Rems-Murr-Kreis

Strompreis und Gaspreis: Wo gibt es den günstigsten Tarif im Rems-Murr-Kreis?

HT8C8226a
Der Stromzähler dreht sich und dreht sich. Das kann teuer werden. © Gabriel Habermann

Die Gasabschlag-Soforthilfe im Dezember und die Energiepreisbremse im Frühjahr 2023 sind bitter nötig. Die Gas- und Strompreise steigen auch im Rems-Murr-Kreis deutlich. Ein Vergleich der Versorger EnBW und Süwag sowie der Stadtwerke Backnang, Fellbach, Waiblingen, Weinstadt und Schorndorf offenbart, welche Stadtwerke sich am wackersten im Preiswettkampf behaupten. Ein Stadtwerke-Chef warnt vor Kunden-Nepp.

Strom von Stadtwerken Weinstadt oder EnBW: Wer ist günstiger?

Beim Strom scheint im Rems-Murr-Kreis die EnBW der günstigste Grundversorger zu sein. Die letzte Preiserhöhung zum 1. Oktober war vergleichsweise „moderat“ von 27,29 auf 37,31 Cent/kWh. Und vorerst soll es auch Anfang 2023 keine weitere Erhöhung geben, sagt Konzernsprecher Rashid Elshahed. „Die EnBW hat aktuell keine Preisanpassung beim Haushaltsstrom geplant.“ Der Grundpreis verharrt stabil bei 11,83 Euro/Monat (Berichtigung vom 28.11.2022: In einer vorherigen Textversion hatten wir versehentlich den Gas-Grundpreis von 8,12 Euro/Monat als Strom-Grundpreis benannt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen).

Nur beim Wärmestrom müsse die EnBW zum 1. Januar 2023 die Preise in der Grundversorgung anheben: „Bei diesem Schritt handelt es sich um die erste Preisanpassung der EnBW für Wärmestrom seit drei Jahren“, sagt Elshahed. Beim Wärmestrom handelt es sich um spezielle Stromtarife für Elektrospeicherheizungen und Wärmepumpen. Die Kilowattstundenpreise für Wärmestrom erhöhen sich in der Grundversorgung zwischen 9,39 bis 13,11 Cent/kWh (brutto).

Grundversorger ist dasjenige Unternehmen, welches die meisten Kunden in einem kommunalen Netzgebiet beliefert. EnBW ist im Rems-Murr-Kreis Strom-Grundversorger in Alfdorf, Großerlach, Kernen, Plüderhausen, Remshalden, Spiegelberg, Urbach, Winterbach und Weinstadt.

Moderat und günstig erscheint der EnBW-Grundversorgungsstromtarif zum Beispiel im Vergleich zum Basistarif der Stadtwerke Weinstadt: Zum 1. Januar 2023 erhöhen diese die Preise, beim Arbeitspreis auf brutto 64,51 Cent pro Kilowattstunde. 2022 hatten die Preise für die Kunden noch 27,97 Cent brutto betragen. Sprich: Strom-Kunden der Stadtwerke Weinstadt zahlen für die Kilowattstunde künftig mehr als doppelt so viel. Der jährliche Brutto-Grundpreis beim Strom steigt bei den Stadtwerken Weinstadt 2023 auf 13,76 Euro/Monat, nachdem er 2022 noch bei 9,80 Euro/Monat gelegen hat.

Wettbewerbsvorteile von EnBW und Süwag

„Die Stadtwerke Weinstadt beschaffen sehr marktnah. Damit konnten wir in der Vergangenheit im Vergleich zur Grundversorgung attraktive Tarife anbieten“, erläutert Carina Rother, Pressesprecherin der Stadtverwaltung. Sobald sich der Großhandel beruhige, werde man aufgrund der Einkaufsstrategie zeitnah wieder attraktive Tarife anbieten können. „Der Grundversorger mit längerfristigem Energieeinkauf hingegen wird die hohen Einkaufspreise aus dem Jahr 2022 länger im Portfolio haben.“

„Die Stadtwerke Weinstadt beliefern aktuell eine vierstellige Strom-Kundenanzahl mit Fokus im Gebiet Weinstadt“, sagt Carina Rother. „Wir beziehen unsere Energie über einen Dienstleister, der einen direkten Zugang zu den Energiebörsen gewährleistet.“

Beide Aussagen weisen auf einen maßgeblichen Wettbewerbsvorteil der EnBW hin. Große überregionale Energieversorger wie EnBW oder auch Süwag können für viel mehr Kunden ganz andere Mengen an Gas und Strom aus unterschiedlichsten Quellen einkaufen und selbst produzieren. Und somit können sie auch vergleichsweise günstigere Preise anbieten. „Aus Wettbewerbsgründen“ geben beide Unternehmen jedoch keine konkreten Einkaufsvolumina und auch keine auf Gemeinde-Ebene scharfen Kundenzahlen bekannt.

„Im gesamten Bundesgebiet hat die EnBW beim Haushaltsstrom eine siebenstellige Zahl und beim Gas eine sechsstellige Zahl an Kundinnen und Kunden“, sagt Rashid Elshahed, EnBW-Konzernsprecher Vertrieb und Elektromobilität.

„Süwag liefert bundesweit pro Jahr etwas mehr als zwei TWh Strom an aktuell rund 740.000 Stromkunden und rund 2,5 TWh Gas an rund 120.000 Stromkunden“, sagt Pressesprecher Jonas Dienst.

Zudem sind EnBW und Süwag auch Netzebetreiber und können dadurch weitere Einnahmen generieren.

Warum halten sich dann aber die Fellbacher Stadtwerke bislang so wacker im Preiswettkampf und in den Energiekrise-Turbulenzen, obwohl sie „kleiner“ als Süwag sind.

Auf Platz zwei beim Strom: Die Stadtwerke Fellbach

Als Grundversorger für Haushaltsstrom erhöhen die Stadtwerke Fellbach zum 1. Januar 2023 den Preis von 32,58 auf 42,31 Cent/kWh. Der Grundpreis bleibt gleich bei 10,33 Euro/Monat.

Die Stadtwerke der rund 45.000 Einwohner zählenden Stadt Fellbach haben in der Strom-Grundversorgung einen Kundenstamm im mittleren fünfstelligen Bereich, die rund 15,7 Millionen kWh im Jahr verbrauchen. Die Fellbacher Stadtwerke haben aber auch bundesweit einige Tausend Stromkunden, und in Fellbach auch Strom-Bestandskunden mit Sonderkonditionen. „Insgesamt haben wir eine fünfstellige Zahl an Stromkunden, die meisten aber in Fellbach“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Gerhard Ammon.

„Wir sind breit aufgestellt, haben auch Beteiligungen etwa an einem Offshore-Windpark im Norden“, so Ammon. Zudem seien mindestens zwei Spezialisten alltäglich damit beschäftigt, die Preise zu beobachten und frühzeitig Strom auf Vorrat zu kaufen und die künftigen Bedarfe treffsicher einzuschätzen. „Nicht zuletzt haben wir anders als andere Stadtwerke nicht nur eine Einkaufsquelle, die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH, sondern auch andere Plattformen, über die wir über den Großhandel und die Börse Strom erwerben können“, sagt Ammon. Warum die Fellbacher in der Grundversorgung günstiger als Süwag anbieten können, bleibt indes ein Rätsel.

Auf Platz drei beim Strom: Süwag

Süwag ist Grundversorger (GV) für Haushaltsstrom in Aspach, Althütte, Auenwald, Backnang, Berglen, Burgstetten, Korb, Murrhardt, Oppenweiler, Schwaikheim und Winnenden. Das Unternehmen erhöht den GV-Stromtarif zum 1. Januar 2023 von 31,13 auf 54,63 Cent/kWh. Der Grundpreis bleibt gleich bei 9,90 Euro/Monat.

Auf Platz vier beim Strom: Waiblinger Stadtwerke

Knapp hinter Süwag rangieren auf Platz vier die Stadtwerke Waiblingen mit ihrer Strompreiserhöhung zum 1. Januar 2023 von 33,88 auf 44,10 Cent/kWh. Die Höhe des Grundpreises, der von 9,91 auf 12,89 Euro/Monat steigt, gibt den Ausschlag: Waiblingen also auf Platz vier!

Auf Platz fünf beim Strom: Schorndorfer Stadtwerke

Die Stadtwerke Schorndorf sind nur beim Strom Grundversorger, nicht beim Gas. Die Preiserhöhungen beim Strom zum 1. Januar 2023: Der Grundversorgungstarif steigt von 39,11 auf 57,52 Cent/kWh, der Grundpreis bleibt bei 15,99 Euro/Monat.

Auf Platz sechs beim Strom: Backnanger Stadtwerke

Auf Platz sechs unseres selektiven Strompreis-Rankings landen die Stadtwerke Backnang, die ihren Arbeitspreis für Strom-Bestandskunden von 37,90 auf 78,79 Cent/kWh erhöhen. Der Grundpreis bleibt bei 9,50 Euro/Monat.

Auf Platz eins beim Erdgas: EnBW

Auch in punkto Erdgas-Tarif in der Grundversorgung müssen die Fellbacher Stadtwerke nicht den Vergleich mit den „großen“ EnBW und Süwag scheuen.

Süwag ist im Rems-Murr-Kreis allerdings nirgends Grundversorger für Gas und fällt in unserem Preisranking deshalb raus. EnBW ist Gas-Grundversorger in Kaisersbach, Kernen, Kirchberg an der Murr, Korb, Leutenbach, Plüderhausen, Remshalden, Rudersberg, Schwaikheim, Urbach, Winterbach, Schorndorf, Weinstadt, Welzheim, Winnenden.

Nur ganz knapp vor den Fellbacher Stadtwerken bietet EnBW die günstigste Erdgas-Grundversorgung im Rems-Murr-Kreis an. „Der Bruttopreis für die Kilowattstunde liegt beim Gas in der Grundversorgung ab dem 1. Dezember 2022 bei 13,54 Cent/kWh“, sagt Konzernsprecher Elshahed. Der Grundpreis in der Grundversorgung beträgt 8,12 Euro im Monat brutto. „Diese Preise werden auch am 1. Januar 2023 weiterhin so gültig sein. Hier findet zum Jahreswechsel keine Preisanpassung statt, weder beim Kilowattstundenpreis noch beim Grundpreis.“ (Bis zum 30. November 2022 liegt/lag der Kilowattstundenpreis noch bei 9,68 Cent brutto. Der Grundpreis ändert sich nicht.)

Ein theoretisches Beispiel zum Vergleich mit dem nahen Fellbach: Ein Haushalt in Kernen in der EnBW-Gas-Grundversorgung mit einem Jahresverbrauch von 8000 kWh müsste, falls es nicht zu weiteren Preisanpassungen käme und die Energiepreisbremse nicht erlassen würde, insgesamt 1180,64 Euro für seine Gasversorgung im Jahr 2023 bezahlen.

Auf Platz zwei beim Erdgas: Fellbacher Stadtwerke

Kaum teurer als EnBW, erhöhen die Fellbacher zum 1. Januar 2023 den Gas-Arbeitspreis in der Grundversorgung von 12,63 auf 14,24 Cent/KWh. Der Grundpreis bleibt bei brutto 7,49 Euro/Monat.

Ein Haushalt in der Fellbacher Gas-Grundversorgung mit einem Jahresverbrauch von 8000 kWh müsste, falls es nicht zu weiteren Preisanpassungen käme und die Energiepreisbremse nicht erlassen würde, 1229,08 Euro für seine Gasversorgung im Jahr 2023 bezahlen. Also nur rund 40 Euro mehr als ein durch die EnBW grundversorgter Haushalt im angrenzenden Kernen.

Für den Fellbacher Stadtwerke-Geschäftsführer Gerhard Ammon liegen die Gründe wie beim verhältnismäßig günstigen Strompreis in der breiten Aufstellung des Unternehmens und seiner Bezugsquellen und einer geschickten und voraussichtigen Einkaufspolitik des Stadtwerke-Teams.

Trotz drastisch erscheinender Erhöhungen des Gaspreises in der Grundversorgung zum 1. Januar 2023 schließen sich die Waiblinger Stadtwerke auf dem dritten Platz an. Und nennen folgendes Rechenbeispiel:

Für einen Gas-Kunden mit einem Jahresverbrauch von 5000 kWh führe die Erhöhung zu einer Kostensteigerung von rund 25 Euro pro Monat (brutto). Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh müsse mit einer Steigerung der Gaskosten von 79 Euro pro Monat (brutto) gerechnet werden.

Auf Platz drei beim Erdgas: Waiblinger Stadtwerke

Beim Arbeitspreis für Gas gibt es spürbare Steigerungen: Von 13,59 Cent pro Kilowattstunde (brutto) für kleinere Verbraucher auf nun 16,88 Cent (ein Plus von circa 24 Prozent). Für Verbraucher ab 9000 kWh betrug der Arbeitspreis bislang 12,14 Cent (Oktober-Tarif). Er steigt nun um 39 Prozent auf 16,88 Cent.

Beim Erdgas gab es in der Grundversorgung der Waiblinger Stadtwerke bislang eine Unterscheidung zwischen kleineren und größeren Verbrauchern (ab 9000 Kilowattstunden pro Jahr). Diese gibt es laut dem aktuellen Tarifblatt ab Januar 2023 nicht mehr. Der Brutto-Grundpreis für Gas beträgt dann einheitlich 160,50 Euro pro Jahr (13,37 Euro/Monat), für Privathaushalte wie für Unternehmen und Landwirte. Im zuletzt gültigen Tarif ab Oktober 2022 lag er für Verbraucher bis 9000 kWh nur bei 29,96 Euro (2,49 Euro/Monat) – er verfünffacht sich also nun.

Nur für Haushalte in der Grundversorgung, die mehr als 9000 kWh Gas verbrauchen, ergibt sich beim Grundpreis gegenüber dem Oktober-Tarif keine Veränderung.

Die Backnanger Erdgas-Preise

Für Erdgas sind ansonsten nur noch die Backnanger Stadtwerke Grundversorger im Rems-Murr-Kreis. Ihre Tarif-Erhöhung zum 1. Januar 2023 unter ferner liefen: von 14,43 auf 22,69 Cent/kWh. Der Grundpreis bleibt bei 13,38 Euro/Monat.

Kunden-Nepp: Ein Stadtwerke-Chef appelliert

„Es ist erstaunlich, was für Gas- und Strompreise Verbraucher von manchen Anbietern angeboten bekommen, da muss man nur in das Vergleichsportal Verivox reinschauen“, sagt Gerhard Ammon von den Fellbacher Stadtwerken. „Wer da 12 Cent/kWh als Gas-Arbeitspreis ab 1. Januar 2023 anbietet und dazu noch Prämien von bis zu 400 Euro beim Anbieter-Wechsel, ist wirklich äußerst fragwürdig.“

Er habe den Eindruck, so Ammon, dass manche Anbieter im Moment die Gunst der Stunde nutzten und Dumpingpreise anpreisen, weil sie hofften, dass durch die Energiepreisbremse nicht verdientes Geld wieder reinkomme beziehungsweise durch den Staat ausgeglichen werde. „Ich halte ein solches Verhalten für sehr kritikwürdig. Es grenzt an Fördergeldbetrug. Zudem werden falsche Anreize geschaffen, die eben nicht zum so notwendigen Energiesparen veranlassen.“ Er könne nur davor warnen, sich auf solche Angebote einzulassen.

„Ich habe mir vom Aufsichtsrat jedenfalls explizit bestätigen lassen, dass die Stadtwerke Fellbach einen solchen Weg nicht einschlagen und sich nicht auf Kosten der Allgemeinheit und des Staatshaushaltes gesundstoßen“, sagt Ammon.

Die Gasabschlag-Soforthilfe im Dezember und die Energiepreisbremse im Frühjahr 2023 sind bitter nötig. Die Gas- und Strompreise steigen auch im Rems-Murr-Kreis deutlich. Ein Vergleich der Versorger EnBW und Süwag sowie der Stadtwerke Backnang, Fellbach, Waiblingen, Weinstadt und Schorndorf offenbart, welche Stadtwerke sich am wackersten im Preiswettkampf behaupten. Ein Stadtwerke-Chef warnt vor Kunden-Nepp.

Strom von Stadtwerken Weinstadt oder EnBW: Wer ist günstiger?

Beim

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper