Rems-Murr-Kreis

Sperrungen wegen der Deutschland-Tour: "Wo kann man sich beschweren?"

Deutschlandtour
Straßensperrungen am Sonntag (28.8.) wegen der Deutschland-Tour: Schaulustige freuten sich, den einen oder anderen Autofahrer nervten die Einschränkungen. © Gabriel Habermann

Gesperrte Straßen wegen eines Radrennens: Der eine oder die andere wunderte sich am Sonntag (28.8) über ungewöhnlich hohe Polizeipräsenz und mancherorts abgeriegelte Zufahrten zu Straßen. Der Grund: die Deutschland-Tour, eine Profi-Radtour, die auch durch Rems-Murr-Kommunen führte. Hobby-Radfahrerinnen und -Radfahrer konnten die Strecke ebenfalls nutzen, weshalb Autofahrer zeitweise Einschränkungen hinzunehmen hatten.

Nicht jeder Mensch liest Zeitung, weshalb nicht jede und jeder wusste, dass diesen Sonntag Straßen gesperrt sein würden. Wir hatten’s umfassend vermeldet, doch damit sind die Infos freilich noch lange nicht bei allen angekommen. Von „Versagen“ spricht gar ein Bürger, der sich am Sonntag heftigst über die Sperrungen beschwerte. Beispielsweise Pflegedienste hätten nichts gewusst, schreibt er – doch ob das wirklich zutrifft, ist nicht in Gänze nachprüfbar.

Wo gibt's Ausweichstrecken?

Entwarnung gab jedenfalls die Polizei am Sonntagnachmittag: „Wir hatten keine Probleme mit der Tour“, so eine Sprecherin. Für einen empörten Bürger, der sich ebenfalls am Sonntag an die Redaktion dieser Zeitung wandte, gilt das allerdings nicht: „Die Ordner können keine Ausweichstrecken angeben“, diese Erfahrung hatte der Betreffende am Sonntagvormittag gemacht – und „unhöflich“ seien sie außerdem gewesen.

Das wiederum kann man von einer jungen Polizistin nicht behaupten, die am Sonntagmittag an einem besonders neuralgischen Punkt Dienst schob: Das Wohngebiet Birkenäcker Süd in Bad Cannstatt war stundenlang für Autofahrer auf sonst üblichem Wege nicht mehr zugänglich, weil die Löwentorstraße komplett für die Radrennfahrer gesperrt war. Wie er denn herauskommen solle, fragte erstaunt ein Autofahrer die junge Polizistin: Zu Fuß, mit dem Rad oder der Bahn wär’s machbar, informierte die Beamtin geduldig: „Tut mir leid.“

"Wie gefährlich ist das denn"

Weit weniger empathisch reagierte ein Radprofi, der offenbar eine noch viel umfassendere Sperrung für angebracht gehalten hätte: Fußgänger konnten die Rennstrecke queren, wenngleich sie trotz grüner Ampel nicht damit rechnen konnten, sicher über die Straße gehen zu können. Mit Vollkaracho schossen die Rennteilnehmer vorbei. „Wie gefährlich ist das denn“, rief einer von ihnen bei geschätztem Tempo 40.

„So ein Spektakel“, findet der erwähnte Bürger, „und was anderes ist es meines Erachtens nicht“ – so ein Spektakel „sollte nur erlaubt werden, wenn ausgeschilderte Umgehungen existieren.“ Anschlussfrage des Betreffenden: Wo kann man sich beschweren?

Beispielsweise bei den Verantwortlichen der Deutschland-Tour: Das ist die Gesellschaft zur Förderung des Radsports.

Nicht rechtzeitig zum Flughafen gelangt?

Wer Sorge hatte, wegen der Sperrungen nicht rechtzeitig zum Flughafen, zu den Großeltern oder zur Arbeit gelangen zu können, konnte am Samstag und Sonntag bei einer Hotline anrufen. Es gab am Sonntag keine Beschwerden, dass jemand zu sehr beeinträchtigt gewesen wäre, berichtet ein Mitarbeiter der Hotline am Sonntagnachmittag auf Nachfrage: „Wir konnten nur helfen heute.“ Gemeint ist, die Beschäftigten an der Hotline verfolgten die ganze Zeit am Bildschirm, wo genau sich „das Feld“ momentan befindet, so dass sie den Anruferinnen und Anrufern detailliert Auskunft über den Stand der Dinge geben konnten. Die Sperrungen blieben freilich trotzdem bestehen.

Zuvor hatte man, so der Mitarbeiter, Anwohner via Flyer und Schilder informiert, ferner hatten Zeitungen, Radiosender und wer sonst noch alles Nachrichten in die Welt schickt, im Vorfeld sowohl die Tour als auch die Sperrungen angekündigt.

Nun ist die Deutschland-Tour zu Ende, die Sperrungen sind weggeräumt, und es bleibt dieser Trost für alle, die sich gestört gefühlt haben: So schnell gibt's keine weitere Tour dieser Art. Frühestens nächstes Jahr wieder.

Gesperrte Straßen wegen eines Radrennens: Der eine oder die andere wunderte sich am Sonntag (28.8) über ungewöhnlich hohe Polizeipräsenz und mancherorts abgeriegelte Zufahrten zu Straßen. Der Grund: die Deutschland-Tour, eine Profi-Radtour, die auch durch Rems-Murr-Kommunen führte. Hobby-Radfahrerinnen und -Radfahrer konnten die Strecke ebenfalls nutzen, weshalb Autofahrer zeitweise Einschränkungen hinzunehmen hatten.

Nicht jeder Mensch liest Zeitung, weshalb nicht jede und jeder

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper