschämend“ sei’s, schreibt sie in einem Brief an den Landrat, in welchem Ausmaß Lasten an berufstätige Eltern abgewälzt würden. „Doppelt und dreifach“ sei man schon durchs Home-Schooling beansprucht. Obendrein bleiben Eltern weitgehend auf den Kosten fürs praktisch wertlose Scool-Abo sitzen – weil die Kinder über viele Wochen hinweg gar nicht zur Schule durften oder nur sporadisch den Bus nutzten, sofern sie vor Ort Klassenarbeiten zu schreiben hatten. Theoretisch könnten die Kinder mit ihrem Ticket auch zum Schwimmbad, ins Kino oder zum Training fahren – zurzeit aber halt nicht. Fast alles ist geschlossen oder findet nicht statt.

Die Politik und auch der Landkreis, so sieht’s die verärgerte Mutter, „spekulieren auf unsere Gutmütigkeit und Solidarität“. „Das Maß ist mittlerweile bei uns allerdings mehr als überspannt“, heißt es im Brief weiter. Die Mutter dreier Kinder aus Berglen mutmaßt, Busunternehmen müssten Insolvenz anmelden, gingen die Zahlungen für die Scool-Abos nicht weiter ein.

Landkreis gibt Geld, um Einnahmenausfälle auszugleichen

Das zumindest stimmt so nicht: Notfalls springt der Landkreis in die Bresche. Bereits Mitte Dezember 2020 hatte der Kreistag beschlossen, coronabedingte Einnahmenausfälle der Busunternehmen in den Jahren 2021 und 2022 auszugleichen, sollten Bund und Land keine weiteren Mittel für den ÖPNV bereitstellen. Ziel ist, so Landratsamts-Sprecherin Leonie Ries, „Insolvenzen der Busunternehmen zu verhindern und auch in den kommenden Jahren einen stabilen Busverkehr im Landkreis zu gewährleisten“.

Allein in diesem Jahr geht es laut Leonie Ries voraussichtlich um einen Betrag von rund vier Millionen Euro. Bereits 2020 richtete der Umwelt- und Verkehrsausschuss einen „dringenden Appell“ ans Land, den Rettungsschirm über 2021 hinaus zu verlängern. Im Gegenzug für einen Rettungsschirm sollen die Busunternehmen den Verkehr für diese zwei Jahre aufrechterhalten, erläutert Leonie Ries. Die anderen Landkreise in der Region Stuttgart hätten „dasselbe gemacht“. Unterdessen zeigt ÖPNV-Amtsleiter Philipp Rauffmann Verständnis für den Ärger der betroffenen Familien: „Der Fernunterricht bedeutet für viele Familien eine große Belastung. Wenn zusätzlich auch noch Kosten für ein Scool-Abo anfallen, das kaum genutzt wird, ist das ohne Frage sehr ärgerlich“, schreibt Rauffmann in seiner Antwort an die betreffende Mutter.

3,50 Euro mehr im Monat

Verschiedenes bleibt auseinanderzuhalten: Der Rems-Murr-Kreis kann nicht darüber entscheiden, für wie viele Monate den Eltern die Kosten fürs Scool-Abo erlassen werden – dafür ist das Land zuständig, und „dem Land ist das Problem bewusst“, so Philipp Rauffmann weiter. 2020 wurden den Eltern zwei Monatsraten erstattet; in diesem Jahr hat man die Kostenanteile im April nicht bei den Eltern abgebucht. „Da weit mehr als ein Monat Unterricht ausgefallen ist, halte ich es für möglich, dass das Land auch über weitere Erstattungen nachdenkt. Nähere Informationen dazu habe ich jedoch leider nicht“, so der Amtsleiter. Unterdessen wird der Landkreis zugunsten der Eltern in die Kreiskasse greifen: Der Zuschuss zum Scool-Abo erhöht sich von September 2021 an von bisher 11,50 Euro auf 15 Euro im Monat. 3,50 Euro mehr im Monat – das macht den Kohl sicher nicht fett. Aber, gibt Philipp Rauffmann zu bedenken, der höhere Zuschuss „wird den Eltern unabhängig von Corona dauerhaft zugutekommen“.

Das Zuschuss-Plus war überfällig, Corona hin oder her: Zuletzt erhöhte der Landkreis die Zuschüsse zum Scool-Abo 2014. Jahr für Jahr stieg der Ticket-Preis, weshalb die Eltern immer höhere Kosten zu tragen hatten. Und weil das Scool-Abo sowieso netzweit gilt, profitierten sie nicht einmal von der Tarifzonenreform 2019.

"Es gab nur wenige Kündigungen"

„Die Scool-Abonnenten haben sich in der Corona-Pandemie als Rückgrat des ÖPNV erwiesen“, so Landrat Dr. Richard Sigel Ende April in einer Pressemitteilung: „Es gab nur wenige Kündigungen, trotz der vielen Einschränkungen im Schulbetrieb.“ Die Erhöhung des Kreis-Zuschusses sei nicht als Dankeschön gedacht, „darf aber als solches verstanden werden“.

Von September an zahlen Eltern für Kinder ab Klasse fünf 41,15 Euro im Monat fürs netzweit gültige Scool-Abo des VVS. Für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen eins bis vier soll künftig ein einheitlicher Zuschuss von 27,20 Euro gelten. Dieses Scool-Abo kostet dann 28,95 Euro im Monat. Mit dieser Änderung wird laut Landratsamt ein Sondertarif abgeschafft, der für Verwirrung gesorgt habe: Das Scool-Abo für Grundschulkinder, welches momentan nicht netzweit gilt, entfällt künftig. Die bisherigen Nutzer dieses Tickets erhalten dann zum selben Preis ein netzweit gültiges Ticket.

Die verärgerte Mutter aus Berglen wird’s vorerst nicht besänftigen: Sie werde die Scool-Abos ihrer Kinder schnellstmöglich kündigen; momentan gibt die Familie rund 90 Euro im Monat dafür aus.

Lange blieben die Schulen geschlossen, aktuell gibt’s nur Wechselunterricht – doch die meisten Eltern zahlten und zahlen weiter brav fürs Scool-Abo. Einer Mutter aus Berglen ist jetzt der Kragen geplatzt: „Enttäuschend und beschämend“ sei’s, schreibt sie in einem Brief an den Landrat, in welchem Ausmaß Lasten an berufstätige Eltern abgewälzt würden. „Doppelt und dreifach“ sei man schon durchs Home-Schooling beansprucht. Obendrein bleiben Eltern weitgehend auf den Kosten fürs praktisch

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