Rems-Murr-Kreis

Sexueller Missbrauch von Kindern: Haftstrafe für Jugendtrainer aus Fellbach

Portrait von Justizbeamten, die beim Gericht die Angeklagten reinführen, etc... Herr Rösch und Rohrwasser Amtsgericht Waiblingen
Symbolbild. © Habermann/ZVW

Fünf Jahre und vier Monate Haft für den ehemaligen Fellbacher Handballtrainer, der damit des Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in mehr als 500 Fällen schuldig gesprochen ist. Der aufsehenerregende Fall am Stuttgarter Landgericht ist zu Ende. Der Mann bleibt im Gefängnis, er trägt außerdem die Kosten des gesamten Verfahrens, auch die Kosten der Nebenkläger. Richter Dr. Johannes Steinbach suchte mit seinem Urteil die Mitte zwischen der Forderung der Staatsanwaltschaft und dem Wunsch der Verteidigung.

Einige der Opfer waren erst 13 Jahre alt und gelten damit rechtlich als Kinder

Mehr als 500-mal hat sich der ehemalige Fellbacher Handball-Jugendtrainer an insgesamt acht seiner jungen Sportler vergriffen. Teilweise waren die Jungs erst 13 Jahre alt, teilweise 14 Jahre und älter. Entsprechend werden die Taten mal schwerer, mal weniger schwer gewertet. Die vom Gericht verfolgten Taten, so hieß es bei der Urteilsverkündung, verübte der Mann zwischen 2006 und 2019. Wobei die Strafkammer die Verfolgung von 50 weiteren Tatvorwürfen aus „verfahrensökonomischen Gründen“ eingestellt habe. Außerdem fand die Polizei bei der Hausdurchsuchung im Jahr 2021 kinderpornografisches Material. Die Staatsanwaltschaft forderte für diese Vergehen sechs Jahre Haft. Die Verteidigung des Handballtrainers ging zwar ebenfalls von einer Haftstrafe aus, bat allerdings um nicht mehr als fünf Jahre.

Dem Richter am Landgericht ging die Urteilsbegründung nicht leicht von den Lippen

Richter Dr. Johannes Steinbach kam die Begründung für sein Urteil nicht leicht und flüssig über die Lippen: Die Tat falle „etwas aus dem Rahmen“, erklärte er. Besonders negativ wirke sich der sehr lange Zeitraum aus, in dem der 53 Jahre alte Angeklagte die Abhängigkeit der Jungen ausgenützt und sie zu sexuellen Handlungen genötigt habe, und es ihm auch noch gelungen sei, alles geheim zu halten. Aber: Das Gericht müsse oft über noch schwerwiegendere Taten urteilen.

In diesem Fall habe es sich um gegenseitiges Masturbieren, teilweise auch um Oralverkehr gehandelt. Die überwiegende Anzahl der Opfer sei 13 Jahre alt und damit noch Kind gewesen. Diese Taten seien auf jeden Fall strafbar. Andere Opfer seien jedoch schon 14 Jahre und älter gewesen: Womöglich müssten die Taten in diesen Fällen als „einvernehmlich“ bezeichnet werden. Wobei Richter Steinbach betonte, dass der Angeklagte Druck auf die Jugendlichen ausgeübt hatte: Die Opfer hätten im Verein weiterkommen wollen. Dafür sei der Handballtrainer wichtig gewesen. Ein Zeuge habe das so beschrieben: Wenn er nicht machte, was der Trainer wünschte, dann fürchtete er, womöglich nicht mehr gefördert zu werden.

Der Täter bezeichnete seine Übergriffe als „Knuddeln“

Der Handballtrainer bezeichnete, so Richter Steinbach, seine Übergriffe als „Knuddeln“. Das forderte er wohl teils aufbrausend, teils bettelnd ein. Manchmal gab es „Geschenke“, womit die Tat als „sexuelle Handlung gegen Entgelt“ zu werten sei. Wobei kein Geld geflossen sei.

Der psychiatrische Gutachter, den das Gericht hinzugezogen hatte, bezeichnete den Angeklagten als voll schuldfähig. Er leide unter keiner psychischen Erkrankung, die die Taten erklären könne und die Strafe damit zu mindern habe. Der Mann habe eine „pädophile Neigung“, die sich auf Jungen in der Pubertät und im Heranwachsen richte.

Der Richter und die Kammer entschieden sich daher für den Strafvollzug und gegen den Maßregelvollzug, also gegen die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung. In Bezug auf die „Gefährlichkeit“ des Täters sehe der Gutachter „keine wesentlich erhöhte Rückfallgefahr“. Eine „gewisse Rückfallgefahr“ gebe es bei allen Straftätern.

Zugunsten des Angeklagten spräche, so sagte Richter Steinbach, dass er die Taten von Anfang an vollständig eingeräumt habe. Das habe das Verfahren verkürzt und einigen Opfern die Aussage vollständig erspart. Andere Opfer wurden zwar als Zeugen geladen, waren jedoch nicht gezwungen, Details zu erzählen. Der Angeklagte habe sich außerdem allgemein entschuldigt und zusätzlich versucht, mit den Opfern persönlich zu sprechen und sich persönlich zu entschuldigen. Das allerdings hätten, so Richter Steinbach, nur wenige gewollt.

Die Opfer bekommen Schmerzensgeld: Die Summe liegt über dem Üblichen

Am Tag der Urteilsverkündung wurde noch zu Protokoll gegeben, dass ein Opfer den Täter-Opfer-Ausgleich ablehnt. Dennoch sei er vom Täter angeboten worden. Es sei auch zu einem Vergleich gekommen: Die Opfer bekommen Schmerzensgeld. Die Summe liege über dem Rahmen des üblicherweise in solchen Fällen Gezahlten.

Gegen das Urteil kann innerhalb von einer Woche Revision eingelegt werden.

Fünf Jahre und vier Monate Haft für den ehemaligen Fellbacher Handballtrainer, der damit des Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in mehr als 500 Fällen schuldig gesprochen ist. Der aufsehenerregende Fall am Stuttgarter Landgericht ist zu Ende. Der Mann bleibt im Gefängnis, er trägt außerdem die Kosten des gesamten Verfahrens, auch die Kosten der Nebenkläger. Richter Dr. Johannes Steinbach suchte mit seinem Urteil die Mitte zwischen der Forderung der Staatsanwaltschaft und dem Wunsch der

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