Rems-Murr-Kreis

So halten wir im Rems-Murr-Kreis das Coronavirus im Zaum

Lüften  im Herbst
Fenster auf! Auch in der kalten Jahreszeit müssen Räume gut gelüftet werden. © Alexandra Palmizi

Erfroren sind schon viele, aber erstunken ist noch keiner. Deutsches Sprichwort

Deutschland, Baden-Württemberg und der Rems-Murr-Kreis sind umzingelt von roten Zonen. Dass das Coronavirus auch den Landkreis nicht verschont, zeigt der Blick auf die Infektionszahlen – und auf die täglich länger werdende Liste von Schulen und Kindertagessstätten, in denen Klassen und Kita-Gruppen nach einer Ansteckung zu Hause bleiben müssen. Je kühler die Temperaturen draußen, desto mehr verlagert sich das Leben wieder nach drinnen. Die AHA-Regel wird deshalb um ein L ergänzt: Lüften, lüften, lüften.

Das Gesundheitsamt macht für die zunehmenden Infektionszahlen die Reiserückkehrer verantwortlich, aber auch private Feiern. Jüngst haben die Bundesregierung und die Länderchefs die Teilnehmerzahl bei privaten Feiern auf maximal 25 Teilnehmer und bei Feiern in öffentlichen Räumen auf 50 Teilnehmer beschränkt, wenn örtlich ein hohes Infektionsgeschehen im 7-Tages-Verlauf erreicht wird. Steigt das Infektionsgeschehen weiter, gelten geringere Teilnehmerzahlen. In Baden-Württemberg gilt seit Dienstag Alarmstufe 2. Zum einen sollen die Vorgaben der Abstands- und Hygieneregeln mehr kontrolliert werden, zum anderen appelliert die Regierung an die Bevölkerung, das Coronavirus ernst zu nehmen. Der Nachbarlandkreis Esslingen hat die Marke von 50 Infektionen je 100 000 Einwohner gerissen und gilt als Risikogebiet.

In den Rems-Murr-Kliniken nehme die Zahl der Covid-Patienten wieder zu, teilt das Landratsamt mit. Das Gesundheitsamt ruft die Bürger auf, weiterhin die Abstands- und Hygieneregeln sowie die Alltagsmaskenpflicht (AHA-Regeln) einzuhalten. Jetzt im Herbst ist dabei laut Robert-Koch-Institut mit Blick auf die Aerosole auch das regelmäßige Lüften von Räumen besonders wichtig.

Landrat Dr. Richard Sigel sagt: „Wir haben dieses Jahr gelernt, was wir tun können, um der Ausbreitung der Pandemie entgegenzuwirken. Dies zu beachten, darauf kommt es an – und darum bitte ich die Bürgerinnen und Bürger.“ In der kühlen Jahreszeit könne die Situation auch leicht kippen. „Wir haben bereits wieder erste Fälle im Bereich der Seniorenheime und auch in den Rems-Murr-Kliniken werden aktuell fünf Covid-Patienten behandelt.“ Und beinahe täglich treten neue Fälle in Kindergärten und Schulen auf.

Welche Regeln sind bei einer Infektion zu beachten?

Um die Verbreitung des Virus zu mindern, ist es entscheidend, dass die Quarantäneregeln eingehalten werden, so das Gesundheitsamt:

  • Wer positiv auf das Coronavirus getestet wurde, muss für zehn Tage in Quarantäne. Die engen Kontaktpersonen im Umfeld werden unmittelbar ermittelt und kontaktiert.
  • Bei Schulen und Kitas muss in der Regel nur die Klasse beziehungsweise Gruppe in Quarantäne. Das hängt im Einzelfall von der Einhaltung der AHA+L-Regeln ab.
  • Wer als enge Kontaktperson eines positiv Getesteten (Kontaktperson ersten Grades) eingestuft wird, muss wegen der Inkubationszeit für 14 Tage in Quarantäne. Kontaktpersonen von Kontaktpersonen müssen in der Regel nicht in Quarantäne. Das gilt auch für Ehepartner und Geschwister.
  • Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, muss sich beim Ordnungsamt der Wohnortgemeinde melden und für 14 Tage in Quarantäne. Nur durch ein negatives Testergebnis kann die Quarantäne beendet werden.

Was tun bei Symptomen?

Eine Covid-19-Erkrankung lässt sich an folgenden Symptomen erkennen:

  • „Wenn Sie akute respiratorische Symptome jeder Schwere haben und/oder über den Verlust von Geruchs-/ Geschmackssinn klagen, vermeiden Sie unnötige Kontakte und bleiben Sie zu Hause, empfiehlt das Gesundheitsamt.“
  • „Falls Sie ärztliche Hilfe benötigen, kontaktieren Sie telefonisch Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt. Wenn die Praxis geschlossen ist, können Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden (116 117). Das gilt auch, wenn Sie die Corona-Warn-App nutzen und diese Sie zum Test auffordert.“
  • Der Abstrich erfolgt anschließend entweder beim Hausarzt, bei einer der Schwerpunktpraxen im Kreis oder in der Fieberambulanz an der Rems-Murr-Klinik Schorndorf (Corona-Ambulanz). Diese ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet und kann nach telefonischer Voranmeldung über die zentrale Rufnummer 116 117 aufgesucht werden. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hat auf ihrer Homepage (www.kvbawue.de) eine Karte mit allen Abstrichstellen und Schwerpunktpraxen zur Verfügung gestellt, dort finden sich auch die Kontaktdaten aller Schwerpunktpraxen im Rems-Murr-Kreis.

Was gilt am Arbeitsplatz, in Schulen und bei der Kinderbetreuung?

Unabhängig von den Quarantäne-Regelungen gilt die Verantwortung eines jeden Einzelnen, schreibt das Landratsamt. Im Zweifelsfall sei es ratsam, Kontakte – vor allem zu Risikogruppen – zu minimieren.

  • Viele Arbeitgeber bitten ihre Mitarbeiter darum, mit für das Coronavirus typischen Symptomen nicht zur Arbeit zu kommen. Möglich ist auch, dass Arbeitgeber eine Maskenpflicht im Betrieb anordnen, freilich muss dies verhältnismäßig sein und beispielsweise auf Bereiche mit Kundenverkehr beschränkt sein.
  • Für Schüler gilt aktuell keine Präsenzpflicht. Das heißt, Eltern können im Zweifel in der Schule Bescheid geben, dass ihr Kind zu Hause lernt. Das gilt etwa dann, wenn man einschlägige Symptome hat, sich testen lässt und auf das Ergebnis wartet.

Kann mein Kind bei Schnupfen in den Kindergarten oder in die Schule?

Schnupfen ohne weitere Krankheitszeichen sowie leichter oder gelegentlicher Husten beziehungsweise Halskratzen sind keine Gründe, Kinder vom Schulbesuch fernzuhalten. Das Landesgesundheitsamt definiert die Krankheits- und Erkältungssymptome einer möglichen Covid-19-Infektion wie folgt:

  • Fieber ab 38,0˚C (korrekte Temperaturmessung),
  • trockener Husten, der nicht durch chronische Erkrankung verursacht wird, wie zum Beispiel Asthma,
  • Störung des Geschmacks- oder Geruchssinns (nicht als Begleitsymptom eines Schnupfens).

Wenn diese Symptome auf eine Covid-19-Erkrankung hindeuten, entscheidet der Arzt, ob ein Test vorgenommen wird oder nicht. Erfolgt kein Test, so kann das Kind wieder in die Schule oder Kita, sobald es einen Tag fieberfrei und in einem gutem Allgemeinzustand ist. „Für Eltern zur Orientierung: So, wie mein Kind gestern war, hätte es in die Kita oder Schule gehen können, also darf es heute wieder gehen.“ Gesunde Geschwisterkinder, die nicht einer Quarantäne unterliegen, dürfen Schule und Kita uneingeschränkt besuchen.

Was tun, wenn ein Kind oder Jugendlicher positiv getestet wurde?

Hat der Haus- oder Kinderarzt einen Corona-Test angeordnet, so muss das Kind zu Hause bleiben, bis das Ergebnis vorliegt. War das Ergebnis positiv, so bleibt das Kind in Quarantäne. Diese endet, wenn der Patient mindestens 48 Stunden symptomfrei ist, frühestens aber zehn Tage nach Beginn der Symptome.

Was passiert bei einem Infektionsfall in einer Kita und Schule?

Bei einem bestätigten Infektionsfall von Covid-19 gilt laut Landratsamt folgendes Vorgehen für eine Schule oder Betreuungseinrichtung:

  • Umgehende Kontaktaufnahme mit dem Gesundheitsamt (E-Mail: corona@rems-murr-kreis.de mit dem Betreff: „EILT! Schulfall/Kitafall/KiGafall – Bitte Rückruf!“).
  • Information des Schul- oder Kita-Trägers sowie bei Schulen zusätzlich das Staatliche Schulamt: „Mobile Erreichbarkeit unbedingt angeben!“
  • Schul- beziehungsweise die Einrichtungsleitung entscheidet über die Schließung der Klasse oder Gruppe und veranlasst die Tests der betroffenen Klasse/Gruppe. „Es gilt ein Betreuungs-/Arbeitsverbot für die betroffene Person.“

Wie das Landratsamt weiter mitteilt, werde der Kreis im Sinne einer schnellen und effektiven Testung immer der gesamten Klasse oder Gruppe ein freiwilliger Test angeboten, der zentral organisiert wird.

Das Sprichwort, es seien schon viele Menschen erfroren, aber nie jemand erstunken, muss unter Corona-Bedingungen unter neuen Gesichtspunkten diskutiert werden. Denn regelmäßiges und sorgfältiges Lüften von Räumen zählt zu den Vorsichtsmaßnahmen, um Infektionen zu vermeiden.

Erfroren sind schon viele, aber erstunken ist noch keiner. Deutsches Sprichwort

Deutschland, Baden-Württemberg und der Rems-Murr-Kreis sind umzingelt von roten Zonen. Dass das Coronavirus auch den Landkreis nicht verschont, zeigt der Blick auf die Infektionszahlen – und auf die täglich länger werdende Liste von Schulen und Kindertagessstätten, in denen Klassen und Kita-Gruppen nach einer Ansteckung zu Hause bleiben müssen. Je kühler die Temperaturen draußen, desto mehr verlagert sich

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