Rems-Murr-Kreis

Stihl verzeichnet Fabel-Rekord beim Umsatz und erstaunlich wenige Corona-Fälle

Kandziora
Stihl-Chef Bertram Kandziora in der Akku-Fertigung in Waiblingen. © Stihl

Keinen Umsatzrekord vermeldet Stihl für das Bilanzjahr 2020, sondern: einen Umsatz-Fabelrekord. Das Unternehmen gehört weltweit wohl zu den fulminantesten Gewinnern der Coronakrise. Und auch dies gehört zur Erfolgsbilanz: Es gab nachgerade verblüffend wenige Infektionsfälle.

Stihl: Umsatzsprung weit über eine bislang als magisch geltende Marke

Dass Stihl-Chef Bertram Kandziora so ziemlich jedes Jahr bei der Bilanzpressekonferenz eine neue Umsatz-Bestmarke verkündet, das quittieren Journalisten mittlerweile nur noch mit einem anerkennenden Gähnen. Die Zahl für 2020 aber mutet fast schon surreal an – dieses vermaledeite Coronajahr 2020 ist für Stihl in Sachen Umsatz mit weitem Abstand zum besten der Unternehmensgeschichte geworden.

Kurze Rückblende: 2015 verzeichnete Stihl knapp 3,3 Milliarden Euro Umsatz und steigerte sich binnen fünf Jahren bis 2019 auf mehr als 3,9 Milliarden.

2020 aber haute es den Korken aus der Sektflasche: 4,58 Milliarden. Damit ist nicht nur die magische 4-Milliarden-Marke geknackt, sondern quasi auch schon die 5 in Sichtweite. Wie kommt das?

Das Corona-Jahr als Rekord-Jahr: Woran lag das?

„In den Monaten März und April 2020, in denen auch viele Fachhändler ihr Geschäft wegen Corona vorübergehend schließen mussten, verzeichneten wir starke Einbußen“, blickt der Vorstandsvorsitzende Kandziora zurück. „Aber bereits ab Mai stieg die Nachfrage merklich, so dass die anfänglichen Einbußen schnell überkompensiert werden konnten.“

Das Zauberwort in diesem Zusammenhang heißt: Cocooning. Übersetzt etwa: sich einspinnen. Gemeint ist ein Rückzug ins häusliche Privatleben, teilweise durch Lockdown-Regeln erzwungen, teilweise als bewusster Schritt zum eigenen Schutz.

Von Amerika bis Australien werkelten Menschen 2020 verstärkt rund ums eigene Häuschen, kümmerten sich um ihren Garten. Und was braucht man dazu? Motorsäge. Heckenschneider. Und so weiter. Auch Garten- und Landschaftsbauer, Land- und Forstwirte oder Straßenmeistereien orderten Gerät. Die höchsten Zuwächse verzeichnete das Unternehmen dabei im Akku-Segment. Dessen Anteil am Gesamtabsatz beträgt mittlerweile 17 Prozent. Tendenz: steigend.

Zuwachs auch beim Personal - und dazu eine Erfolgsprämie

Von diesem Boom hat auch die Belegschaft profitiert. Während viele andere Betriebe Kurzarbeit anmelden mussten, baute Stihl seinen Personalstand nicht nur weltweit aus (um neun Prozent, auf mittlerweile 18.200 Leute), sondern auch im deutschen Stammhaus: um 3,4 Prozent auf 5262.

Allein in Waiblingen arbeiten mittlerweile fast 3800 Leute. Viele von ihnen verrichteten im Jahr 2020 „Zusatzschichten und Sonntagsarbeit“, sagt Kandziora. „Ich danke allen Beschäftigten für die ausgezeichnete Arbeit und den persönlichen Einsatz.“ Dafür gab es pro Person nach der eher bescheidenen Corona-Prämie von 350 Euro im Herbst nun einen deftigen Frühjahrs-Nachschlag: eine Erfolgsprämie in Höhe von 69 Prozent eines Monatsgehalts. Rechenbeispiel: Bei jemandem mit 4000 Euro Einkommen wären das 2760 obendrauf.

Ein Schlüssel zum Erfolg: Dem Unternehmen rissen die Lieferketten nicht. Stihl deckte, als die Corona-Krise sich in Fernost aufzuschaukeln begann, frühzeitig die Montagewerke mit Teile-Beständen ein. Dennoch kam es „bei besonders gefragten Produkten auch bei uns zu Lieferrückständen“, sagt Kandziora. Um sie aufzuarbeiten, stelle man derzeit Produktionsrekorde auf.

So weit, so wahnsinnig – stellen wir, bevor es allen zu wohl wird, eine unangenehme Frage: Wie viele Corona-Infektionen gab es in der Belegschaft bislang?

Corona-Fälle bei Stihl: Zahlen und eine Einordnung

„Sehr gerne“ beantworte er das, sagt Stihl-Vorstandsmitglied Michael Prochaska: Genau 1495 Corona-Fälle seien seit Pandemiebeginn bis heute in der kompletten Stihl-Gruppe weltweit verzeichnet worden, 239 davon im deutschen Stammhaus.

Aufs erste Hören klingt das nach viel – aber rechnen wir mal: 239 Positiv-Diagnosen bei 5262 Stammhäuslern, das entspricht einer Quote von 4,5 Prozent. Zum Vergleich: Rund 4,0 Prozent aller Einwohner des Rems-Murr-Kreises wurden bisher infiziert. Die Stihl-Belegschaft liegt also nur geringfügig darüber – obwohl es bereits seit Herbst im Stihl-Werk 2 in Neustadt systematisch Schnelltests gibt, die natürlich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass auch symptomlos Infizierte entdeckt werden.

Bertram Kandziora erinnert daran, dass das Unternehmen sehr früh „in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden“ ein Hygiene-Konzept umgesetzt habe. Kernbestandteile: Abstände und Abschirmungen zwischen Arbeitsplätzen. Folge: Oft hätten außer demjenigen, der positiv getestet wurde, kaum Kollegen als enge Kontaktpersonen in Quarantäne gemusst.

All das spricht dafür, dass die positiv Getesteten sich oft gar nicht im Betrieb angesteckt haben, sondern das Virus eher irgendwo anders einfingen. Ein Infektionstreiber jedenfalls kann die Firma nicht gewesen sein. Betriebliches Superspreading sieht anders aus, wie im Juni 2020 der Fall Tönnies lehrte: Binnen weniger Wochen wurden von gut 6000 Stammwerksmitarbeitern etwa 1400 infiziert.

So. Sonst noch was? Ach ja: „Für 2021“, sagt Kandziora, sei ein „weiteres Absatz- und Umsatzwachstum“ zu erwarten.

Keinen Umsatzrekord vermeldet Stihl für das Bilanzjahr 2020, sondern: einen Umsatz-Fabelrekord. Das Unternehmen gehört weltweit wohl zu den fulminantesten Gewinnern der Coronakrise. Und auch dies gehört zur Erfolgsbilanz: Es gab nachgerade verblüffend wenige Infektionsfälle.

Stihl: Umsatzsprung weit über eine bislang als magisch geltende Marke

Dass Stihl-Chef Bertram Kandziora so ziemlich jedes Jahr bei der Bilanzpressekonferenz eine neue Umsatz-Bestmarke verkündet, das

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