Rems-Murr-Kreis

So lief die Sonder-Impfaktion in der Praxis von Dr. Jens Steinat, und: Tipps für Impfwillige, die nicht drankamen

2020-09-17_14_55_23-kreis@zvw.de_-_Gesendete_Elemente_-_kreis@zvw.de_-_Outlook
Dr. Jens A. Steinat, in Oppenweiler niedergelassener Arzt und Pandemiebeauftragter des Rems-Murr-Kreises.

Während an diesem Sonntag (9.5.) Tausende anstanden am großen "Astrazeneca-Impftag" ohne Termin auf dem Freiburger Messe-Gelände, ging es bei der Sonder-Impfaktion mit vorheriger Termin-Vergabe des Ärzte-Ehepaars Dres. Jens und Daniela Steinat in ihrer Arztpraxis in Oppenweiler beschaulich zu. „Wir konnten alle am Samstag und am Sonntag terminierten Impfungen vornehmen und waren am Sonntag 13 Uhr fertig", sagt Dr. Jens Steinat. "Alle, die angemeldet waren, sind gekommen. Über 50 Prozent davon sind keine eigenen Patienten von uns, sondern hatten sich auf unseren Aufruf hin per Mail bei uns gemeldet. Größtenteils alle aus dem Rems-Murr-Kreis. Wir hatten aber auch zwei Impfberechtigte aus Gärtringen und Stuttgart da“, sagt Dr. Jens Steinat. Insgesamt haben die Steinats am Wochenende 48 über 60-Jährige mit im Praxisbetrieb übrig gebliebenen Astrazeneca-Dosen geimpft.

Die Impf-Priorisierungen sind für Astrazeneca-Impfungen in den Arztpraxen zwar aufgehoben, die Steinats hatten sich aber trotzdem bewusst dafür entschieden, eine Astrazeneca-Sonderimpfaktion für Ü-60-Jährige zu machen.  "Auf Grund der doch hohen Nachfrage impfen wir zum momentanen Zeitpunkt erst einmal die über 60-jährigen. Wir bitten herzlichst um Ihr Verständnis", hatte in der Ankündigung der Sonderimpfaktion auf der Steinat'schen Praxis-Homepage gestanden. 

„Wir hatten viel Zeit für die Aufklärung über die seltenen Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffs eingeplant. Das lief aber sehr unkompliziert und weniger zeitaufwendig als gedacht. Es wussten ja alle, die kommen, dass es um eine Astrazeneca-Impfung geht, sie hatten sich ja explizit darum beworben“, so Jens Steinat. Natürlich musste bei jeder, bei jedem im Aufklärungsgespräch erörtert werden, welche Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahmen vorliegen.

„Impfwillige, die Blutgerinnungsmittel einnehmen, müssen beispielsweise aufgeklärt werden, dass die Einstichstelle der Impfnadel länger abgedrückt werden muss, um eine Blutung bestmöglich zu verhindern. Das wäre aber bei jeglicher Impfung der Fall. Wer hingegen bestimmte Psychopharmaka einnimmt, muss wissen, dass der Astrazeneca-Wirkstoff diese verstärken könnte und es zu erhöhten Spiegeln im Blut kommen kann, die toxisch wirken. Einen Impfwilligen mit Allergien behielten wir zu Beobachtung lieber noch eine halbe Stunde in der Praxis. Es ist aber alles gutgegangen“, sagt Jens Steinat.

All jenen, die sich um einen Termin der Wochenend-Sonderimpfaktion beworben hatten, hätten er und seine Frau auch geantwortet und darum gebeten, die Kontaktdaten behalten zu dürfen, um sie bei möglicherweise folgenden weiteren Sonder-Impfaktionen kontaktieren zu können. „Einige konnten wir zudem ans Kreisimpfzentrum vermitteln, weil dort spontan einige entweder nicht zu einem Impftermin erschienen waren oder dann doch kein Astrazeneca wollten.“

Am kommenden Samstag, 15. Mai, sind bereits alle 24 Termine für eine Folge-Sonder-Impfaktion mit übrigem Astrazeneca in der Steinat’schen Praxis vergeben. Bis die Steinats weitere Sonder-Impfaktionen starten, das dauere noch. „Wir haben extrem viel zu tun mit dem Regelbetrieb der Praxis, mit den Infizierten, mit den Abstrichen, mit Tests und mit dem ‘normalen’ Impfbetrieb. Und wir brauchen auch mal Zeit für unsere Kinder“, sagt Jens Steinat.

Er rate allen Impfwilligen, die Augen und Ohren offen zu halten, hin und wieder auf die Steinat’sche Praxis-Homepage zu schauen, aber auch bei anderen Arztpraxen nachzuforschen. „Es gibt immer wieder freigewordene Zusatztermine, wenn sich zu viele Patienten weigern, Astrazeneca geimpft zu bekommen. Da wird also immer wieder mal die ein oder andre Impfdose frei“, sagt Steinat.

Der Aufwand einer Sammel-Impfaktion mit 250 Impfungen ohne Termin wie jüngst in Pforzheim auf einem Edeka-Parkplatz sei immens und im Moment wohl im Rems-Murr-Kreis nicht zu stemmen.

Keine maximale Bestellmenge für Astrazeneca mehr

Die maximale Bestellmenge für die Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca hat sich geändert: Pro Arzt – in einer Gemeinschaftspraxis darf jeder dort praktizierende Arzt jeweils für seine Patienten bestellen – sind wöchentlich weiterhin zwar nur bis zu 36 Dosen Biontech bestellbar, aber theoretisch eine unbegrenzte Menge an Dosen von Astrazeneca, erläutert Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. „Das bedeutet aber nicht, dass Ärzte, die Impfdosen über die Apotheken bestellen, diese dann auch wirklich vollständig geliefert bekommen“, sagt Kai Sonntag. „Es steht auch bei Astrazeneca keinesfalls unbegrenzt viel zur Verfügung. Die Verteilungsmengen berechnen sich quasi anhand eines Algorithmus, der die Bestellmengen aller Arztpraxen einbezieht. Maximalbestellungen insgesamt können weiterhin nicht komplett abgedeckt werden.“

Im gesamten Baden-Württemberg wurden laut Corona-Impfindex des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) in der Kalenderwoche 17 (26. April bis 2. Mai) 280.712 Corona-Impfungen in Arztpraxen durchgeführt. Davon 275.807 mit Biontech und 4824 mit Astrazeneca (sowie 81 mit Moderna). Die KVBW appelliert: „Um möglichst viele Patienten impfen zu können, wird dringend empfohlen, beide Impfstoffe zu ordern.“ Mit Stand 2. Mai wurden nur 77,5 % der von Ärzten bestellten Impfstoffe auch verimpft, so das ZI. Es ist davon auszugehen, dass vor allem Astrazeneca "übrig bleibt"

Während an diesem Sonntag (9.5.) Tausende anstanden am großen "Astrazeneca-Impftag" ohne Termin auf dem Freiburger Messe-Gelände, ging es bei der Sonder-Impfaktion mit vorheriger Termin-Vergabe des Ärzte-Ehepaars Dres. Jens und Daniela Steinat in ihrer Arztpraxis in Oppenweiler beschaulich zu. „Wir konnten alle am Samstag und am Sonntag terminierten Impfungen vornehmen und waren am Sonntag 13 Uhr fertig", sagt Dr. Jens Steinat. "Alle, die angemeldet waren, sind gekommen. Über 50 Prozent

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper