Rems-Murr-Kreis

Steigende Preise: So verändern sie den Alltag von Familien im Rems-Murr-Kreis

Falschgeld
Symbolfoto. © Alexandra Palmizi

Hohe Inflation, steigende Lebensmittel- und Energiepreise und das Ende von Tankrabatt und 9-Euro-Ticket. Vor einigen Tagen hat die Redaktion anhand einer fiktiven Familie beispielhaft ausgerechnet, welche Mehrkosten deshalb theoretisch in etwa anfallen. Was das konkret und ganz praktisch für ihren Alltag bedeutet, haben nun einige Familien aus dem Rems-Murr-Kreis geschildert.

Seit klar ist, dass sich die Preise in vielen Bereichen steil nach oben entwickeln, hat sich für Viktoria M. und ihre Familie vieles verändert, die steigenden Preise sind ein Thema, das im Alltag häufig präsent ist. Das beginnt beim Wocheneinkauf. Dieser dauert rund 45 Minuten länger als früher, da die Familie nicht mehr zu Hause nach Lust und Appetit plant, was sie essen möchte, sondern den Speiseplan im Supermarkt auch nach den Preisen richtet. Es landen mehr kohlenhydrathaltige, vergleichsweise günstige Produkte im Einkaufswagen und auf Tiefkühlkost verzichtet die Familie inzwischen komplett, weil sie den Backofen kaum noch benutzt. „Der Speiseplan richtet sich auch nach Energieeinsatz, so dass es aktuell sehr oft nur Pfannengerichte oder Eintöpfe gibt. So wollen wir Kosten beim Zubereiten und Abwaschen sparen.“

Aber auch in anderen Bereichen schränkt sich die Familie ein: „Wir werden definitiv Friseurbesuche viel seltener einplanen und Kleidung und Schuhe länger tragen müssen.“ Als Sofortmaßnahme hat die Familie außerdem elektronische Geräte aus den Steckdosen gezogen, um Strom zu sparen.

Elternzeit verkürzt, um Lebenshaltungskosten zu stemmen

Auch eine andere Mutter berichtet, dass sich ihr Einkaufsverhalten verändert hat: „Wir kaufen wieder viel in Plastik verpackte Ware und kaum noch Bio-Lebensmittel, da wir uns das schlichtweg nicht mehr leisten können. Das ist echt traurig, da wir darauf sonst sehr achten.“ Um sich das „ganz normale Leben“ überhaupt noch leisten zu können, hat die Mutter außerdem ihre Elternzeit verkürzt und früher wieder begonnen zu arbeiten. Schon jetzt versucht die Familie, Geld zurückzulegen, um gestiegene Energie- und Unterhaltskosten im Winter bezahlen zu können. Geld, das ihnen fehlen wird: „Nächstes Jahr können wir vermutlich nicht in den Urlaub.“

Eigentlich habe ihre vierköpfige Familie von eineinhalb Gehältern immer gut leben können, berichtet eine weitere Mutter aus dem Rems-Murr-Kreis. Doch das ändere sich gerade: „Besonders stark fühlen wir uns als Familie belastet durch die Preiserhöhung an allen Ecken gleichzeitig." Würde beispielsweise nur der Gaspreis oder die Benzinkosten steigen, wäre das eventuell ärgerlich, aber machbar, sagt sie. Aber da, kurz nachdem die Miete der Familie erhöht wurde, sowohl Gas, Strom, Sprit als auch Lebensmittelkosten sprunghaft ansteigen, müssten sie nun sehr gewissenhaft wirtschaften und größere Anschaffungen hintanstellen, vor jeder Ausgabe dreimal überlegen.

Natürlich habe die Familie überlegt, ob es möglich wäre, die Arbeitszeit der Mutter zu erhöhen, die momentan in Teilzeit arbeitet. „Da dies aber mit zusätzlicher Kinderbetreuung einhergehen würde, die dann wiederum zusätzliche Kosten bedeutet, wäre das unterm Strich aber tatsächlich kaum rentabel.“

Nicht alle Familien müssen sich bereits einschränken, besorgt sind viele: „Es sind noch keine großen Einschränkungen, aber man ist schon in Habachtstellung“, sagt eine Mutter aus Weinstadt. So legen die Familienmitglieder viele Wege innerhalb Weinstadts mit den Rädern zurück, duschen kürzer oder mit weniger Wasser, reparieren Dinge, die kaputt sind, anstatt sie neu zu kaufen, und achten mehr darauf, Lebensmittel im Angebot zu kaufen als früher.

Wird womöglich an Sport und Musik gespart?

Auch Sandra Roth bemerkt die steigenden Preise im Alltag. „Mir fällt dies unter anderem beim Lebensmittelkauf auf, beispielsweise bei Backwaren. Auch das Tanken schmerzt im Geldbeutel. Wir haben zwei Autos, mein Mann hat einen Arbeitsweg von rund 70 km pro Tag, das fällt schon ins Gewicht.“ Auch ihr Stromanbieter habe bereits angekündigt, dass sich der Preis erhöhen wird. Der Tankrabatt und die Möglichkeit, tageweise im Home-Office zu arbeiten, hätten die Familie entlastet, zumindest der Tankrabatt aber ist nun Geschichte. „Da wir beide berufstätig sind, müssen wir uns in unserem täglichen Leben glücklicherweise bisher nicht nennenswert einschränken. Dennoch sind wir darauf bedacht, unnötige Ausgaben einzusparen“, so die Mutter aus Waiblingen.

Auch eine andere Mutter erzählt, dass sich ihre Familie bislang trotz höherer Kosten in vielen Bereichen nicht einschränken muss. Dennoch beobachtet sie die Entwicklung mit Sorge. So seien etwa die Kosten für Kleidung, die Teilnahme an Sportangeboten oder der Musikschule für viele Eltern eine Belastung und sie befürchtet, dass manchen Kindern solche Hobbys nicht mehr ermöglicht werden können, wenn die Lebenshaltungskosten stark steigen. Als Entlastung für Familien fände sie eine Reduzierung der Kinderbetreuungsgebühren sinnvoll.

Ralf Müller sieht vor allem die steigenden Kosten für Lebensmittel sowie für Strom, Gas und Sprit als große Belastung für Familien. „Wir müssen uns zwar noch nicht einschränken, fahren aber bereits deutlich weniger Auto, überlegen bei Fahrten, ob sie wirklich nötig sind und ob sich Dinge miteinander kombinieren lassen.“

Es bleibt weniger Geld übrig, die Sparrate sinkt

Auch Kalman Kando ist in der glücklichen Lage, dass sich seine Familie im Alltag noch nicht einschränken muss. „Unser Lebensstil ist relativ sparsam.“ Teure Freizeitaktivitäten oder Gastrobesuche spielten in seiner Familie ohnehin keine große Rolle. „Die Auswirkungen machen sich bislang eher darin bemerkbar, dass man sich zweimal überlegt, ob man mit dem Auto irgendwo hinfährt.“ Kurze Fahrten habe seine Familie ohnehin schon immer vermieden und sei stattdessen lieber zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Doch nun überlege er sich auch, ob er weiter entfernte Freunde wirklich persönlich besuche oder vielleicht doch stattdessen ein längeres Telefonat führe.

Schon jetzt bleibe weniger zum Sparen übrig als früher, sagt Kando. „Und sollte sich die Lage weiter zuspitzen, müssten wir wohl im ersten Schritt auf unseren Qualitätsanspruch bei Lebensmitteln verzichten und nicht zwingend notwendige Investitionen zu Sanierungen und Reparaturen rund ums Haus auf Eis legen.“

Hohe Inflation, steigende Lebensmittel- und Energiepreise und das Ende von Tankrabatt und 9-Euro-Ticket. Vor einigen Tagen hat die Redaktion anhand einer fiktiven Familie beispielhaft ausgerechnet, welche Mehrkosten deshalb theoretisch in etwa anfallen. Was das konkret und ganz praktisch für ihren Alltag bedeutet, haben nun einige Familien aus dem Rems-Murr-Kreis geschildert.

Seit klar ist, dass sich die Preise in vielen Bereichen steil nach oben entwickeln, hat sich für Viktoria M.

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