Rems-Murr-Kreis

Streit um Mitgliedschaft: Muss WG Korb Trauben bei Remstalkellerei abliefern?

Weinlese 2021
Bald ist es im ganzen Remstal so weit: Die Herbstlese läuft flächendeckend innerhalb der kommenden zwei Wochen an. © Benjamin Büttner

Ab Dienstag, 6. September, soll es den ersten Jungen Wein des Jahrgangs 2022, genauer Federweißer aus Müller-Thurgau-Trauben, bei der Remstalkellerei zu kaufen geben. Geerntet wurde Anfang vergangener Woche. Und auch die Gesamt-Herbstlese steht kurz bevor. Müssen dann auch die Wengerter der WG Korb ihre Ernte an die Remstalkellerei abliefern?

„Remstalkellerei: WG Korb muss wider Willen bleiben. Trotz Kündigung der Weingärtner-Genossenschaft Korb und Steinreinach zum 31.12.2021 ist sie über Umwege weiter ungekündigt Mitglied / Abschied frühestens zum 31.12.2023.“ So hatte diese Zeitung einen Artikel vom 2. Dezember 2021 betitelt.

Mit einem Schreiben vom 31. Oktober 2021 hatte die Remstalkellerei damals die Korber Wengerter vom angeblich ungekündigten Zustand ihrer Mitgliedschaft informiert: Die WG Korb habe zwar „wie ein Großteil ihrer Mitglieder“ ihre Mitgliedschaft in der Remstalkellerei gekündigt, aber: „Eine Kündigung der Mitgliedschaften der WG in den Ortsgenossenschaften Schnait, Remshalden-Schorndorf sowie der Weingärtner Remstal erfolgte durch die Verwaltung der damaligen WG Korb-Steinreinach seinerzeit (2019, Anm. d. Red.) nicht und die Mitgliedschaft in den Ortsgenossenschaften besteht folglich fort. Da im Rahmen der Fusionsgeneralversammlungen (...) das bestehende Sonderkündigungsrecht der WG Korb bei den Ortsgenossenschaften nicht ausgeübt wurde, ist die WG Korb, Stand heute, weiterhin Mitglied in ungekündigtem Zustand in den Ortsgenossenschaften.“

Diesen angeblich unerwarteten entdeckten Sachverhalt hatte die Remstalkellerei sich qua Gutachten der Rechtsberatung des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes bestätigen lassen.

"Unterschiedliche rechtliche Auffassungen"

Seither ist viel Wasser die Rems und viel Wein die Kehlen hinuntergeflossen. Die WG Korb und Steinreinach hatte sich einen Anwalt genommen und war in intensive Diskussionen mit der Remstalkellerei getreten. „Wir sind immer noch unterschiedlicher rechtlicher Auffassungen“, sagt Markus Amberger, Vorstand der WG Korb, heute, Anfang September 2022. Selbst wenn man der Deutung folgte, dass die lokale Wengertergenossenschaft als Ganzes wegen Formfehlern noch „Zwangsmitglied“ der Remstalkellerei bis Ende 2023 sei, so bestünde auch dann keine Ablieferungspflicht ihrer Mitgliedswengerter an die Remstalkellerei. Diese seien ja nie Einzelmitglieder der anderen Lokalgenossenschaften gewesen. „Also liefern sie nach der Lese ganz normal ihre Trauben bei uns in der Korber Ortskelter ab und wir liefern sie dann gesammelt an die WZG“, sagt Amberger – also an die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft in Möglingen. Vorsichtshalber seien aber seitens der WG Korb freilich dennoch alle Mitgliedschaften auch in den Lokalgenossenschaften, die mit der Remstalkellerei fusioniert haben, gekündigt worden.

Gemeint sind die Fusionen der Weingärtner Remstal eG, der Schnaiter eG und der Remshalden-Schorndorf eG mit der Remstalkellerei, die im September 2021 unter Dach und Fach gebracht worden sind. Zuvor waren die Remstäler Wengerter nicht direkt Mitglied in der Remstalkellerei gewesen, sondern indirekt über ihre Ortsgenossenschaften. Mit den Fusionen gaben diese Wengerter ihre dezentrale Traubenannahme auf und ziehen seither beim Zentralisierungsplan des Vorstands der Remstalkellerei mit, der den Standort Beutelsbach aufgeben und in Grunbach neu bauen wird.

Die WG Korb und Steinreinach eG fusionierte im Jahr 2020 mit der WG Winnenden eG 2020 zu der WG Korb eG. Demnach betreffen die ganzen Vorgänge auch Winnender Wengerter, die nun also aber trotzdem auch in der Korber Kelter abliefern werden.

"Reisende soll man nicht aufhalten"

„Rechtlich eindeutig ist die Sachlage nicht“, sagt Peter Jung, Geschäftsführer der Remstalkellerei. „Und wir glauben weiterhin, dass unser Zentralisierungsplan der bessere ist und auch die Korber zur Remstalkellerei gehören und es ihnen wirtschaftlicher besser mit uns gehen würde, aber: Reisende soll man nicht aufhalten.“ Die Korber wollten eigene Wege gehen, deshalb lege die Remstalkellerei ihnen keine Steine in den Weg oder poche auf irgendwelche Paragrafen im Genossenschaftsrecht.

„Zugegebenermaßen wäre das verwaltungs- und buchhaltungstechnisch auch unnötig aufwendig, das alles noch zusammen zu veranschlagen, obwohl wir ja eh ab 2024 formaljuristisch getrennte Wege gingen. Dann besser jetzt schon“, sagt Jung.

Fehlen die Trauben aus Korb der Remstalkellerei?

Selbst ohne die Trauben aus Korb, Steinreinach und Winnenden seien keine einschneidenden Qualitäts- oder Quantitätsverluste bei der Weinproduktion der Remstalkellerei zu befürchten.

„Die Korber Lagen sind nicht schlechter oder besser als andere der Region. Und wir schauen nach der ersten Ernte von Müller-Thurgau für Jungen Wein Anfang vergangener Woche (29./30. August) auch quantitätsmäßig sehr optimistisch der bald beginnenden Herbstlese entgegen. Trotz langanhaltender Hitze und Trockenheit erwarten wir keine großen Einbußen. Wir sind selbst positiv überrascht und hatten wegen der Dürre Schlimmeres erwartet“, sagt Peter Jung.

Ab Dienstag, 6. September, soll es den ersten Jungen Wein des Jahrgangs 2022, genauer Federweißer aus Müller-Thurgau-Trauben, bei der Remstalkellerei zu kaufen geben. Geerntet wurde Anfang vergangener Woche. Und auch die Gesamt-Herbstlese steht kurz bevor. Müssen dann auch die Wengerter der WG Korb ihre Ernte an die Remstalkellerei abliefern?

„Remstalkellerei: WG Korb muss wider Willen bleiben. Trotz Kündigung der Weingärtner-Genossenschaft Korb und Steinreinach zum 31.12.2021 ist sie

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