Rems-Murr-Kreis

Sorge wegen der Gasfrage: Gibt's für Heizungs-Checks Termine im Rems-Murr-Kreis?

Gaszähler
Mitten in der Hitzewelle an die Wartung der Heizung denken? Ja, das macht in diesen Zeiten in jedem Fall Sinn. © Gabriel Habermann

Sie tun ihr Bestes, doch sie können nicht überall gleichzeitig sein: Heizungsfachleute haben mehr als genug zu tun zurzeit. Die Kundschaft macht sich Sorgen wegen der Gasfrage. Seit diesen Donnerstag liefert Russland zwar wieder Gas über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 nach Europa. Ob das so bleibt, welche Mengen die nächsten Wochen und Monate ankommen, bleibt unklar. Wie man bei eventuellen Lieferengpässen oder gar einem Lieferstopp das Gas verteilt, wer zuerst bedient wird und wer zuletzt, ist offen: Die Debatte läuft in Deutschland auf Hochtouren, und das seit Wochen, während die Fachleute vor Ort Heizungen warten, Angebote erstellen, Bestellungen aufgeben und hoffen, die Ware trifft ein, doch sie wissen nicht, wann.

"Die Heizungsfirmen tun, was in ihrer Macht steht"

Rolf Gamperling, Obermeister der Innung für Sanitär-Heizung-Klima und Klempnerei Rems-Murr und Geschäftsführer der Bohn Haustechnik GmbH & Co. KG in Winnenden, versichert, „die Heizungsfirmen tun, was in ihrer Macht steht“. Doch sie alle kämpfen mit massiven Problemen bei der Materialbeschaffung: Man kann nicht mal eben eine neue Heizung ordern, und in vier Wochen ist sie da. Das funktioniert so beim allerbesten Willen nicht. „Stücklesweise“ trudeln die Bauteile ein, unterdessen vergehen drei, vier Monate – „das ist der Wahnsinn.“ Ferner muss zuerst einen Energiefahrplan von einem kundigen Berater oder einer Beraterin ausarbeiten lassen, wer den Einbau einer neuen Anlage inklusive Wechsel der Energieart erwägt. Auch hybride, also kombinierte Heizungssysteme sind möglich. Beispielsweise könnte eine Solarkollektoranlage eine bestehende Heizung ergänzen, das Wasser erwärmen oder im Winter die Heizung unterstützen.

Das alles dauert. Noch vor der nächsten Heizperiode eine alte Gasheizung durch eine andere Anlage ersetzen zu lassen – klappt eher nicht. Auf jeden Fall sinnvoll und außerdem vergleichsweise zeitnah realisierbar ist ein Check der Heizung, versichert Rolf Gamperling. Man kann an diversen Schräubchen drehen, damit die Anlage optimal läuft und so wenig Gas verbraucht wie möglich – was nicht nur der hohen Kosten wegen anzustreben ist: Klimakrise!

Kreisverwaltung informiert nächste Woche über Stand der Vorbereitungen

Unterdessen lässt niemand die Dinge einfach laufen. Für den Fall der Fälle werden Vorkehrungen getroffen, sowohl bei der Kreisverwaltung als auch bei den Stadtwerken als auch bei den Fachbetrieben und bei der Innung. Für kommende Woche hat die Rems-Murr-Kreisverwaltung ein Statement angekündigt zum Stand der Dinge.

Wer jetzt seine Heizungsbaufirma wegen eines Wartungstermins kontaktieren will, rechne mit Wartezeit, rät Rolf Gamperling: Auch das klappt nicht von heute auf morgen, weil sämtliche Betriebe eh schon alle Hände voll zu tun haben. Drei bis vier Wochen Vorlaufzeit nennt der Innungsobermeister als realistischen Richtwert. Stammkunden haben Vorrang – wer würde das nicht so handhaben?

Lange Wartezeiten und schlicht nicht mehr planbare Preise

„Nur noch an Leute, die ich kenne“ vergibt Friedrich Mayle Termine: Anders geht’s nicht, sagt der Inhaber des gleichnamigen Welzheimer Installations- und Heizungsbaubetriebs. Seit 30 Jahren ist der Fachmann im Geschäft, doch solche Turbulenzen hat er noch nie erlebt: Lieferschwierigkeiten, Wartezeiten – und keine Planbarkeit mehr, was die Preise angeht. Für Ware, die er jetzt bestellt und vielleicht erst nächstes Jahr geliefert bekommt, kann er heute keine fixen Preise nennen: Bis dahin ändert sich alles noch ungezählte Male.

Neun Beschäftigte zählt Friedrich Mayle, und er könnte, wie momentan alle seine Kolleginnen und Kollegen, mehr Leute beschäftigen – theoretisch. Fachkräfte zaubert man nicht aus dem Hut, im gesamten Handwerk „fehlt eine ganze Generation“, sagt der 51-Jährige: „In den letzten 20 Jahren war der Beruf nicht gut angesehen.“ Aktuell findet Mayle zwar wieder eher interessierte junge Leute, die für eine Ausbildung auch die nötigen Voraussetzungen mitbringen. Doch bis der Nachwuchs alles kann, was er können muss, das dauert nun mal.

Bis Ende des Jahres ausgebucht

„Land unter“: So beschreibt Isabell Rattu von der Firma Haustechnik Schniepp in Haubersbronn die Situation. Der kleine Betrieb ist auf die Optimierung von Heizungsanlagen, insbesondere Wärmepumpen und Pellet-Anlagen spezialisiert – und „bis Ende des Jahres ausgebucht.“ Eine Wärmepumpe, berichtet Isabell Rattu, traf bisher innerhalb von zwei bis vier Wochen nach der Bestellung ein. Die aktuelle Lieferzeit: lange. Sehr lange. Unterdessen laufen täglich Mails auf in ihrem Postfach, in welchen von Teuerungszuschlägen die Rede ist. Wer heute bauen will, sagt Isabell Rattu, muss mit „totaler Unsicherheit“ umgehen können.

Auf bereits bestehenden Baustellen kommt unterdessen leicht der gesamte Ablaufplan durcheinander, nur weil zum Beispiel ein Bauteil für die Heizung fehlt, erklärt Rolf Gamperling. Ferner ist das Sanitär-Heizung-Klima-Gewerk naturgemäß des Öfteren mit Notfällen konfrontiert. Sofern ein Kunde meldet, „bei mir tropft’s Wasser aus der Wand“, kann Gamperling schlecht einen Termin für übernächste Woche vorschlagen: „Das SHK-Handwerk ist bereit, alles Menschenmögliche zu machen.“

Sie tun ihr Bestes, doch sie können nicht überall gleichzeitig sein: Heizungsfachleute haben mehr als genug zu tun zurzeit. Die Kundschaft macht sich Sorgen wegen der Gasfrage. Seit diesen Donnerstag liefert Russland zwar wieder Gas über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 nach Europa. Ob das so bleibt, welche Mengen die nächsten Wochen und Monate ankommen, bleibt unklar. Wie man bei eventuellen Lieferengpässen oder gar einem Lieferstopp das Gas verteilt, wer zuerst bedient wird und wer

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