Rems-Murr-Kreis

Sollen Ungeimpfte Coronatests künftig selbst bezahlen?

3G Veranstaltung
Die 3-G-Regel (getestet, genesen oder geimpft) wird uns noch einige Zeit begleiten. © Gabriel Habermann

Getestet, geimpft oder genesen: Die 3-G-Regel könnte bald wieder Pflicht für den Besuch eines Restaurants, einer Kneipe oder einer Veranstaltung werden, falls die Inzidenz wieder steigt. Sollten Ungeimpfte dann ihre Tests selber zahlen müssen? Sowohl der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, haben sich für eine Kostenpflichtigkeit von Corona-Tests für Impfunwillige ausgesprochen.

Christina Stumpp (CDU): Impfskeptiker sollten Tests selber zahlen

„Im Falle von Impfskeptikern halte ich es für vertretbar, dass diese, sobald jeder, der sich impfen lassen möchte, ein Impfangebot erhalten hat, die Kosten selbst bezahlen müssen“, sagt die CDU-Bundestagskandidatin Christina Stumpp. Wer nicht geimpft ist, werde noch einige Zeit damit leben müssen, dass er sich, insbesondere bei steigenden Inzidenzen, testen lassen muss.

Impfen sei langfristig die einzige Möglichkeit, „um trotz Virus wieder zur Normalität zurückkehren zu können, wie wir sie vor der Pandemie kannten“, so Stumpp. Eine Impfpflicht lehnten sie und ihre Partei allerdings ab. Man müsse stattdessen weiterhin für das Impfen werben und informieren, um die Impfbereitschaft zu erhöhen.

Sie gehe davon, dass sich die Mehrheit der Menschen impfen lassen werden. Bei den Ungeimpften müsse künftig klar unterschieden werden zwischen Personen, die eventuell aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, und Impfskeptikern. Es bedürfe einer Regelung, die irgendwann in einem nächsten Schritt, trotz zahlreicher Impfangebote immer noch ungeimpften Impfskeptikern vorschreiben müsste, Coronatests selbst zu bezahlen, sagt Stumpp. „Die anderen Ungeimpften könnten zum Beispiel Atteste oder bestimmte Bestätigungen vorlegen.“ So blieben die Impfskeptiker im Ausschlussverfahren übrig, sagt Stumpp.

Stephan Seiter (FDP): „Wir brauchen positive Beispiele von Geimpften“

Skeptischer ist da FDP-Bundestagskandidat Prof. Dr. Stephan Seiter: „Einen Impfgegner, der extrem gegen das Impfen allgemein eingestellt ist, den werden Sie auch mit der Einführung einer Kostenpflichtigkeit von Coronatests nicht überzeugen, sich impfen zu lassen.“ Der entscheide dann eher, „wenn das was kostet, mache ich das halt nicht und gehe nicht ins Restaurant, ins Kino oder zu einer Veranstaltung.“ Androhungen einer Kostenpflichtigkeit hält Seiter deshalb für kontraproduktiv.

Stattdessen brauche es jetzt Überzeugungsarbeit, Aufklärung, Information und noch mehr niederschwellige Impfangebote, um die Impfquote zu steigern. „Es gibt ja immer noch viele Leute, die wissen unter Umständen gar nicht, dass sie schon impfberechtigt sind und wie und wo sie ihre Corona-Impfungen bekommen.“

Jetzt im Sommer sei eine Leichtigkeit ins gesellschaftliche Leben zurückgekehrt, die viele einfach an was anderes als an Corona und das Impfen denken lassen. „Vielleicht müssen wir sogar Anreize schaffen, etwa wie in den USA, wo unter Geimpften Dinge verlost werden.“ Nicht zuletzt müssten die positiven Effekte der Impfung betont werden. „Wir brauchen positive Beispiele von Geimpften, die in der Öffentlichkeit erläutert werden. Da kursieren ja noch die wildesten Gerüchte“, sagt Seiter.

Anne Kowatsch (Grüne): „Auch Geimpfte können weiter Tests benötigen“

Die Grünen-Bundestagskandidatin Anne Kowatsch wird noch deutlicher: „Testangebote müssen für alle kostenlos bleiben.“ Um Kosten zu sparen, könne man jedoch darüber diskutieren, dass die Testinfrastruktur etwas ausgedünnt wird. „Einem Ungeimpften ist sehr wohl zuzumuten, dass er für einen kostenlosen Test längere Wege in Kauf nehmen muss.“ Eine gewisse Testinfrastruktur müsse jedoch grundsätzlich erhalten bleiben, unabhängig von der Impfquote. „Auch Geimpfte werden künftig unter Umständen Tests benötigen. Insbesondere bei größeren Veranstaltungen und Events“, sagt Kowatsch. „Tests sind ein solidarischer Akt, so sollte auch die Gesellschaft grundsätzlich dafür zahlen, über Steuergelder.“ Die Einführung einer Kostenpflichtigkeit wäre eine Impfpflicht durch die Hintertür, und die dürfe es nicht geben.

„Wir sollten die Gräben nicht vertiefen, sondern aufeinander zugehen und Lagerbildungen vermeiden, die Gesellschaft wieder zusammenbringen und das Schwarz-Weiß-Denken überwinden.“ Wer sich nicht impfen lassen möchte, habe ganz eigene individuelle Gründe, die auch verständlich sein können. „Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die meisten nicht grundsätzlich keine Lust aufs Impfen haben, sondern die meisten sich nach und nach jetzt impfen lassen werden“, sagt Anne Kowatsch.

Urs Abelein (SPD): Sind die Coronamaßnahmen noch gerechtfertigt?

„Noch viel mehr Freiwilligkeit“, dafür spricht sich der SPD-Bundestagskandidat Urs Abelein aus, der sogar die Testpflicht infrage stellt. „Der Grund für die Testpflicht war doch, vulnerable Gruppen zu schützen. Mittlerweile haben diese alle die Möglichkeit gehabt, sich impfen zu lassen. Außer vielleicht Schwangere.“

Abelein appelliert: „Wir müssen den Menschen Verantwortung zurückgeben. Bei vielen der Coronamaßnahmen muss die Frage gestellt werden, sind sie überhaupt noch gerechtfertigt? Die Maßnahmen haben viele Menschen getroffen, auch psychisch. Und jetzt wird ihnen schon wieder gedroht.“  Verschiedene Wissenschaftler bezweifelten mittlerweile, dass es Herdenimmunität jemals geben könne. Wer für sich kein Problem darin sehe, an Covid-19 zu erkranken, der solle halt erkranken, so Abelein.

Gleichwohl sollten Warnsignale ernst genommen werden, die auf eine Überbelastung des Gesundheitssystems durch Coronakranke hinweisen. „Aber man kann die Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen.“ Eine Impfpflicht, auch eine indirekte, lehne er kategorisch ab, sagt Urs Abelein

Dehoga: „Eine Kostenpflichtigkeit für Tests würde unseren Geschäften schaden“

„Wir appellieren an Gäste und Beschäftigte im Hotel- und Gastgewerbe, von der Möglichkeit der Corona-Impfung Gebrauch zu machen“, schreiben die beiden Kreis-Vorsitzenden des Gaststättenverbands Dehoga Michael Matzke und Dietmar Haerer in einer Stellungnahme.

„Die Frage der Kostenpflichtigkeit von Tests für Ungeimpfte sehen wir dennoch kritisch – zumindest so lange 3 G staatlicherseits als Zugangsvoraussetzung zu bestimmten Angeboten im Gastgewerbe verlangt wird. Es ist zu befürchten, dass die ohnehin ausbaufähige Testbereitschaft noch weiter sinkt und in der Folge dann auch die Test-Infrastruktur zurückgefahren wird. Das hätte negative Auswirkungen auf unsere Geschäfte, in denen 3 G als Zugangsvoraussetzung verlangt wird“, so Matzke und Haerer,

Getestet, geimpft oder genesen: Die 3-G-Regel könnte bald wieder Pflicht für den Besuch eines Restaurants, einer Kneipe oder einer Veranstaltung werden, falls die Inzidenz wieder steigt. Sollten Ungeimpfte dann ihre Tests selber zahlen müssen? Sowohl der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, haben sich für eine Kostenpflichtigkeit von Corona-Tests für

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