Rems-Murr-Kreis

Seniorin um 30.000 Euro gebracht: Das sind die fiesen Betrugsmaschen der falschen Polizisten

betrug
Betrüger lassen sich immer mehr Tricks einfallen, um an Geld zu kommen. © Pixabay

Erneut ist eine Seniorin Opfer von falschen Polizisten geworden. Die 90-Jährige aus Winnenden hat den Betrügern ihre Münzsammlung im Wert von rund 30 000 Euro überlassen. Die angeblichen Polizisten hatten am Dienstag gegen 18 Uhr bei der Frau, die im Süden Winnendens wohnt, angerufen. Der Anruf wurde allerdings von der Tochter, die ebenfalls bereits im Rentenalter ist, entgegengenommen. Dieser erzählten die Betrüger die übliche Geschichte, dass in der Nachbarschaft eingebrochen worden und ein Zettel mit den Daten der Geschädigten aufgefunden worden sei. Es sei zu befürchten, dass auch in ihr Haus alsbald eingebrochen werde. Obwohl der Frau Zweifel an der Geschichte des angeblichen Polizisten kamen, legte sie die Münzsammlung zur Abholung vors Haus. Als die „richtige Polizei“ etwa 30 Minuten später vom Sachverhalt unterrichtet wurde, hatten die Gauner bereits zugeschlagen und die Sammlung abgeholt.

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Jochen Katzmann, der neue Kripochef in Waiblingen, über „Anrufstraftaten“, wie die Betrugsmasche im Polizeijargon genannt wird. Woche für Woche werden der Polizei neue Fälle gemeldet. Immer neue Tricks lassen sich die Betrüger einfallen, um Seniorinnen und Senioren reinzulegen. Oft reicht auch die 08/15-Masche, mit der sie Ängste vor Einbrechern wecken. So Ende November bei einem spektakulären Betrugsversuch im Rems-Murr-Kreis, den der Sohn eines Seniors jedoch in letzter Minute vereitelte. Es ging um sage und schreibe 400 000 Euro. Sein betagter Vater hatte bereits Geld und Wertsachen bei der Bank abgehoben. Falsche Polizisten hatten ihm weisgemacht, dass sein Geld nach Einbrüchen in der Nachbarschaft auf der Bank nicht mehr sicher sei. Glücklicherweise kamen dem Senior doch Zweifel auf und er kontaktierte seinen Sohn.

Achtung! Einbrecher sind unterwegs

Weniger Glück hatte eine Seniorin aus Waiblingen wenige Tage später. Sie fiel auf die Einbruchsmasche der dreisten Telefonbetrüger herein und legte Bargeld und Schmuck im Wert von 50 000 Euro vor die Haustür. Die Betrüger behaupten, ihr Name sei auf einer Liste aufgetaucht, die bei Einbrechern gefunden wurde. Ihre Wertgegenstände seien nicht mehr sicher.

Der Trick mit der Notrufnummer 110

Den weiten Weg von München bis Fellbach hat ein betagtes Ehepaar im Oktober auf sich genommen, um Betrügern mehr als 20 000 Euro und einige Schmuckstücke zu übergeben. Sie waren einer raffinierten Telefonmanipulation erlegen. Um ihre Opfer in Sicherheit zu wiegen, hatten die falschen Polizisten das Ehepaar aufgefordert, während des Telefonates direkt die Notrufnummer 110 zu wählen. Doch Achtung: Das klappt nicht, solange die andere Telefonverbindung besteht! Raffiniert meldeten sich die Betrüger mit „Notrufzentrale München“. Die Senioren waren sich nun sicher, mit der echten Polizei zu sprechen. Tatsächlich aber waren sie nur innerhalb des Betrügerkreises weiterverbunden worden.

Falsche Hintergrundgeräusche

Kripochef Jochen Katzmann kennt diesen und viele andere Tricks, wie falsche Polizisten versuchen, ihre Opfer in Sicherheit zu wiegen. So spielen sie während ihrer Telefonate mit Senioren in Deutschland Geräusche ein, die sich original anhören, als stammten sie aus einem echten Führungs- und Lagezentrum. Und auch ihrer Fantasie, welche Geschichten sie erfinden, sind kaum Grenzen gesetzt.

Im Jahr 2019 war die Zahl der Betrugsdelikte im Rems-Murr-Kreis um fast 20 Prozent auf mehr als 3300 Fälle gestiegen. Was vor allem auf „Besondere Betrugsmaschen“ zurückzuführen ist, zu denen die Kripo außer den falschen Polizisten auch den sogenannten Enkeltrick zählt, bei dem sich Anrufer als Angehörige in Not ausgeben. 2019 waren die Fallzahlen im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen auf fast 1000 Fälle geradezu explodiert.

Fremdzugriff auf den PC

Auf welch raffinierte Tricks die Betrüger verfallen, zeigt dieser Fall vom März 2020. Im Stuttgart ist es falschen Polizisten am Telefon gelungen, einen 85-Jährigen zu überreden, ihnen Fremdzugriff auf seinen PC zu gewähren. Der Anrufer hatte behauptet, in der Nachbarschaft sei eingebrochen worden. Nun müsse das Konto des Seniors überprüft werden. Der Anrufer forderte den 85-Jährigen auf, das Online-Banking-Programm zu öffnen. Via Fremdzugriff gelang es den Betrügern, mehrere Zehntausend Euro vom Konto des Mannes abzubuchen. Mit der Abwandlung des Falsche-Polizisten-Tricks wollen Betrüger das für sie riskante Abholen von Geld und Wertsachen an der Haustüre vermeiden.

Falsche Bankmitarbeiter

Im Herbst hat die Kreissparkasse vor dieser neuen Betrugsmasche gewarnt. Nach Enkeltrick und falschen Polizeibeamten geben sich Betrüger als Mitarbeiter von Banken und Sparkassen aus, entlocken ihren Opfern Informationen zu ihren Konten und Zugangsdaten. Bis die betrogenen Kunden den Schwindel bemerken, ist das Konto, auf das ihr Geld transferiert worden war, schon leer geräumt.

Tipps von der richtigen Polizei

Die Polizei warnt nach den jüngsten Fällen und rät Senioren zur Vorsicht:

  • Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung.
  • Fordern Sie von angeblichen Amtspersonen, zum Beispiel Polizisten, den Dienstausweis.
  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben. Wichtig: Lassen Sie den Besucher währenddessen vor der abgesperrten Tür warten.
  • Erreicht Sie ein solcher Anruf, seien Sie misstrauisch und sprechen Sie darüber mit Angehörigen oder Vertrauenspersonen.
  • Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge oder Wertgegenstände bitten.
  • Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.
  • Und das Wichtigste! Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen.

Erneut ist eine Seniorin Opfer von falschen Polizisten geworden. Die 90-Jährige aus Winnenden hat den Betrügern ihre Münzsammlung im Wert von rund 30 000 Euro überlassen. Die angeblichen Polizisten hatten am Dienstag gegen 18 Uhr bei der Frau, die im Süden Winnendens wohnt, angerufen. Der Anruf wurde allerdings von der Tochter, die ebenfalls bereits im Rentenalter ist, entgegengenommen. Dieser erzählten die Betrüger die übliche Geschichte, dass in der Nachbarschaft eingebrochen worden und

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