Rems-Murr-Kreis

Streit um Sexualpädagogik in Kita: Eltern starten Lauschangriff auf Erzieher aus Backnang

Justitia  in Winnenden
Sexualpädagogik? Lauschangriff? Man staunt, womit sich Justitia so alles befassen muss. © Pavlovic

Weil Eltern ein Gespräch mit einem Erzieher aus Backnang über das sexualpädagogische Konzept einer Kindertagesstätte heimlich mit dem Handy aufnahmen, mussten sie sich nun vor Gericht verantworten – ein Fall, wie es ihn nicht alle Tage gibt.

Zur öffentlichen Gerichtsverhandlung kam es, weil die Eltern ihre Strafbefehle mit Geldstrafen nicht akzeptieren wollten und Einsprüche dagegen einlegten. Sagen wollten sie vor Gericht dann aber nichts zu dem Vorwurf, im November in einer Kita in Remseck unbefugt das nichtöffentlich gesprochene Wort eines aus Backnang kommenden Erziehers aufgezeichnet zu haben. Über das sexualpädagogische Konzept hatte es schon vorher Unstimmigkeiten gegeben.

Das Opfer des Lauschangriffs wusste nichts von all dem

Der 25-jährige Backnanger erfuhr von dem Video nur, weil ihn hinterher die Kita-Leitung davon in Kenntnis setzte. Sie wiederum war vom Elternbeirat über die Aufnahme informiert worden. Selber gesehen beziehungsweise gehört hat der Erzieher die Aufnahme nicht. Gerät in der Hand eines Gesprächspartners hat er auch keines gesehen. „Es gab einen Elternabend, da wurden mir Fragen gestellt, aber was auf der Tonaufnahme drauf ist, weiß ich nicht“, sagte der Erzieher als Zeuge vor Gericht.

Seine 35-jährige Kollegin konnte vor Gericht nur sagen, „dass an dem Tag, an dem wir die Vermutung hatten, dass aufgenommen wurde, beide Angeklagten in der Kita waren“. Ihr Kollege sei hereingekommen und habe ihr berichtet, dass ihm Fragen gestellt wurden. Herausgehört habe sie, während immer wieder Kinder gebracht wurden, nur einzelne Wörter wie zum Beispiel „Arztkoffer“. Später sei die Angeklagte erneut erschienen und habe ihrem Kollegen noch einmal Fragen gestellt. Sie habe die beiden auf dem Balkon draußen stehen sehen.

Der Beweisaufnahme nach war es die 33-jährige Angeklagte, die ihren 36-jährigen Ehemann im Gespräch mit dem 25-jährigen Erzieher aufgenommen hat. Auf dem Video, so sagte eine Mutter, der die Aufnahme von der Angeklagten vorgespielt wurde, habe sie nur den Boden des Kita-Balkons und einen Teil von einer schwarzen Jacke gesehen. Der Erzieher sei vom Angeklagten zum sexualpädagogischen Erziehungskonzept bis ins Detail befragt worden. Die Zeugin weiter: Ihres Wissens gebe es „auf jeden Fall einen größeren Kreis von Menschen, die dieses Video gehört haben“. Bis zu diesem Vorfall, so die Zeugin, sei sie sehr gut mit der Angeklagten befreundet gewesen.

Körper erforschen? Eine Zeugin berichtet Seltsames

Eine andere Mutter ging im Zeugenstand dahingehend ins Detail, dass in den Räumlichkeiten der Kita, wo Kinder ihren Körper erforschen dürften, falls sie Interesse daran haben, unter drei Kindern von einem „Finger im Popo“ die Rede gewesen sei. Sie und ihr Mann hätten dann ihren Sohn „ausgehört“, aufgezeichnet, was dieser sagt, und das Polizeirevier Kornwestheim verständigt. Ein Polizist habe sie gefragt, so die Zeugin weiter, was das für ein Konzept sein soll – worauf sie gesagt habe, sie wolle gegen diese Kita vorgehen, wo Eltern so ein Konzept nicht abwählen könnten.

Am Ende sei die Kripo zu ihr nach Hause gekommen und habe ihr Handy beschlagnahmt, weil sie die Aufnahme von dem Gespräch mit dem Backnanger Erzieher dem Elternbeirat zugänglich gemacht haben soll.

Richterin Anne Bollacher stellte das Strafverfahren gegen die Lauschangriff-Eltern schließlich wegen Geringfügigkeit ein, machte aber klar: Die Eltern hätten das Gespräch nicht heimlich aufnehmen dürfen – und erst recht sei es nicht in Ordnung gewesen, dass diese Aufzeichnung danach dann auch noch die Runde machte.

Weil Eltern ein Gespräch mit einem Erzieher aus Backnang über das sexualpädagogische Konzept einer Kindertagesstätte heimlich mit dem Handy aufnahmen, mussten sie sich nun vor Gericht verantworten – ein Fall, wie es ihn nicht alle Tage gibt.

Zur öffentlichen Gerichtsverhandlung kam es, weil die Eltern ihre Strafbefehle mit Geldstrafen nicht akzeptieren wollten und Einsprüche dagegen einlegten. Sagen wollten sie vor Gericht dann aber nichts zu dem Vorwurf, im November in einer Kita in

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