Rems-Murr-Kreis

Strompreis: Nach der EnBW erhöhen auch die Stadtwerke Waiblingen zum 1. Oktober

Stadtwerke Waiblingen
Auch die Stadtwerke Waiblingen drehen an der Strompreisschraube – sie bleiben dennoch vergleichsweise billig. © Benjamin Büttner

Nach der EnBW erhöht ein weiterer Grundversorger im Rems-Murr-Kreis zum 1. Oktober den Strompreis für Bestandskunden – die Stadtwerke Waiblingen werden damit aber immer noch relativ billig bleiben.

Grundversorger sind die Unternehmen, die in einem bestimmten Gebiet die Mehrheit der Stromkunden betreuen. Ihnen kommt darüber hinaus noch eine wichtige Rolle zu: Sie springen mit einer sogenannten Ersatzstromversorgung ein, wenn jemand plötzlich ohne dasteht, weil zum Beispiel ein anderes Unternehmen – womöglich eines, das bislang mit Superspartarifen die Kundschaft geködert hat – pleitegegangen ist oder nicht mehr liefern kann. Die Grundversorger stehen also für Sicherheit auch in Zeiten heftiger Marktverwerfungen. Man könnte es auch etwas böser ausdrücken: Sie bügeln aus, was andere verbocken. Aber dazu später mehr.

Süwag, EnBW, Stadtwerke Waiblingen und Schorndorf: Strompreise im Überblick

Grundversorger im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung sind:

  • die EnBW in Alfdorf, Kaisersbach, Welzheim, Kernen, Remshalden, Urbach, Winterbach, Weinstadt
  • die Süwag in Winnenden, Berglen, Korb, Leutenbach
  • die Stadtwerke Schorndorf in ihrer Stadt
  • die Stadtwerke Waiblingen in ihrer Stadt

Schauen wir uns diese Big Four etwas näher an:

  • Die EnBW hebt zum 1. Oktober den Grundversorgungstarif für ihre Bestandskunden um 10,02 Cent an, von 27,29 auf 37,31 Cent pro Kilowattstunde. Das entspricht einer Erhöhung um 37 Prozent.
  • Die Süwag verlangt derzeit 31,13 Cent. „Aktuell“, hat eine Sprecherin vergangene Woche mitgeteilt, sei „keine Preisanpassung vorgesehen“. Allerdings: Für 2023 ist wohl damit zu rechnen.
  • Die Stadtwerke Schorndorf haben vergangene Woche mitgeteilt: Der aktuelle Grundversorgungstarif betrage „39,113 ct/kWh“. Aufgrund „der Entwicklungen auf dem Energiemarkt wird es zu Preisanpassungen kommen, jedoch stehen Zeitpunkt und Höhe noch nicht fest“.
  • Die Stadtwerke Waiblingen heben zum 1. Oktober den Grundversorgungstarif für Bestandskunden um 7,41 Cent an, von 26,47 auf 33,88 Cent. Das entspricht einer Erhöhung um 28 Prozent.

Warum der Strompreis auch bei den Stadtwerken Waiblingen steigen muss

Die Stadtwerke Waiblingen werden also auch nach der Erhöhung billiger als EnBW und Stadtwerke Schorndorf bleiben und nur knapp drei Cent teurer als die Süwag sein – die diesen Tarif aber wohl kaum auf Dauer halten können wird.

Dass die Preise in Bewegung sind, ist absolut nicht verwunderlich. Im Herbst 2021 nahm die Preisentwicklung an der Strombörse, wo die Versorger sich eindecken, heftig Fahrt auf. Und 2022 eskalierte die Lage regelrecht. Frank Schöller, Chef der Stadtwerke Waiblingen, beschrieb es Anfang Juni so: Was da geschehe, „ist ein Wahnsinn. Jeden Tag ein neuer historischer Höchstwert. Nicht, dass wir das jemals kannten – und es hört nicht auf!“ Strom, Großhandelspreis für die Megawattstunde: im Januar 2021 etwa 50 Euro; im Januar 2022 etwa 100; im Mai 2022 bereits bei 200. Und, was Schöller im Juni noch nicht wusste: Im Juli ging es auf etwa 350.

Grundversorger sichern sich den Strom für ihre Bestandskundschaft zwar lange im Voraus, über Lieferverträge, die auf ein, zwei, drei Jahre in die Zukunft ausgreifen. So machen sie sich unabhängig von kurzfristigen Sprüngen an der Strombörse. Nur: Wenn der Börsenpreis über derart lange Zeit nur eine Richtung kennt, kommt der Druck irgendwann eben doch beim Endkunden an.

Bestandskunden und Ersatzkunden: Wo das Problem liegt

Hinzu kommt, dass die sogenannten Ersatzkunden die Grundversorger vor drastische Probleme stellen – wenn plötzlich viele Leute, die eben noch von anderen Anbietern beliefert wurden, beim Grundversorger anklopfen, muss der kurzfristig Strom zu einem besonders hohen Preis nachkaufen. Genau das geschah 2022: Weil der Markt so durcheinandergeriet, strömten plötzlich viel mehr Ersatzstromkunden als gewohnt zu den Grundversorgern.

In einem schriftlichen Statement auf unsere Anfrage erklären das die Stadtwerke Waiblingen sehr anschaulich: „Die extreme Marktsituation seit Herbst 2021 hat einige Stromanbieter – vorwiegend die sogenannten Billiganbieter – überfordert. Dies führte dazu, dass wir in unserer Funktion als Grundversorger die plötzlich vertragslosen Kunden in unsere Versorgung aufnehmen und als Lieferant einspringen mussten.“

Auch ein EnBW-Sprecher hat es uns unlängst recht kraftvoll beschrieben: „Wir finden uns gerade in einer nie da gewesenen Marktsituation wieder“: auf der einen Seite „um ein Vielfaches gestiegene Beschaffungspreise“; auf der anderen Seite „ein Anstieg an Zugängen von Neukundschaft in die Ersatzversorgung“. Daraus ergebe sich eine „enorme finanzielle Mehrbelastung“.

Der Strompreis für Ersatzkunden ist höher - derzeit noch ...

Die EnBW hat deshalb für Ersatzstromkunden den Tarif auf 58,06 Cent gehoben. Und auch die Stadtwerke Waiblingen machen einen Unterschied: Während Bestandskunden momentan noch 26,47 Cent zahlen, sind Ersatzkunden mit 39,69 Cent dabei.

Aber, teilen die Stadtwerke Waiblingen mit: „Zum 1. 10. 2022 werden wir beide Tarife wieder zusammenführen, da zwischenzeitlich neue gesetzliche Regelungen für die Ersatzversorgung (kurzfristige Belieferung von vertragslosen Kunden) geschaffen wurden.“

Nach der EnBW erhöht ein weiterer Grundversorger im Rems-Murr-Kreis zum 1. Oktober den Strompreis für Bestandskunden – die Stadtwerke Waiblingen werden damit aber immer noch relativ billig bleiben.

Grundversorger sind die Unternehmen, die in einem bestimmten Gebiet die Mehrheit der Stromkunden betreuen. Ihnen kommt darüber hinaus noch eine wichtige Rolle zu: Sie springen mit einer sogenannten Ersatzstromversorgung ein, wenn jemand plötzlich ohne dasteht, weil zum Beispiel ein anderes

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