Rems-Murr-Kreis

So wird der Restaurantbesuch zum Kinderspiel: Schnelltest mit knurrendem Magen und trockener Kehle

Lamm Hebsack
Das Restaurant Lamm in Hebsack ist startklar: Fabienne Lorenz und Kim Pfaue richten bereits die Terrasse her. © Gabriel Habermann

Wirte und Hoteliers samt ihren Gästen schauen gebannt auf die Sieben-Tage-Inzidenz. Liegt die fünf Werktage lang unter 100, dann dürfen Restaurants und Hotels, Biergärten und Straßencafés nach zwei zusätzlichen Tagen, die mit der öffentlichen Bekanntmachung des Landratsamts zusammenhängen, endlich wieder öffnen. Um nicht bloß Zaungast des bunten Treibens in der Gastronomie sein zu dürfen, müssen zahlreiche Vorschriften beachtet werden. Das gilt für die Gäste gleichermaßen wie für die Gastronomen.

Der Teufel liegt bekanntlich im Detail. In Sachen Öffnung des Hotel- und Gaststättengewerbes sind es sogar eine ganze Menge Teufelchen, die Fallstricke auslegen und an den Eingängen von Restaurants, Straßencafés oder Biergärten für Ärger und Verdruss sorgen können. Die Gastwirte müssen bei ihren Gästen auf zwei Punkte achten:

  • Erstens: Zutritt haben nur Gäste, die entweder einen Nachweis als „geimpft“, „genesen“ oder „getestet“ vorweisen (Ausnahme: Kinder unter sechs).
  • Zweitens: Zur Nachverfolgung von Infektionen müssen die Kontaktdaten der Gäste erfasst werden. Der Gaststättenverband Dehoga und die Gesundheitsämter setzen bei der Kontaktnachverfolgung auf die sogenannte Luca-App, aber auch die bis zum Lockdown im Herbst 2020 übliche Zettelwirtschaft ist erlaubt.

Kann man sich im Lokal quasi als Vorspeise einen Antigen-Schnelltest bestellen?

Das Hotel Restaurant Lamm in Remshalden-Hebsack ist startklar. „Wir stehen in den Startlöchern“, sagt Rezeptionschefin Claudia Pahle. „Wir könnten morgen anfangen.“ Könnten. Denn wie die Corona-Lage aktuell ausschaut, müssen die Gastwirte und Hoteliers noch bis mindestens Ende nächster Woche warten. Doch die Vorbereitungen laufen. In dieser Woche hat im Lamm bereits der Großputz begonnen. Denn in den vergangenen Wochen und Monaten hat sich eine Menge Staub in den Gaststuben niedergelegt.

Das Hebsacker Lamm gehört zu rund einem Dutzend Gastbetrieben im Rems-Murr-Kreis, die Gäste ohne aktuellen Corona-Test nicht wieder am Eingang abweisen müssen. Im Lamm sind außer der Chefin Sylvia Polinski zwei weitere Mitarbeiterinnen geschult worden, einen Antigen-Schnelltest fachmännisch zu überwachen und das Ergebnis in der Cosima-App des Rems-Murr-Kreises zu registrieren.

Wie erleichtert die RMK-Cosima-App im Rems-Murr-Kreis den Einkaufsbummel, eine neue Frisur oder den Besuch eines Restaurants?

Cosima ist zwar eine Insellösung für den Landkreis, doch wer hier lebt und nach Pfingsten zwischen Rems und Murr endlich mal wieder außer Haus ein Viertele trinken und einen schwäbischen Rostbraten genießen will, für den ist Cosima eine prima Sache. „Geschulte Dritte“ können einen Antigen-Schnelltest per App online auf dem Smartphone bestätigen. Der ist dann nicht nur fürs Mittagessen im Lamm die Eintrittskarte, sondern gilt 24 Stunden lang beim Friseur, beim Einkaufen oder fürs Feierabendbier im Straßencafé.

Wie wird bei einem Gaststättenbesuch kontrolliert, wer geimpft, genesen oder getestet ist?

Wer nicht geimpft oder genesen ist - und das ist noch immer die große Mehrheit! –, für den wird der ersehnte Gaststättenbesuch zum Hindernislauf. Die Corona-Verordnung schreibt klipp und klar vor, dass der Zutritt nur mit einem negativen Testergebnis erlaubt ist. Mit einem Selbsttest mit einem gekauften Kit aus dem Drogerie- oder Supermarkt ist es nicht getan. Notwendig ist ein Antigenschnelltest aus einem der rund 160 Testzentren im Rems-Murr-Kreis, der von medizinisch geschultem Personal durchgeführt wurde und beispielsweise in der Luca-App hinterlegt ist. Oder aber ein Schnelltest, der unter Aufsicht eines geschulten Dritten erfolgte. Stichwort: RMK-Cosima. Die App ließ das Landratsamt eigens für Schulen und Betriebe entwickeln, um beaufsichtigte Schnelltests zu dokumentieren sowie positive Ergebnisse automatisch an das Gesundheitsamt weiterzuleiten.

„Es wird nicht einfach werden“, sagt Michael Matzke, Vorsitzender des Gaststättenverbandes Dehoga im Rems-Murr-Kreis. Der Aufwand für die Gastwirte ist beträchtlich, die Regeln der Corona-Verordnung zu kontrollieren. Harry Auwärter, dem Wirt des Restaurants „Hirsch“ in Schorndorf-Schlichten, stehen bereits die Haare zu Berge beim Gedanken, wie er alle Gäste überprüfen soll, die auf ihrer Radtour oder ihrer Wanderung über den Schurwald in seinem Biergarten Station machen und auf die Schnelle ihren Durst mit einem Radler oder einem Apfelsaftschorle löschen wollen. „Das ist ein Problem.“

Wie wird anderswo ein Schnelltest kontrolliert?

Inzwischen gibt es fast einen Wildwuchs, wie ein Test nachgewiesen wird. Der Rems-Murr-Kreis setzt auf die RMK-Cosima-App. Die Stadt Tübingen setzte bei ihrem Modellversuch auf Armbändchen für die einmal getesteten Besucher. Auch der Landkreis Böblingen, wo die Gastronomie bereits seit Tagen läuft, stattet nach dem Schnelltest die Leute mit einem Armband mit QR-Code aus, mit dem Restaurants, Läden oder Museen dann vor dem Eintritt das Ergebnis auslesen können. Persönliche Daten werden – im Gegensatz zur RMK-Cosima-App – über den Code nicht gespeichert, sondern nur der Zeitpunkt und das Testergebnis.

Die zweite große Baustelle für Gastronomen betrifft die Kontaktnachverfolgung, zu der die Gastwirte verpflichtet sind. Die Erfahrung bis Herbst 2020 hat gelehrt, dass die Gäste die Pflicht, ihre Kontaktdaten zu hinterlassen, mehr oder minder ernst genommen haben. Und selten genug hat ein Wirt einen Donald Duck aus dem Dagobertweg 13 in Entersbach seines Lokals verwiesen, sondern die Scherzkekse schulterzuckend bedient.

Gibt es eine bessere Alternative zur Zettelwirtschaft, mit der die Kontaktdaten der Gäste erfasst wurden?

Inzwischen gibt es anstelle der Zettelwirtschaft eine digitale Alternative, die Luca-App. Einmal auf dem Smartphone installiert, kann sich der Gast überall unbürokratisch registrieren lassen. Der Rems-Murr-Kreis war bei der Entwicklung als Modellregion dabei. „Die App bietet eine schnelle und lückenlose Kontaktnachverfolgung, erstellt automatisch eine persönliche Kontakt- und Besuchshistorie und ermöglicht im Infektionsfall eine verschlüsselte und sichere Kontaktdatenübermittlung an das Gesundheitsamt“, so das Landratsamt. Datenschützer haben zwar die Stirn gerunzelt. Die Alternative sind jedoch Stapel von Papieren, auf denen Kunden ihre Daten hinkritzeln.

Wirte und Hoteliers samt ihren Gästen schauen gebannt auf die Sieben-Tage-Inzidenz. Liegt die fünf Werktage lang unter 100, dann dürfen Restaurants und Hotels, Biergärten und Straßencafés nach zwei zusätzlichen Tagen, die mit der öffentlichen Bekanntmachung des Landratsamts zusammenhängen, endlich wieder öffnen. Um nicht bloß Zaungast des bunten Treibens in der Gastronomie sein zu dürfen, müssen zahlreiche Vorschriften beachtet werden. Das gilt für die Gäste gleichermaßen wie für die

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